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Keine Omnibuslösung für den Rheinlachs!
Namens der Umwelt- und Naturschutz- sowie der Fischereiverbände aus den
Niederlanden, dem Elsass, der Nordwestschweiz und Deutschlands teilt der
regioWASSER e.V . mit:

Die Naturschutz- und Fischereiverbände im internationalen Rheineinzugsgebiet
haben am Wochenende (22./23. Juni) in Freiburg an die Rheinminister
appelliert, die Programme der Internationalen Rheinschutzkommission zur
ökologischen Aufwertung des Rheins zügig in die Tat umzusetzen. Die
Umweltminister der Rheinanliegerländer werden sich nach langer Pause im
Oktober 2007 in Bonn treffen, um u.a. zu beraten, wie die Passierbarkeit des
Rheins von der Mündung bis zum Rheinfall bei Schaffhausen wieder hergestellt
werden kann. Insbesondere zehn Staustufen im Oberrhein sowie weitere elf
Staustufen im Hochrhein versperren dem Lachs und anderen
?Langdistanzwanderfischen" den Weg in ihre angestammten Laichgründe.

Die EG-Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2000 sieht vor, dass die
Durchwanderbarkeit bis zum Jahr 2015 wieder hergestellt sein muss.
Allerdings lässt die Richtlinie Ausnahmen bis zum Jahr 2027 zu. Auf dem
internationalen Workshop der Naturschutz- und Fischereiverbände sprachen
sich die Verbände dafür aus, insbesondere keine Zugeständnisse an die
Electricité de France (EdF) zu machen. Die EdF als Betreiber der zehn
Rheinwasserkraftwerke am Oberrhein drängt auf Nutzung der Ausnahmeregelungen
und will aufsteigende Lachse aus Kostengründen nur auf dem Landweg nach
Basel transportieren (?Omnibuslösung").

Nach Meinung der in Freiburg tagenden Verbände müsse die
Rheinministerkonferenz die EdF dazu veranlassen, an allen Staustufen am
Oberrhein Fischtreppen zu errichten. Ferner müsse die EdF dafür Sorge
tragen, dass abwandernde Fische - insbesondere die im Atlantik ablaichenden
Aale - nicht länger in den Kraftwerksturbinen dezimiert werden.

Die Verbände berieten bei ihrem Workshop in Freiburg einen umfangreichen
Forderungskatalog an die Rheinminister. Darin wird u.a. auch gefordert, die
Abwärmeeinleitungen durch thermische Kraftwerke in den Rhein und seine
Nebenflüsse in einem international abgestimmten Abwärmereglement zu
begrenzen. Im Zusammenwirken mit dem Klimawandel führen die
Abwärmeeinleitungen zu einem für immer mehr Fischarten tödlichen
Temperaturniveau.

Die Verbände testeten in Freiburg ferner ein in den Niederlanden breit
erprobtes Rollenspiel zur Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie. In dem
Rollenspiel wurden die Positionierungen aller Interessengruppen entlang des
Rheins realitätsnah simuliert. Teilnehmer zeigten sich beeindruckt, wie
leicht es den virtuellen EdF-Vertretern gelungen war, die anderen Akteure am
Rhein über den Tisch zu ziehen. Die Erkenntnisse aus dem Rollenspiel sollen
genutzt werden, um auf den jetzt anstehenden Realterminen zur Umsetzung der
Wasserrahmenrichtlinie der EdF Paroli zu bieten.
 
Eintrag vom: 28.06.2007 Autor: Nikolaus Geiler




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