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NABU: Jede siebte Vogelart weltweit gefÀhrdet
Artenschwund in Deutschland vor allem durch GrĂŒnlandverlust

Berlin – Jede siebte der weltweit lebenden Vogelarten ist gefĂ€hrdet, vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben. Das ist das Ergebnis der am heutigen Donnerstag vorgestellten Roten Liste fĂŒr alle Vogelarten der Erde, die alle vier Jahr von BirdLife International, dem Dachverband des NABU, herausgegeben wird. „Seit Jahren verschlechtert sich die Situation der weltweiten VogelbestĂ€nde. Vor dieser Entwicklung dĂŒrfen wir nicht die Augen verschließen“, warnte NABU-PrĂ€sident Olaf Tschimpke.

Der Bericht stellt vor allem fĂŒr die tropischen WĂ€lder besorgniserregende ArtenrĂŒckgĂ€nge fest, die in diesem Ausmaß bislang nicht vermutet wurden. Demnach ist allein im Amazonasgebiet das Risiko fĂŒr fast 100 Vogelarten erheblich gestiegen, schon bald auszusterben. Auch in den WĂ€ldern Madagaskars oder SĂŒdostasiens leben ĂŒberdurchschnittlich viele bedrohte Vögel. „Die Rodung der WĂ€lder fĂŒr Sojaanbau oder Rinderzucht raubt den Vögeln ihren Lebensraum. Dieser enorme Landhunger muss endlich gestoppt werden“, so Tschimpke. Bereits das Abholzen kleiner RegenwaldstĂŒcke bringe gefĂ€hrdete Kleinvogelarten, wie bestimmte AmeisenfĂ€nger oder Töpfervögel, an ihre Existenzgrenzen. Der NABU appelliert daher eindringlich an Brasiliens PrĂ€sidentin Dilma Rousseff, 20 Jahre nach Verabschiedung der BiodiversitĂ€tskonvention in Rio de Janeiro, das neue brasilianische Waldgesetz nicht aufzuweichen. Die Effekte fĂŒr den Artenschutz und das Weltklima wĂ€ren verheerend.

Auch fĂŒr nordeuropĂ€ische Arten zeichnen sich laut Bericht besorgniserregende Entwicklungen ab. So ĂŒberwintern auf der Ostsee inzwischen eine Million Eisenten weniger als noch vor 20 Jahren. Auch eine weitere Meeresente, die Samtente, ist stark rĂŒcklĂ€ufig und wurde als gefĂ€hrdet eingestuft. GrĂŒnde dafĂŒr sind der unzureichende Meeresschutz in den Rastgebieten und die Stellnetzfischerei sowie mögliche KlimaverĂ€nderungen in den Brutgebieten.

In Deutschland stehen die Vogelarten des GrĂŒnlandes am schlechtesten da. Der Umbruch von GrĂŒnland zu Acker und die Intensivierung der Nutzung auf den verbleibenden FlĂ€chen verkleinern den Lebensraum fĂŒr einst typische Wiesenvögel wie Kiebitz, Bekassine und Großer Brachvogel. Inzwischen ist etwa der KampflĂ€ufer als Brutvogel fast komplett verschwunden, und auch die Uferschnepfe ist in ihrem Bestand innerhalb von 50 Jahren um mehr als zwei Drittel eingebrochen und steht im weltweiten Kontext bereits auf der Vorwarnliste. Alarmierend ist, dass sich der Bruterfolg einiger Wiesenvögel selbst in EU-Vogelschutzgebieten nicht bessert, wie eine aktuelle Studie des NABU zeigt.

„Eine der dringendsten Aufgaben ist daher die EU-Agrarreform. Mit ihr muss die Agrarförderung so angepasst werden, dass sie eine naturgerechte Landnutzung forciert und der Naturschutz finanziell besser ausgestattet wird. DarĂŒber hinaus mĂŒssen die Landesregierungen wirkungsvolle ManagementplĂ€ne fĂŒr alle Fauna-Flora-Habitat- und Vogelschutzgebiete vorlegen“, forderte NABU-PrĂ€sident Tschimpke. ZusĂ€tzlich seien gezielte Artenschutzmaßnahmen notwendig. Mit ihnen konnten bereits einzelne vormals bedrohte Vogelarten in der Roten Liste herabgestuft werden. In Deutschland etwa hat sich der Bestand des Seeadlers durch konkrete Schutzmaßnahmen so stark erholt, dass er nicht mehr auf der Roten Liste zu finden ist.

Die im Auftrag der IUCN (International Union for Conservation of Nature) aktualisierte Rote Liste stellt alle vier Jahre eine umfassende Bewertung des GefÀhrdungsgrads der gut 10.000 weltweit lebenden Vogelarten dar. Sie kann eingesehen werden unter www.birdlife.org.

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Zum Foto oben: Kiebitze gehören zu den WiesenbrĂŒtern, die laut aktuellem IUCB-Bericht zu den besonders bedrohten Arten in Deutschland gehören. (Foto: Thorsten KrĂŒger / NABU)
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Eintrag vom: 09.06.2012  




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