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Aktuelle Studie: Rindfleisch ist 25-mal klimaschädlicher als bisher angenommen
F√ľr die Ermittlung der Klimabilanz von Lebensmitteln wurde erstmals auch der Fl√§chenverbrauch eingeschlossen. Bisher in der Bilanz ignoriert, spielt dieser in der Realit√§t eine zentrale Rolle f√ľr das Klima.

Berlin/Wien.13.06.2012. Die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch in Brasilien erzeugt mit 335 Kilogramm Kohlendioxid (CO2) so viel Treibhausgase wie eine Fahrt von √ľber 1600 Kilometern eines durchschnittlichen europ√§ischen PKWs. Das ergab eine aktuelle Studie an der Universit√§t Wien unter Studienautor Kurt Schmidinger und Elke Stehfest von der PBL Netherlands Environmental Assessment Agency.
Die besonders schlechte Bilanz von brasilianischem Rindfleisch ergibt sich aus dem großen Weideflächenverbrauch auf ehemaligem Regenwaldgebiet. Laut den Vereinten Nationen gehen etwa 70 Prozent der Abholzungen des Amazonaswaldes auf das Konto von Weideflächen.

Niederländisches Rindfleisch aus der Intensivmast schneidet mit 22.1 kg CO2/kg, also 110 Autokilometer zwar weniger schlecht ab als brasilianisches Rindfleisch. Die Intensivmast sei jedoch laut Schmidinger aufgrund ihrer massiven negativen Auswirkungen auf Klima, Tiere und Umwelt generell keine nachhaltige und ethisch vertretbare Option.

Die Berechnung basiert auf dem so genannten Life Cycle Assessment (LCA), einer Methode zur Ermittlung der Klimabilanz von Lebensmitteln, die von Lebensmittelwissenschaftler und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates des Vegetarierbunds (VEBU) Kurt Schmidinger sowie Elke Stehfest (PBL Netherlands Environmental Assessment Agency) um relevante Faktoren erweitert wurde. Die wesentliche Neuerung: F√ľr die Berechnung des gesamtheitlichen CO2-Aussto√ües wurden zus√§tzlich zu den Emissionen aus der Produktion der Lebensmittel auch der Fl√§chenverbrauch der Produktion eingeschlossen. Dieser ist f√ľr das Klima ein entscheidender Faktor. Eine gro√üe Beanspruchung an Fl√§chen verhindert, dass auf diesen nat√ľrliche W√§lder und Str√§ucher nachwachsen k√∂nnen, die wiederum durch ihr Wachstum CO2 aus der Atmosph√§re aufnehmen und damit das Weltklima entlasten.

Unter den Tierprodukten schneidet in der Studie das Kilogramm des in industrieller Tierhaltung erzeugten niederl√§ndischen H√ľhnerfleischs mit 6,2 Kilogramm CO2 oder 31 Autokilometer am ‚Äěbesten‚Äú ab. Jedoch sind Tiere in der industriellen Tiermast, anders als grasende Rinder, vor allem auf fl√§chenintensive Futterpflanzen angewiesen.
Schmidinger warnt deshalb vor Fehlschl√ľssen: ‚ÄěDie industrielle Tierhaltung ist eine Sackgasse. Ein Umstieg von Weidehaltung auf industrielle Tierhaltung w√ľrde den Druck auf die Ackerfl√§chen weiter enorm steigern, mit Konsequenzen f√ľr die Weltern√§hrungssituation. Auch unter Gesichtspunkten wie globalen Seuchen, Antibiotikaresistenzen, Tierschutz, Biodiversit√§t, Wasserverschmutzung, Bodenerosion und vielen anderen ist die industrielle Tierhaltung sehr problematisch. Pflanzliche Lebensmittel hingegen schneiden unter Einbeziehung aller ethischen Aspekte der Weltern√§hrung tats√§chlich wesentlich besser ab als Tierprodukte".

Eiweißreiche pflanzliche Lebensmittel zeigen in der neuen Studie die mit Abstand besten Klimawerte: Die Produktion von einem Kilogramm Tofu bzw. Tempeh aus Soja erzeugt 3,8 bzw. 2,4 Kilogramm CO2, das sind umgerechnet 19 beziehungsweise 12 gefahrene Autokilometer.

‚ÄěDer zunehmende Treibhauseffekt ist das globale Problem des 21. Jahrhunderts. Entscheidende Gr√ľnde daf√ľr sind der Aussto√ü von Treibhausgasen und die Zerst√∂rung von W√§ldern ‚Äď beides Folgen des hohen Fleischkonsums‚Äú, so Sebastian Z√∂sch, Gesch√§ftsf√ľhrer des VEBU: ‚ÄěMit einer pflanzlichen Ern√§hrung leistet man folglich den effektivsten Klimaschutz.‚Äú

Die Deutschen verzehren pro Kopf √ľber 60 kg Fleisch im Jahr, rund 20 Prozent davon in Form von Hackfleisch. ‚ÄěWenn man in Deutschland lediglich Hackfleisch durch Sojafleisch ersetzen w√ľrde, k√∂nnte so viel CO2 vermieden werden, wie vier bis sieben Millionen Autos im Jahr verursachen‚Äú, so Z√∂sch.
Im Auftrag des Vegetarierbund Deutschland (VEBU) und Greenpeace √Ėsterreich hat das SERI - Sustainable European Research Institut das weltweit erste Life Cycle Assessment mit acht Fleischalternativprodukten durchgef√ľhrt. Ziel der Studie war es, einen seri√∂sen Vergleich der √∂kologischen Nachhaltigkeit zwischen pflanzlichen Fleischalternativen und Fleisch zu erm√∂glichen. Analysiert wurden die auf Soja und Weizeneiwei√ü basierenden Produkte Seitan und Sojagranulat auf ihre CO2-Bilanz, ihren Fl√§chen- und Wasserverbrauch sowie auf biotische und abiotische Ressourcen. Das Ergebnis: Seitan, Tofu und Sojagranulat schneiden in allen getesteten Bereichen um L√§ngen besser ab als Fleisch.

Link zur Studie . . .
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Eintrag vom: 16.06.2012  




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