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Dienstag, 24. Mai 2022
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Wo die Energiewende weg von Atomenergie begann
Der Widerstand der Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen gegen Atomkraft in Wyhl am Kaiserstuhl und anderswo begann schon Anfang der 1970er Jahre am südlichen Oberrhein und dauert an – er hatte und hat weit reichende Folgen in der Region bis weit über Deutschland hinaus - auch für die Volksbewegung und Forschung für erneuerbare Energien. Ein neues Buch liegt vor zu den ersten Jahren des Widerstands von Bürgerinitiativen gegen Atomkraft in Deutschland - aus dem Blick von Aktiven gegen die Atomkraftwerke Breisach, Wyhl und Fessenheim am Rhein, bei Brokdorf/Elbe und Grohnde/Weser, gegen den „schnellen Brüter“ bei Kalkar/Niederhein und die Atommüll-Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf/Bayern. Zwei DVDs mit vier berühmten Dokumentarfilmen bereichern das Buch.

Es waren keineswegs allein die Atomreaktorkatastrophen von Fukushima 2011 und Tschernobyl 1986, die den Atomenergieausstieg Deutschlands voranbrachten. Vielmehr begannen die breite ablehnende Haltung und das verbreitete kritische Wissen gegen Atomkraft in Deutschland schon Anfang der 1970er Jahre mit dem aktiven Widerstand Hunderttausender Bürgerinnen und Bürger gegen zahlreiche geplante und gebaute Atomkraftanlagen. Hierzu bietet das kürzlich beim Laika-Verlag erschienene Buch „Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv I. Die AKW-Protestbewegung von Wyhl bis Brokdorf“ als Band 18 der Reihe Bibliothek des Widerstands acht Darstellungen der Kämpfe gegen die Atomkraftwerke Breisach/Rhein, Wyhl am Kaiserstuhl, Fessenheim/Elsass sowie Brokdorf/Elbe und Grohnde/Weser, gegen den „schnellen Brüter“ bei Kalkar/Niederrhein und die Atommüllwiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf/Bayern.

Sechs Autoren aus der Antiatomkraft-Bewegung schildern teils als zutiefst vor Ort im Widerstand Engagierte, teils als auch analysierende Zeitzeugen mit historischem Rückblick das Erlebte und ziehen wie Reimar Paul, Göttingen, eine Bilanz der Antiatombewegung von Wyhl bis Tschernobyl und danach. Der Hauptbeitrag zu den Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen, von Dr. Georg Löser, Freiburg/Gundelfingen, reicht von 1970 bis 2011 und spürt neben den auch heutigen Aktivitäten dortiger Bürgerinitiativen zahlreichen Details ihrer bedeutenden Folgewirkungen in der Region, in Deutschland und darüber hinaus nach. Mit dem Widerstand gegen die durch „Bürgerkraft“ verhinderten Atomkraftwerke Breisach und Wyhl ab 1971/72 bzw. ab 1973/74 als Vorbild blühte nicht nur die Antiatombewegung in Deutschland auf mit weltweiter Ausstrahlung sowie mit wichtigen Ursprüngen und Hochburgen die moderne grüne parlamentarische Bewegung. Es entstand in der Region ab 1976 auch eine Volksbewegung für Alternativenergien und Solarenergie-Messen, die zugleich Umweltschutzverbände und Institute entstehen und erstarken ließ wie den Bund für Umwelt und Naturschutz, das Öko-Institut und das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme und die Freiburg im Breisgau zur mehrfachen Öko- und Solarhauptstadt machte. Dies wiederum strahlt weiterhin weit über die Region nach Europa und weltweit hinaus.

Zwei DVDs mit vier berühmten Dokumentarfilmen zum Antiatom-Widerstand von 1972-1987 bereichern das Buch außerordentlich: „Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv“ und „S’Weschpennäscht – die Chronik von Wyhl 1971 bis 1982“ gegen Atomkraftwerke bei Breisach und Wyhl am Rhein, „Im Norden, da gibt es ein schönes Land“ bei Brokdorf/Elbe und „Spaltprozesse“ zur AtommüllWiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf/Bayern.

Buch „Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv I. Die AKW-Protestbewegung von Wyhl bis Brokdorf“.

Reihe Bibliothek des Widerstands Band 18. Mit Beiträgen von Georg Löser, Axel Mayer, Jens Renner, Uli Borchers, Henry Langer und Reimar Paul sowie den Filmen „Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv“, „S’Weschpennäscht– die Chronik von Wyhl 1972-1982“, „Im Norden, da gibt es ein schönes Land“ und „Spaltprozesse“ auf 2 DVDs, 227 S., zahlreiche Fotos, erschienen Ende 2011 im Laika Verlag, 29,90 Euro
 
Eintrag vom: 26.08.2012  




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