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NABU International: Neuseeland muss den „Hobbit der Meere“ sofort schützen
Tennhardt: Maui-Delfine könnten als erste Delfinart durch Menschenhand aussterben

Berlin – Jüngst hat die Weltnaturschutzunion (IUCN) die aktualisierte Rote Liste veröffentlicht und damit Menschen in aller Welt alarmiert: Ein Drittel der 70.294 gelisteten Arten ist vom Aussterben bedroht, knapp 800 Arten sind bereits ausgestorben. „Man sollte meinen, dass die Staaten sich angesichts dieser erschreckenden Zahlen darum bemühen, das Aussterben weiterer Arten zu verhindern“, sagte Thomas Tennhardt, Vorsitzender der NABU International Naturschutzstiftung. „ Doch die neuseeländische Regierung sträubt sich seit Jahren dagegen, die kleinste Delfinart der Welt zu schützen – mit dem Ergebnis, dass die Maui-Delfine innerhalb kürzester Zeit aussterben, wenn nicht sofort etwas dagegen unternommen wird.“

Erst kürzlich hatte Dr. Barbara Maas, Leiterin Artenschutz der NABU International Naturschutzstiftung, als erste Vertreterin einer Nichtregierungsorganisation vor dem Wissenschaftlichen Ausschuss der Internationalen Walfang-Kommission (IWC) über den kritischen Erhaltungszustand der seltensten Delfine der Welt berichtet und dringend empfohlen, die letzten 50 Maui-Delfine sofort und umfassend zu schützen. Nun wurde der Wissenschaftliche Abschlussbericht der IWC veröffentlicht. Er schließt sich der Einschätzung von NABU International an. Die IWC warnt davor, dass die Maui-Delfine aussterben könnten, sollte nur noch ein einziges weiteres Tier durch menschlichen Einfluss sterben. Anstatt weitere wissenschaftliche Informationen zu sammeln, wie von der neuseeländischen Regierung angedacht, empfiehlt der Ausschuss sofortige Maßnahmen mit höchster Priorität, um den Beifang von Maui-Delfinen zu stoppen. Dies beinhaltet laut IWC-Empfehlung den Stopp von gefährlichen Fangmethoden im Lebensraum der Maui-Delfine und eine Schaffung von großzügigen Pufferzonen.

Hector-Delfine und ihre engen Verwandten, die Maui-Delfine, sind die weltweit kleinsten Delfine. Fischerei mit Treib- und Schleppnetzen ist ihre größte Bedrohung. Seit Einführung dieser Fischereimethoden in den 1970er-Jahren ist der Bestand der Hector-Delfine um 75 Prozent von 29.000 auf 7.270 Tiere geschrumpft. Die Population der Maui-Delfine ging sogar noch drastischer zurück von 1800 Tieren im Jahr 1970 auf heute 50 Tiere, davon weniger als 15 Weibchen im fortpflanzungsfähigen Alter. „Zurzeit sind weniger als 20 Prozent der Maui-Delfin-Lebensräume gegen die schädlichen Fangmethoden geschützt“, sagte Dr. Barbara Maas. Durchschnittlich sterben fünf Mauis pro Jahr in den Fischernetzen. Damit die Art überlebt, dürfte es höchstens einen Todesfall innerhalb von 10 bis 23 Jahren geben. „Wenn die neuseeländische Regierung nicht sofort handelt, werden die Mauis in spätestens 20 Jahren ausgestorben sein, vermutlich sogar schon viel früher. Dies wäre der erste Meeressäuger, der nachweislich durch menschliche Einwirkung ausstirbt“, sagte Dr. Maas. „Die neuseeländische Regierung ignoriert sogar Studien, die sie selbst in Auftrag gegeben hat, da ihr die Ergebnisse nicht genehm sind. Jetzt muss sich Neuseeland entscheiden: Will die Regierung weiterhin der Fischereiindustrie nach dem Mund reden? Dann wird sie ihre einzige endemische Walart verlieren – und damit auch ihr grünes Image.“

Während die letzten „Hobbits der Meere“ vor Neuseelands Küste um ihr Überleben kämpfen, ist Neuseeland damit beschäftigt, gemeinsam mit Australien Japan wegen seines Walfangs im Südpolarmeer bei dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag anzuklagen. „Es ist höchste Zeit, dass Neuseeland sich auch um seine kleinen Wale zu Hause kümmert“, sagte Dr. Maas.
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Eintrag vom: 06.07.2013  




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