oekoplus - Freiburg
Montag, 23. April 2018
  --- Besuchen Sie unser neues Informationsportal wodsch.de
Uhr


Die
Allgäuer Oberschwäbische Seele: Seelen ausbrechen (c) Anton Heine GmbH
 
Die "Seele" vor dem Aussterben retten
Die Allg√§uer-Oberschw√§bische Seele in traditioneller Herstellung ist der neue und damit 67. Passagier in der "Arche des Geschmacks" von Slow Food Deutschland. W√§hrend "Seelen" inzwischen bundesweit von Gro√üb√§ckern industriell produziert und angeboten werden, wei√ü kaum jemand um ihren Ursprung und ihren Eigengeschmack. Ihre traditionelle Produktionsweise ist bedroht, weil sie viel Zeit, handwerkliches Geschick sowie Erfahrung erfordert. Aktuell betreiben sie noch rund 15 B√§ckereien im W√ľrttembergischen Allg√§u und Oberschwaben.

Die Seele z√§hlt zu den so genannten Brauchtumsgeb√§cken, ihr Name und ihre Bedeutung weisen auf einen katholischen Ursprung hin. Der Teig dieses l√§nglichen Kleinbrots besteht aus Weizen- und Dinkelmehl, Wasser, ein wenig Hefe und Salz. In traditioneller Herstellung wird er bis zu 24 Stunden lang gef√ľhrt und von Hand mehrfach bearbeitet. Die Rohlinge werden mit K√ľmmel und grobk√∂rnigem Hagelsalz bestreut, bevor sie mit einem "Seelenschie√üer", einem langen h√∂lzernen Schieber mit einer Rinne f√ľr den Teig, in den Ofen geschoben und direkt auf dem Ofenboden ausgebacken werden. "Diese Art der Herstellung macht die Seele √ľberhaupt erst zur Seele. Wird der Teig maschinell aufbereitet und die Seele auf F√∂rderb√§ndern gebacken, bekommt sie weder ihre dicke Kruste noch wird sie innen saftig. Das Ergebnis ist eine herk√∂mmliche Semmel, die als Seele verkauft wird. Das ist denjenigen gegen√ľber ungerecht, die noch echtes Handwerk betreiben", so Franz Wandinger, der seit 34 Jahren Seelen in seiner Allg√§uer Backstube produziert und wei√ü, wovon er spricht. "Ich bin sehr froh, dass die Seele Arche-Passagier geworden ist und unser Wissen und K√∂nnen damit nicht unter den Tisch f√§llt", sagt Wandinger hoffnungsvoll.

Unterst√ľtzt wird die Allg√§uer-Oberschw√§bische Seele von den lokalen Slow-Food-Gruppen im Allg√§u und Oberschwaben. Gemeinsame Aktionen mit B√§ckereien vor Ort sollen Bekanntheit und Nachfrage f√ľr die Seele k√ľnftig st√§rken sowie das traditionelle Lebensmittelhandwerk in den Vordergrund r√ľcken. "Mithilfe dieses weiteren Passagiers k√∂nnen wir fabelhaft deutlich machen, wie stark die Qualit√§tseinbu√üen sind, wenn handwerkliche Arbeitsschritte in industrielle Herstellungsweisen und Rationalisierungsprozesse gepresst werden. In den modernen Abl√§ufen der Gro√üb√§ckereien fehlt es an Zeit, Personal und schlichtweg an Verst√§ndnis. Die Seele ist ein ganz tolles Geb√§ck, welches in verschiedenen Varianten genossen werden kann. Ihre industriell hergestellten Namensvetter reichen an ihren unverwechselbaren Eigengeschmack nicht heran", erkl√§rt Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland e. V.

In Deutschland sch√ľtzt die "Arche des Geschmacks" insgesamt 67 Nutztierrassen, Gem√ľse- und Obstsorten sowie traditionelle Lebensmittel vor dem Vergessen. Die Passagiere werden wieder bekannt gemacht, damit sie nachgefragt, entsprechend hergestellt und verkauft werden. Auf politischer Ebene fordert Slow Food regionale Verarbeitungsst√§tten wiederaufzubauen und zu f√∂rdern.
Mehr
Eintrag vom: 16.04.2018  




zurück

Copyright 2010 - 2018 Benjamin Jäger