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M├╝nsterbirne und Diepholzer Gans im Schutz der
Diepholzer Gans, Ganter (li.) mit G├Âsseln (c) Wolbert Schnieders-Kokenge
 
M├╝nsterbirne und Diepholzer Gans im Schutz der "Arche des Geschmacks"
Slow Food Deutschland beendet das Kalenderjahr 2017 mit zwei neuen Passagieren in der "Arche des Geschmacks". Das Projekt sch├╝tzt in Deutschland aktuell 64 regional wertvolle Nutztierarten, Kulturpflanzen und handwerklich hergestellte Lebensmittel davor, von regionalen Einkaufslisten und Speisekarten zu verschwinden. Die Arche-Passagiere unterscheiden sich von Lebensmitteln industrieller Monotonie durch ihre geschmackliche und optische Vielfalt und Einzigartigkeit.

Ein Baum mit langem Lebensatem - die M├╝nsterbirne

Die M├╝nsterbirne ist seit Mitte des 17. Jahrunderts im Gro├čraum Aachen heimisch. Ihr Baum mit m├Ąchtiger Krone erreicht mehr als 15 Meter H├Âhe, und wird bis zu 200 Jahre alt. Ende August bis Anfang September sind die Birnen pfl├╝ckreif, genussreif sind sie dann nach zwei bis drei Wochen. Die klassischen Standorte der M├╝nsterbirne sind gro├če Garten- und Wiesenfl├Ąchen, angrenzend an landwirtschaftliche Geh├Âfte. Fl├Ąchen, die in den letzten Jahrzehnten stark zur├╝ckgegangen sind. Aber es l├Ąsst sich auch eine positive Entwicklung verzeichnen: Im Rahmen landschaftsrechtlicher Kompensationsma├čnahmen und Biotopverbesserungen wurden neue M├╝nsterbirnen gepflanzt. Das Slow Food Convivium Aachen sch├Ątzt den Bestand auf einige hundert Exemplare, wobei die Sterberate weiterhin um ein Mehrfaches h├Âher ist als die Rate der Neupflanzungen.

Vom Erwerbsobstbau wird die M├╝nsterbirne verschm├Ąht, denn die H├Âhe der B├Ąume erfordert eine arbeitsintensive Erntetechnik per Hand. Der konventionelle Handel kann zudem die kurze Haltbarkeit der Frucht bis zum Verzehr und zur Verarbeitung aufgrund mangelnder Flexibilit├Ąt nicht handhaben. Optisch scheitert sie am Raster des glattpolierten, gewachsten Plantagenobsts. "Mit der Aufnahme in die Arche bauen wir Strukturen auf, die den Erwerb der M├╝nsterbirne f├Ârdern. Die Menschen k├Ânnen so ihren au├čergew├Âhnlich s├╝├čen, aromatischen und w├╝rzigen Geschmack wieder genie├čen", erkl├Ąrt Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland.

Reinwei├čes Gefieder und zartes Fleisch - die Diepholzer Gans

Galt dieser Arche-Passagier in den 1980er-Jahren als fast ausgestorben, gewinnt er in j├╝ngster Zeit wieder an Popularit├Ąt in der Region Diepholz. Die Diepholzer Gans ist ein Weidetier und eine der wenigen noch existierenden Landg├Ąnserassen in Deutschland. Sie wird heute ausschlie├člich von Hobbyz├╝chtern gehalten, von denen nur wenige mehr als 50 Tiere besitzen. In den Handel gelangt sie deshalb derzeit noch nicht. In den Genuss des zarten Fleischs kommen damit zumeist G├Ąnseliebhaber, die sie von Kleinz├╝chtern als Martins- und Weihnachtsgans erwerben.

Die Diepholzer Gans zeichnet sich durch ihre hohe Widerstandsf├Ąhigkeit, ausgezeichnete Marschf├Ąhigkeit, Futterdankbarkeit sowie Fruchtbarkeit aus. Das pr├Ądestiniert sie f├╝r nachhaltige Gefl├╝gelhaltung. F├╝r eine extensive Haltung ist ihr jedoch der passende Lebensraum abhandengekommen: Gemeindeweiden wurden abgeschafft, Moorweiden kultiviert. Ihre wirtschaftliche und agrarische Bedeutung in Zeiten von Hochleistungszucht und Gewinnmargen ist gering. "F├╝r den konventionellen Fleischhandel wiegt die Diepholzer Gans nicht schwer genug. Bei reiner Weidehaltung mit geringer Zuf├╝tterung erreicht sie knapp f├╝nf Kilogramm", so Hudson. "Heutige Hybridg├Ąnse werden mit Kraftfutter gemestet und erzielen rund zehn Kilogramm," berichtet Hudson.
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Eintrag vom: 21.12.2017  




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