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Montag, 6. April 2020
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50 Jahre Regenwassermanagement
Exklusiver Einblick in die Unterwelt Freiburgs

Versteckte G√§nge, tiefe Sch√§chte - was der √Ėffentlichkeit sonst verborgen bleibt, war heute erstmals f√ľr die Presse zug√§nglich: Mit Schutzanz√ľgen, Seilzug und fachlicher Begleitung ging es hinunter in das weitverzweigte Freiburger Kanalsystem. Dieses in Schuss zu halten und das Abwasser fachgerecht zu entsorgen, ist Aufgabe des Eigenbetriebs Stadtentw√§sserung (ESE). Dazu geh√∂rt auch die Ableitung von Regenwasser, um die sich der ESE seit genau 50 Jahren k√ľmmert. Ziel der Besichtigung war aus diesem Anlass das Regen√ľberlaufbecken unterhalb des Komturplatzes.

Dort kreuzen sich nicht nur mehrere gro√üe Stra√üen, auch unterirdisch gibt es eine wichtige Infrastruktur: Der Mischwasserkanal, der das Regen- und Abwasser der n√∂rdlichen Altstadt abf√ľhrt, trifft hier auf den n√∂rdlichen Arm des Gewerbekanals, der sich ab dort Ro√üg√§sslebach nennt. Bei Regen kommt hier eine Menge Wasser zusammen. Damit die Kan√§le dann nicht √ľberlaufen, baute die Stadt 1964 das Regen√ľberlaufbecken.

Das große unterirdische Becken verhindert auch, dass bei Regen zu viel Schmutz aus dem Abwasser in den relativ kleinen Roßgässlebach schwappt und ihn belastet: Das aus der Kanalisation kommende Wasser durchströmt das Becken bevor es ins Gewässer fließt. Dadurch setzt sich der Schmutz ab und gelangt nicht in den Bach.

Das Regenwassermanagement des ESE umfasst neben der nun 50 Jahre alten Anlage weitere f√ľnf Regen-√úberlaufbecken, vier Regen-Kl√§rbecken, einen Bodenfilter, sieben Regen-R√ľckhaltebecken und viele Regen-Versickerungsanlagen.

Diese Anlagen sorgen zusammen mit dem rund 730 Kilometer langen Freiburger Kanalnetz daf√ľr, dass das Regenwasser ohne Schaden f√ľr B√ľrger und Gew√§sser abgeleitet wird.

Hauseigent√ľmer in der Pflicht

In Ausnahmef√§llen, also bei richtig starkem Regen, kann es trotz ausgefeiltem Regenwassermanagement vorkommen, dass die Stra√üen √ľberschwemmen. ‚ÄěDie Haus- und Grundst√ľckseigent√ľmer m√ľssen sich f√ľr solche F√§lle wappnen und selbst Vorkehrungen treffen‚Äú, erkl√§rte ESE-Betriebsleiter J√ľrgen Bolder. Das ist auch im neuen Wassergesetz des Landes Baden-W√ľrttemberg, das seit Jahresbeginn gilt, klar geregelt. Daneben macht die Hochwassergefahrenkarte auf die Gefahrengebiete aufmerksam und regt zum Selbstschutz an.

Die Hauseigent√ľmer sind auch daf√ľr verantwortlich, dass die Leitungen, die das h√§usliche Abwasser zu den st√§dtischen Kan√§len transportieren, in Ordnung sind. Repariert die Stadtentw√§sserung √∂ffentliche Kan√§le, macht sie die anliegenden Hausbesitzer darauf aufmerksam, dass die Gelegenheit g√ľnstig ist, auch die privaten Leitungen zu √ľberholen. Diese sind meist genauso alt wie der √∂ffentliche Kanal, so dass zumindest die Dichtheit √ľberpr√ľft werden sollte. In vielen F√§llen arbeiten ESE und Hauseigent√ľmer Hand in Hand und bringen ihre Leitungen gleichzeitig auf den neuesten Stand.

Klären des Abwassers

Die Stadtentw√§sserung k√ľmmert sich nicht nur um das Kanalnetz und das Regenwassermanagement, sondern auch um die Behandlung des verschmutzten Abwassers. Die Stadt Freiburg hat sich daf√ľr mit den Umlandgemeinden zum Abwasserzweckverband Breisgauer Bucht zusammengeschlossen. Die gemeinsame gro√üe Kl√§ranlage wird seit 1980 bei Forchheim betrieben. Das operative Gesch√§ft der Stadtentw√§sserung erledigt seit 1999 die Freiburger Energie- und Wasserversorgung FEW - heute Badenova - im Auftrag der Stadtentw√§sserung.

Die bei der Stadtentw√§sserung anfallenden Kosten werden √ľber Geb√ľhren und Beitr√§ge auf alle verteilt, die Wasser verbrauchen und ableiten. Die Kosten f√ľr √∂ffentliche Fl√§chen tr√§gt die Stadt. Per Gesetz ist geregelt, dass keine Gewinne erwirtschaftet werden d√ľrfen. Sollten dennoch kurzfristig √úbersch√ľsse erzielt werden, gehen diese innerhalb von f√ľnf Jahren an die Geb√ľhrenzahler zur√ľck; analog bei m√∂glichen Unterdeckungen.
 
Eintrag vom: 19.09.2014  




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