oekoplus - Freiburg
Freitag, 18. Oktober 2019
  --- Besuchen Sie unser neues Informationsportal wodsch.de
Uhr


 
NABU: Gemischte Bilanz des World Parks Congress in Sydney
Schutzgebietsmanagement auch in Deutschland weiter verbessern

Schutzgebiete sind ein wichtiger Baustein in der Strategie, den weltweiten Verlust der Artenvielfalt bis zum Jahr 2020 zu stoppen. Zum Abschluss des World Parks Congress in Sydney appelliert der NABU daher an die EU sowie Bund und L√§nder, die Anstrengungen zur Sicherung wertvoller Landschaften und √Ėkosysteme mit Nachdruck voranzubringen. ‚ÄěSchutzgebiete sichern nicht nur den Erhalt bedrohter Arten, sondern stellen f√ľr die Menschheit eine Vielzahl von Gratisleistungen wie reines Wasser, saubere Luft oder auch Erholungslandschaften zur Verf√ľgung‚Äú, sagte NABU-Bundesgesch√§ftsf√ľhrer Leif Miller. Aus diesem Grund sei es notwendig, dass weltweit geeignete Finanzierungsmechanismen bereitgestellt w√ľrden, um sogenannte ‚ÄěPaper Parks‚Äú zu vermeiden, Schutzgebiete, die faktisch nur auf dem Papier existieren. Gleichzeitig d√ľrften wichtige Aufgaben vor der eigenen Haust√ľr jedoch nicht vernachl√§ssigt werden.

Auf internationaler Ebene komme die Bundesregierung ihrer Verantwortung aus Sicht des NABU durchaus nach. ‚ÄěEine Vielzahl von Projekten, die durch das Bundesumweltministerium und das Bundesentwicklungshilfeministerium im Ausland gef√∂rdert werden, spiegelt in hervorragender Weise einen modernen Ansatz von Schutzgebietsmanagement unter Einbeziehung der Bev√∂lkerung wider‚Äú, so Eick von Ruschkowski, NABU-Fachbereichsleiter Naturschutz und Delegierter auf dem World Parks Congress. W√§hrend Deutschland hier vorbildlich seiner globalen Verantwortung nachk√§me, seien parallel dazu aber insbesondere die √ľberwiegend in der Hoheit der Bundesl√§nder liegenden Naturschutzaufgaben in Deutschland stark unterfinanziert. Dies betrifft insbesondere die immer noch stockende Umsetzung der EU-Naturschutzrichtlinien f√ľr das EU-weite Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000. Auch fehlten in vielen Nationalparks und Biosph√§renreservaten die notwendigen Mittel, um deren Management weiter zu verbessern.

‚ÄěEs mutet schon merkw√ľrdig an, wenn Deutschland und andere Geberl√§nder von den Entwicklungsl√§ndern eine genaue Auflistung ihres Finanzbedarfes f√ľr Naturschutzhilfen verlangen, aber aus den Bundesl√§ndern noch immer keine konkreten Zahlen dazu vorliegen, wie viel Geld dort f√ľr den f√ľr den Naturschutz ausgegeben wird und wie gro√ü die Finanzierungsl√ľcke eigentlich ist‚Äú, so von Ruschkowski.

Zu den wichtigsten Forderungen des NABU zur Umsetzung von Natura 2000 geh√∂ren die rechtliche Sicherung der Gebiete und die Aufstellung verbindlicher Management-Pl√§ne, eine strikte Anwendung des bestehenden Regelwerkes bei Eingriffen in das Schutzgebietsnetz sowie eine ausreichende Bereitstellung von Finanz- und Personalmitteln. Da gro√üe Teile der Schutz- und Pflegema√ünahmen in Natura-2000-Gebieten von der Landwirtschaft durchgef√ľhrt werden, w√§ren diese ebenfalls Nutznie√üer einer verbesserten Finanzierung. Die Verteilung der F√∂rdergelder aus Br√ľssel wird derzeit zwischen den Bundesl√§ndern und der EU-Kommission verhandelt. Der NABU fordert, dass hierbei die Naturschutzmittel entscheidend aufgestockt werden m√ľssen, da ansonsten das Artensterben nicht aufzuhalten ist. Parallel dazu m√ľssen umweltsch√§dliche Subventionen weiter abgebaut werden; hierzu hat sich die Bundesregierung im Rahmen der Konvention √ľber biologische Vielfalt (CBD) bis 2020 verpflichtet.

Positiv bewertete der NABU das Engagement vieler Entwicklungs- und Schwellenl√§nder auf dem World Parks Congress, neue Schutzgebiete auch mit Blick auf den Klimawandel auszuweisen. Allerdings m√ľsse sich nun bis zum n√§chsten Kongress im Jahr 2024 zeigen, dass diese Schutzgebiete dann auch so ausgestattet werden, dass sie nicht nur auf dem Papier existieren. Im Rahmen seiner Zusammenarbeit im internationalen Dachverband BirdLife International hatte der NABU w√§hrend des World Parks Congress bereits f√ľnf deutsche besonders gef√§hrdete ‚ÄěImportant Bird and Biodiversity Areas‚Äú (IBA) vorgestellt. Auch hier m√ľssten verst√§rkte Anstrengungen unternommen werden, diese Gebiete dauerhaft zu sichern.

Der World Parks Congress wird alle zehn Jahre von der International Union for the Conservation of Nature (IUCN), einem Zusammenschluss zahlreicher staatlicher und privater Naturschutzorganisationen, organisiert. Er beschäftigt sich mit dem Schutz der Natur durch Ausweisung und Management von Schutzgebieten unterschiedlicher Kategorien.
Mehr
Eintrag vom: 28.11.2014  




zurück

Copyright 2010 - 2019 Benjamin Jäger