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Dienstag, 21. November 2017
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NABU protestiert bei Sondierungsgesprächen
Hallo Jamaika, neue Agrarpolitik jetzt

Miller: Turbo-Intensivierung beenden / Zukunft f√ľr Bauern und Natur sichern

Berlin ‚Äď Vor dem Geb√§ude der Jamaika-Sondierungen hat der NABU am heutigen Freitag (10.11.) f√ľr eine naturvertr√§glichere Landwirtschaft demonstriert. Die Natursch√ľtzer machten deutlich, dass sie in den bisherigen Gespr√§chen von CDU, CSU, FDP und B√ľndnis 90/Die Gr√ľnen Antworten vermissen, wie die dr√§ngendsten Probleme der Landwirtschaft gel√∂st werden k√∂nnen. Sie riefen die Unterh√§ndler dazu auf, die Agrarpolitik grundlegend zu √§ndern, das Artensterben in der Agrarlandschaftzu stoppen und sich f√ľr eine positive Zukunft f√ľr Landwirte und Natur gleicherma√üen einzusetzen.

‚ÄěEin weiter wie bisher darf es in der Agrarpolitik keinesfalls geben. Wir sehen deutlich, wohin die Turbo-Intensivierung der vergangenen Jahre gef√ľhrt hat: die Insekten sterben, das Grundwasser ist vielerorts massiv mit Nitrat belastet ‚Äď und die Folgekosten gehen zu Lasten der B√ľrger‚Äú, sagte NABU-Bundesgesch√§ftsf√ľhrer Leif Miller.

Der NABU fordert die vier Parteien auf, sich klar zu einer √Ąnderung der EU-Agrarpolitik zu bekennen. Diese stellt letztlich auch in Deutschland die wesentlichen Weichen daf√ľr, was auf Feldern und Wiesen passiert. Zur Zeit werden in Br√ľssel die EU-Agrargelder neu verhandelt, sie machen fast 40 Prozent des EU-Haushalts aus. ‚ÄěWir wollen weg von der Gie√ükannen-F√∂rderung, die in erster Linie gro√üen Agrarbetrieben pauschal zugute kommt, auch wenn sie wenig f√ľr die Umwelt und das Allgemeinwohl tun. Wir wollen, dass es sich f√ľr Landwirte wieder lohnt, sich f√ľr gesunde Lebensmittel und den Erhalt der Natur einzusetzen‚Äú, so Miller.

Der NABU fordert in einem m√∂glichen Koalitionsvertrag sowohl eine naturvertr√§glichere Ausrichtung der EU-Agrarsubventionen zu verankern als auch die Einrichtung eines EU-Naturschutzfonds in H√∂he von 15 Milliarden Euro. Aus diesem k√∂nnten Landwirte k√ľnftig f√ľr konkrete Leistungen zum Erhalt der Natur entlohnt werden. Langfristig k√∂nne hierdurch eine nachhaltigere Entwicklung der Landwirtschaft erreicht und der Schwund von Insekten und V√∂geln gestoppt werden. Gleichzeitig sei es notwendig, die Zukunft f√ľr Landwirte durch faire Preise und eine bessere Regionalvermarktung zu sichern.

Mit Blick auf die k√ľnftige Zulassung von Pestiziden kritisiert der NABU die deutlich von der Agrarlobby diktierten Formulierungen. ‚ÄěBayer, BASF und Co. haben ihre W√ľnsche eins zu eins ins Sondierungspapier gebracht. Dass chemische Pr√§parate k√ľnftig um neue und zielgenauere Wirkstoffe erweitert werden sollen, tr√§gt deutlich die Handschrift der Agrar-Industrie. Eine Jamaika-Koalition mit Weitblick w√ľrde statt dessen daf√ľr sorgen, dass der Einsatz von Pestiziden stark verringert wird und Landwirte so Schritt f√ľr Schritt aus Glyphosat und Co. aussteigen k√∂nnen‚Äú, so Miller.

Pestizide seien k√ľnftig auch hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Tiere und Pflanzen zu pr√ľfen. Insgesamt m√ľsse der Zulassungsprozess deutlich transparenter ablaufen als bisher und die Landwirtschaft so entwickelt werden, dass ein massiver fl√§chendeckender Einsatz von Pestiziden gar nicht mehr erforderlich sei. Auf europ√§ischer Ebene solle sich Jamaika zudem klar f√ľr ein baldiges Ende von Glyphosat aussprechen.

Anl√§sslich der Sondierungsgespr√§che hat der NABU eine Online-Protestaktion gestartet. Auf www.NABU.de/neueagrarpolitik k√∂nnen sich Interessierte ganz einfach per E-Mail an die Parteispitzen wenden und sie dazu auffordern, sich f√ľr eine naturvertr√§gliche Landwirtschaft einzusetzen.
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Eintrag vom: 14.11.2017  




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