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Karlsruhe: "Methusalems" in den Karlsruher Wäldern
Forst pflegt alte B√§ume / Lebensraum f√ľr Tiere und Pflanzen

Ist das aber ein toller Baum - wie alt ist denn der? So lautet h√§ufig die Frage von Kindern und Erwachsenen bei F√ľhrungen durch den Wald, berichtet Ulrich Kienzler, Leiter der Forstabteilung im Liegenschaftsamt. Gemeint sind meistens dicke und urw√ľchsige B√§ume, die besonders auff√§llig sind. Die Antwort auf die Frage ist gar nicht so einfach. Denn eine Pappel mit einem Stammdurchmesser von einem Meter ist vielleicht erst 50 Jahre alt, eine Eiche mit gleichem Durchmesser aber h√§ufig schon √ľber 200 Jahre.

√Ąlteste Eichen stehen im Hardtwald

"Die √§ltesten B√§ume stehen nat√ľrlich im Hardtwald", informiert Kienzler. Die √§ltesten Eichen mit maximal 370 Jahren sind unweit der Waldstadt in der Staatswald-Abteilung mit dem Namen "Hagsfelder Eichen" zu finden. Hier wurden schon vor Jahrhunderten Eichen gepflanzt und gepflegt. Ihre Fr√ľchte, die Eicheln, waren wichtige Grundlage f√ľr die Waldweide mit Schweinen und damit lebenswichtig f√ľr die Bev√∂lkerung. Diese sogenannten "Hutew√§lder" war licht. Heute ist der Hardtwald viel dichter.
Alte Eichen findet Waldbesucher auch im st√§dtischen Oberwald. Diese sind zwar deutlich j√ľnger als im Hardtwald, bringen es aber immerhin auf stattliche 180 Jahre. Auch in den anderen W√§ldern in und um Karlsruhe findet man viele alte und dicke B√§ume anderer Baumarten: Dazu z√§hlen etwa die Schwarzpappeln mit typischen Maserknollen im Rappenw√∂rt unweit des Altrheins, markante Rotbuchen im Hardtwald, im Oberwald und im Bergwald oder so genannte Wirtschaftspappeln in der Rheinaue, beim Oberwaldsee oder am Pfinzentlastungskanal. Die Besonderheiten entdecken dabei nur wenige Waldbesucher: zum Beispiel die wenigen, vom Ulmensterben verschonten Flatterulmen im Oberwald in der N√§he der Wildgehege oder dicke Eschen im Oberwald nahe der Autobahn.

Alte Eichen sind oft geschwächt

Die alten Eichen, die noch die Stadtgr√ľndung Karlsruhes erlebten, erh√§lt der Forst schon seit vielen Jahrzehnten. Leider sind viele von ihnen durch den extremen Trockensommer 2003 geschw√§cht und in der Folge von Insekten befallen worden. Auch der in Karlsruhe bekannte und relativ h√§ufig anzutreffende Heldbock besiedelt solche geschw√§chten Eichen. Er ist jedoch selbst nicht f√ľr das Absterben der Eichen verantwortlich, er braucht lebendige B√§ume als Brutst√§tte. Das Absterben besorgen Larven anderer K√§fer, meistens aus der Familie der Prachtk√§fer.

Das Alter wird √ľber Jahresringe oder Bohrkernprobe bestimmt

Um das Alter eines Baumes genau bestimmen zu k√∂nnen, m√ľssten die Jahresringe an einer Stammscheibe gez√§hlt werden oder man m√ľsste eine Bohrkernprobe entnehmen. Jeder Jahresring besteht aus Fr√ľhholz, das dem Wassertransport dient, und dem Sp√§tholz, das f√ľr die Festigkeit des Holzes verantwortlich ist. Die Jahrringe entstehen durch den Wechsel der Jahreszeiten. F√∂rster k√∂nnen auch ohne genaue Untersuchungen ziemlich genau absch√§tzen, wie alt ein Baum ist. Denn sie kennen die Ergebnisse der Waldinventuren, in dem unter anderem das Alter der Waldb√§ume vermerkt ist. In Baden werden seit 1833 alle zehn Jahre solche Waldinventuren durchgef√ľhrt. Bis heute sind sie unverzichtbare Grundlage f√ľr eine nachhaltige Forstwirtschaft.

Lebensraum f√ľr Tiere und Pflanzen

Die h√§ufig vorkommenden alten und dicken B√§ume zeigen, dass in den Karlsruher W√§ldern der Forst schon seit langer Zeit auf den Erhalt dieser alten B√§ume achtet. Fr√ľher meistens aus landschaftlichen Gr√ľnden, heute eher aus Gr√ľnden des Natur- und Artenschutzes. "Der √∂kologische Wert von B√§umen steigt mit dem Alter und dem Baumdurchmesser. Auch nach seinem Absterben dient ein Baum noch Jahre oder Jahrzehnte V√∂geln, Flederm√§usen, K√§fern oder Pilzen als Lebensraum", betont Kienzler.

Regelmäßige Kontrolle der Bäume

Im Zuge einer naturnahen und umfassend nachhaltigen Waldbewirtschaftung wird heute im Wald ein sogenanntes Alt- und Totholzkonzept umgesetzt. Es soll sicherstellen, dass auch k√ľnftig ausreichend alte und dicke B√§ume als √∂kologische Trittsteine im Wald bleiben.

Aber wie immer geht es nicht konfliktfrei. Alte B√§ume stellen durch d√ľrre √Ąste oder abgefaulte Wurzeln Gefahren dar, f√ľr die der Waldbesitzer in bestimmten F√§llen haftet. Deshalb kontrollieren die Forstleute B√§ume entlang von Stra√üen, Bahnlinien oder an Erholungseinrichtungen im Wald. B√§ume, von denen besondere Gefahren ausgehen, m√ľssen aus Gr√ľnden der Verkehrssicherungspflicht eingek√ľrzt oder gef√§llt werden.
 
Eintrag vom: 09.08.2012  




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