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Freitag, 25. Juni 2021
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NABU: Tote Schweinswale nach √úbungen der Marine?
Anfrage der Linken setzt Bundeswehr unter Druck

Der NABU fordert von der Bundeswehr, ihre Sprengungen im Meer k√ľnftig nur noch mit entsprechendem Schallschutz vorzunehmen. Aktuellen Anlass zur Sorge bietet unter anderem der Tod mehrerer Schweinswale Anfang September. Wie hoch die Gefahr f√ľr die Meeresbewohner tats√§chlich ist, zeigt jetzt auch die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsabgeordneten der Linken Dr. Kirsten Tackmann und Cornelia M√∂hring. Demnach kamen bei knapp 300 Sprengungen der Bundeswehr nur unzureichende Schutzma√ünahmen f√ľr die Meeresumwelt zum Einsatz ‚Äď vermutlich aus Kostengr√ľnden.

‚ÄěUnterwasserexplosionen sind die lautesten Schallquellen im Meer. Noch in mehreren Kilometern Entfernung k√∂nnen sie Fische, V√∂gel und Wale t√∂ten. W√§hrend sich zivile Projekte im Meer an strenge Schallschutzauflagen halten m√ľssen, sprengt die Bundeswehr mit unverantwortlicher Laust√§rke und H√§ufigkeit‚Äú, kritisierte NABU-Bundesgesch√§ftsf√ľhrer Leif Miller.

Der NABU fordert die Bundeswehr auf, ihre Sprengungen auf ein Minimum zu reduzieren und bei allen unvermeidbaren Unterwasserdetonationen einen sogenannten Blasenschleier einzusetzen. Dieser ist zum Beispiel beim Rammen der Fundamente f√ľr Offshore-Windparks inzwischen Stand der Technik. Er d√§mpft durch Luftblasen, die aus einem perforierten Schlauch oder Rohr str√∂men, die Schockwelle der Explosionen erheblich ab und reduziert so den lebensgef√§hrlichen Aufenthaltsbereich f√ľr Schweinswale. ‚ÄěAn der Weiterentwicklung des Ger√§ts war die Bundeswehr selbst beteiligt. Warum sich die Marine aber bis heute weigert, den Blasenschleier bei ihren √úbungen einzusetzen, ist vollkommen unklar. Es k√∂nnen eigentlich nur Kostengr√ľnde dahinterstecken‚Äú, so der NABU-Bundesgesch√§ftsf√ľhrer.

Um die Gefahr f√ľr die Meeress√§uger zu verringern, sucht die Bundeswehr derzeit, laut Antwort der Bundesregierung, vor ihren Sprengungen akustisch und mit Beobachtern nach Schweinswalen im Seegebiet. Zus√§tzlich w√ľrden mit Sonar und Vorsprengungen mit sogenannten Kleinladungen anwesende Tiere vertrieben. ‚ÄěDas ist aber v√∂llig unzureichend. Ein Gebiet von zwei Seemeilen mit Beobachtern zu √ľberwachen, ist nahezu unm√∂glich. Schon ab zwei Windst√§rken kann man die kleinen R√ľckenflossen der Tiere zwischen den Wellen kaum mehr erkennen‚Äú, erkl√§rte NABU-Meeresexperte Kim Detloff. Und selbst die vorgesehenen Mini-Explosionen w√ľrden eine Schockwelle erzeugen, die auf 650 Meter Entfernung einem Taucher oder einem Schweinswal die Lunge zerrei√üen k√∂nne.

Seit dem Jahr 2009 hat die Bundeswehr, laut Antwort der Bundesregierung, fast 300 Unterwassersprengungen im √úbungsgebiet Sch√∂nhagen in der westlichen Ostsee durchgef√ľhrt. Nach der Sprengung am 6. September dieses Jahres wurden zehn Tage sp√§ter in unmittelbarer N√§he sieben tote Schweinswale angesp√ľlt. Ein Zusammenhang mit der Sprengung ist zwar nicht erwiesen, an einen Zufall k√∂nnen die Natursch√ľtzer aber auch nicht so recht glauben. ‚ÄěSchweinswale sind streng gesch√ľtzt und f√ľr ihr √úberleben auf ein intaktes Geh√∂r angewiesen. Wird dieses durch eine Unterwasserexplosion gesch√§digt, k√∂nnen die kleinen Wale nicht mehr navigieren, kommunizieren und jagen. Das kommt einem Todesurteil gleich‚Äú, warnt Detloff.

Um den Schutz von Deutschlands einzigem heimischen Wal zu verbessern, hat der NABU Schleswig-Holstein in diesem Jahr eine Landesstelle Schweinswalschutz geschaffen. Hier wird √Ėffentlichkeitsarbeit f√ľr die kleinen Wale gemacht, Sichtungsmeldungen werden gesammelt und regionale Akteure und Institutionen vernetzt.
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Eintrag vom: 24.10.2014  




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