oekoplus - Freiburg
Freitag, 15. November 2019
  --- Besuchen Sie unser neues Informationsportal wodsch.de
Uhr


 
Eigenbetrieb Stadtentw├Ąsserung und Badenova stellen Pilotprojekt vor
EBM Otto Neideck: ÔÇ×Das Freiburger Modell wird Kommunen viel Geld sparenÔÇť

Freiburg ist ber├╝hmt f├╝r seine Sonne. Jetzt will die Stadt nachweisen,
dass man hier auch mit Regen das Richtige anzustellen versteht.
Heute hat Erster B├╝rgermeister Otto Neideck im Gewerbegebiet Haid
eine neue Methode f├╝r die alte kommunale Aufgabe der Behandlung
von Regenwasser vorgestellt. Die Regenwasserkl├Ąrung Freiburger
Modell (RFM), vom Eigenbetrieb Stadtentw├Ąsserung (ESE) mit der
Badenova entwickelt, soll den Grunderwerb und Bau von Kl├Ąrbecken
in vielen Gewerbegebieten weitgehend ├╝berfl├╝ssig machen.

ÔÇ×Das Ergebnis bleibt gut, der Aufwand ist aber viel geringer. Mit
unserem Freiburger Modell k├Ânnen die Kommunen nachhaltig Geld
sparen. Und dieses Argument z├Ąhlt immer mehr in Zeiten steigender
AusgabenÔÇť, sagte B├╝rgermeister Neideck. ESE-Gesch├Ąftsf├╝hrer
J├╝rgen Bolder und Projektleiter Michael M├╝ndlein von der Badenova
verwiesen darauf, dass das RFM als kosteng├╝nstige Alternative zur
konventionellen Bauweise auch an anderen behandlungsbed├╝rftigen
Einleitstellen angewandt werden k├Ânne. Die Wirkungsweise werde
├╝berwacht, dokumentiert und ausgewertet, so dass daraus Regeln
der Technik abgeleitet werden k├Ânnten.

Entwickelt, erprobt und nun eingebaut wurde das neue Modell der
Regenwasserkl├Ąrung im Gewerbegebiet Haid. Dessen Kanalisation
stammt aus den 1970er Jahren. Sie gibt Niederschlagswasser ├╝ber
ein Regenr├╝ckhaltebecken bei den Schlatth├Âfen in den sehr kleinen
Schelmengraben ab. Da dieses Wasser aus einem Gewerbegebiet
kommt, ist es zum Schutz des weiterf├╝hrenden Gew├Ąssers zu
behandeln; dies schreibt der Gesamtentw├Ąsserungsplan der Stadt
vor. Bei einem St├Ârfall muss es zur├╝ckgehalten werden k├Ânnen.

In der Regel wird in solchen F├Ąllen ein Regenkl├Ąrbecken gebaut, f├╝r
das die Kommune entsprechende Fl├Ąchen erwerben muss.
Richtlinien des Landes fordern einen Feststoffr├╝ckhalt von
mindestens 50 Prozent. Um diesen Wert zu erreichen, m├╝sste im Fall
Haid ein konventionelles Regenkl├Ąrbecken im Dauerstau entstehen,
mit einem Volumen von 847 Kubikmetern und 423 Quadratmetern
Oberfl├Ąche ÔÇô das ist mehr als ein halber Fu├čballplatz.

Nun hatten ESE und Badenova die Idee, einfach den bestehenden
Kanal mit einem Innendurchmesser von 2,10 Meter zur Behandlung
des Regenwassers einzusetzen. Weil dieses Vorgehen von den
Regeln bestehender Technik abweicht, musste der ESE nachweisen,
dass damit eine ausreichende Reinigung erreicht werden kann. Das
gelang mit Hilfe der Universit├Ąten Stuttgart und Darmstadt. Der
Innovationsfonds der Badenova ├╝bernahm die H├Ąlfte der Kosten.

Seit Dezember 2012 wird in der B├Âtzinger Stra├če an der neuen
Regenwasserkl├Ąrung gebaut. F├╝r 1,6 Millionen Euro entsteht bis Juni
2013 am Ende des Kanals ein Steuerungswerk, das Regenwasser
weitgehend reinigt, bevor es ins R├╝ckhaltebecken eingeleitet wird.
Weil das Verfahren in Deutschland bisher einmalig ist und k├╝nftig
auch andernorts zum Einsatz kommen soll, kontrolliert und
dokumentiert der ESE die Wirkungsweise der Anlage.

Da sie alle Oberfl├Ąchenabfl├╝sse im Gewerbegebiet aufnehmen und
die Entlastung in einen naheliegenden Schmutzwasserkanal
erm├Âglichen muss, kam als Standort nur eine Stelle in Betracht. Sie
liegt in einem Fu├čweg im Stadtwald. Daf├╝r wurde nun ein Becken
aus Stahlbeton errichtet, mit Au├čenma├čen von 9 mal 8 Metern. Die
Deckenplatte, mit sechs Schachteinstiegen und Montage├Âffnung
ausgestattet, h├Ąlt Fahrzeugen bis 30 Tonnen aus. Alle Einbauten
regeln sich dank Mess-Steuer-Technik selbst. Dazu z├Ąhlt eine 2,10
Meter hohe Schwelle mit Entlastungsschieber, der bis auf 1,10 Meter
├╝ber Kanalsohle absinken kann, um Klarwasser in den Vorfluter
einzuleiten; eine schwimmende Tauchwand vor der Schwelle; eine
Verbindung zum Schmutzwasserkanal mit Verschlussschieber; ein
Bypass DN 250 f├╝r Fremdwasser mit Abscheidefunktion f├╝r
Leichtfl├╝ssigkeit, Verschlussschieber und Ableitungsm├Âglichkeit in
den Schmutzwasserkanal; sowie ein Sand- und Ger├Âllfang.

Und das Ganze geht so: Bei Trockenwetter (Ausgangslage) ist der
Entlastungsschieber an der Schwelle in oberer Stellung, der Schieber
DN 500 zum Schmutzwasserkanal geschlossen, die ├ľffnung DN 250
ge├Âffnet (damit Fremdwasser abflie├čen kann) und der Sp├╝lschild im
Oberwasser des Regenwasserkanals ebenfalls ge├Âffnet.
Sobald Regen einsetzt, werden die ├ľffnung DN 250 und der
Sp├╝lschild im Oberwasser geschlossen. Damit wird das gesamte
Regenwasser zur├╝ckgehalten; Sp├╝lwasser sammelt sich an.

Auch bei ├ťberstauung der Schwelle durch anhaltenden Regen
bleibt der Entlastungsschieber geschlossen. Sobald das Volumen
(982 Kubikmeter) gef├╝llt ist, h├Ąlt das RFM den ersten Sp├╝lsto├č an
belastetem Regenwasser zur├╝ck. Das nachflie├čende Wasser
├╝berstr├Âmt die Schwelle. Die schwimmende Tauchwand h├Ąlt
Schwimmstoffe davon ab, ├╝ber die Schwelle in die Vorflut zu
gelangen. Schieber DN 500 zum Schmutzwasserkanal und ├ľffnung
DN 250 bleiben w├Ąhrend dieses Vorgangs geschlossen.
Mit dem Ende des Regens beginnt die Entlastung. Die Schwelle
wird bis auf 1,10 Meter ├╝ber der Sohle abgesenkt, das Wasser ├╝ber
dieser H├Âhe flie├čt in den Vorfluter, nachdem sich Schmutzteile
abgesetzt haben. Bei Erreichen von 1,10 Meter ├╝ber Sohle verbleibt
eine Restwassermenge von 200 Kubikmetern im Kanal.
Um auch diese Restwassermenge abzuleiten, wird der Schieber DN
500 zum Schmutzwasserkanal ge├Âffnet. Zur Reinigung des RWKanals
wird schlie├člich das Sp├╝lschild im Oberwasser ge├Âffnet.

Ob es regnet oder nicht, ermitteln automatisch ein Regensensor und
die Wasserstandsmessung im Zulaufkanal. Alle Vorg├Ąnge und
Messungen werden erfasst und zur Abwasserleitstelle bei der
Badenova ├╝bertragen.
 
Eintrag vom: 09.05.2013  




zurück

Copyright 2010 - 2019 Benjamin Jäger