oekoplus - Freiburg
Sonntag, 26. September 2021
  --- Besuchen Sie unser neues Informationsportal wodsch.de
Uhr


 
NABU: Trotz Fukushima bleibt Atomkraft in Europa hoffähig
EU-Politik droht erneuerbare Energien im Strommarkt auszubremsen

Als es vor gerade mal drei Jahren in Fukushima zur Kernschmelze kam, war das beherrschbare Restrisiko der zivilen Atomenergienutzung endg√ľltig Geschichte. ‚ÄěDer Jahrestag der Nuklearkatastrophe von Fukushima sollte uns alle daran erinnern, wie teuer uns die Nutzung der Atomkraft zu stehen kommt, wenn wir nicht auf wirklich nachhaltige Alternativen f√ľr unsere Energieversorgung setzen‚Äú, warnte NABU-Bundesgesch√§ftsf√ľhrer Leif Miller auch angesichts der weiter ungel√∂sten Frage der Endlagerung hochradioaktiver Abf√§lle und der steigenden Stromerzeugung aus klimasch√§dlichen Kohlekraftwerken.

In Deutschland verk√ľndete die Bundesregierung im Eiltempo nach der Katastrophe den erneuten Atomausstieg und der Bundestag bekannte sich partei√ľbergreifend zur so genannten Energiewende. Auch einige andere Staaten, die bisher auf Atomenergie setzten, wie Belgien und die Schweiz, beschlossen das Ende dieser unbeherrschbaren Technologie. Doch inzwischen beginnt sich der Wind schon wieder zu drehen ‚Äď Politiker in Berlin und Br√ľssel machen Stimmung gegen die Energiewende. Mit st√§ndigen Verweisen auf steigende Strompreise, die Notwendigkeit der Marktintegration und m√∂glichen Gefahren f√ľr die Versorgungssicherheit wollen sie letztendlich das dreckige Gesch√§ft der konventionellen Energiewirtschaft mit Atom und Kohle sch√ľtzen.

Das prominenteste Beispiel ist der aktuelle Streit zwischen EU-Kommission und Bundesregierung √ľber die k√ľnftige F√∂rderung erneuerbarer Energien im Strommarkt und die ausgeuferten Ausnahmeregelungen f√ľr energieintensive Unternehmen. Ohne Einigung droht die Einstufung des deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) als ‚Äěunerlaubte Staatsbeihilfe‚Äú. ‚ÄěWahrscheinlich beh√§lt die Industrie ihre Privilegien, muss sich aber k√ľnftig st√§rker an den Kosten des EEG beteiligen. Wenn aber der weitere Zubau erneuerbarer Energien k√ľnftig nur noch √ľber europaweite Ausschreibungen erfolgen soll, dann werden davon allenfalls riesige Wind-, Wasser- und Solarkraftwerke und damit die gro√üen Energieunternehmen profitieren‚Äú, so Miller. Ein erfolgreicher Umbau in Richtung eines umweltvertr√§glichen, st√§rker dezentral organisierten und intelligent vernetzten Energiesystems sei dann nicht mehr m√∂glich.

W√§hrend die F√∂rderung f√ľr erneuerbare Energien unter Beschuss ist, setzt Gro√übritannien weiter auf Kernkraft und will f√ľr das neue Atomkraftwerk Hinkley Point C den Betreibern 35 Jahre lang eine lukrative Verg√ľtung mit einem Strompreis von √ľber 11 Eurocent garantieren. Zum Vergleich: Neue Windenergieanlagen an Land erzeugen bereits heute in Deutschland g√ľnstiger √Ėkostrom. Selbst die oft als Kostentreiber der Energiewende diffamierten Photovoltaikanlagen k√∂nnen auf diesem Preisniveau konkurrieren. ‚ÄěWenn die EU-Kommission jetzt neue Subventionen f√ľr Atomstrom genehmigen sollte und gleichzeitig feste Einspeisetarife f√ľr Strom aus erneuerbaren Energien aus Gr√ľnden der Wettbewerbsverzerrung abschaffen will, w√§re das ein fatales Signal gegen eine zukunftsf√§hige Energiepolitik in Europa‚Äú, sagte NABU-Energieexpertin Tina Mieritz.

Atomkraft ist nicht nur gef√§hrlich f√ľr Mensch und Natur, sondern birgt auch immense √∂konomische Risiken. In ganz Europa werden Baustellen von Atommeilern zum industriepolitischen Desaster und sind zum Teil bereits aufgegeben, wie in Bulgarien. In Finnland explodierten die Baukosten f√ľr die Dauerbaustelle der Atomanlage Olkiluoto von urspr√ľnglich drei Milliarden auf fast neun Milliarden Euro. Im Vergleich dazu wird eine Energieversorgung auf Basis von Energieeinsparung, Energieeffizienz und erneuerbaren Energien in Europa bereits 2030 g√ľnstiger sein als das heutige System. Zudem sollte nicht vergessen werden, dass die F√∂rderung der Atomenergie den deutschen Steuerzahler in den letzten Jahrzehnten bereits √ľber 230 Milliarden Euro gekostet hat.
Mehr
Eintrag vom: 14.03.2014  




zurück
Oekostation_Haus_3026_2a.JPG

Copyright 2010 - 2021 Benjamin Jäger