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Sonntag, 22. Oktober 2017
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Forderung zum Welternährungstag
Am Weltern√§hrungstag fordert Slow Food Deutschland die sofortige √Ėkologisierung der Landwirtschaft

Zum Weltern√§hrungstag am 16. Oktober 2017 appelliert Slow Food Deutschland e. V. an die Entscheidungstr√§ger in Politik und Wirtschaft sowie an die Verbraucher, dem hoch industrialisierten Lebensmittelsystem ein Ende zu setzen. Es beutet die nat√ľrlichen Ressourcen der Erde aus, f√ľhrt im globalen Norden zu √úberproduktion und Verschwendung von Lebensmitteln w√§hrend Millionen Menschen weltweit an Hunger leiden. Nur eine b√§uerlich-√∂kologische Landwirtschaft, die auf Vielfalt setzt und angepasst an die lokalen Gegebenheiten produziert, kann die Ern√§hrung einer wachsenden Weltbev√∂lkerung sicherstellen.

Ein hoch industrialisiertes Lebensmittelsystem, welches den Klimawandel anheizt, die nat√ľrlichen Ressourcen ausbeutet, die Weltmeere verschmutzt und √ľberfischt und der biologischen Vielfalt schadet: Das ist die zentrale Herausforderung, welche die Ern√§hrungssicherung f√ľr eine wachsende Weltbev√∂lkerung bedroht. "Zum Weltern√§hrungstag fordern wir Politik und Wirtschaft auf, endlich Schluss zu machen mit diesem nachweislich ausbeuterischen System," so Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland e. V. "Es gilt die politische Uhr sofort umzustellen, ohne z√∂gern. Es kann nur noch gut f√ľr alle weitergehen mit einer biologisch nachhaltigen Landwirtschaft, welche kleinb√§uerliche Strukturen f√∂rdert, lokale Produktionsst√§tten wiederaufbaut und die Sorten- und Geschmacksvielfalt erh√§lt. Das sichert den Menschen Zugang zu Nahrung sowie Arbeitspl√§tze in ihrer Region," so Hudson weiter.

Ein solcher Systemwechsel in der Lebensmittelproduktion gelingt nur mit einem entsprechenden politischen Willen und konsequentem Handeln. Enkeltauglichkeit muss auf der politischen Agenda an erster Stelle stehen. Die dr√§ngenden Ern√§hrungsfragen m√ľssen ganzheitlich und Ministerien √ľbergreifend gel√∂st werden. Dem Einsatz von Pestiziden, Herbiziden sowie Insektiziden muss durch effektive Richtlinien deutliche Grenzen gesetzt werden und fehlgeleitete Subventionen gilt es umzuschichten.

Allein in Europa ist Landwirtschaft der gr√∂√üte subventionierte Sektor. Die Finanzspritzen aber flie√üen nicht in die √Ėkologisierung der Landwirtschaft, sondern in fl√§chenstarke Ackerbaubetriebe sowie zu au√üerlandwirtschaftlichen Investoren mit viel Bodenbesitz. "Solange die Zukunft von Landwirtschaft und Ern√§hrung in den H√§nden dieser Akteure liegt, ger√§t die Ern√§hrungssicherheit immer st√§rker ins Wanken. Es ruiniert Kleinbauern, sch√§digt Umwelt und Tier und produziert √úbersch√ľsse, die in der Tonne landen oder in andere L√§nder exportiert werden. Dort zerst√∂ren sie die lokalen M√§rkte," erkl√§rt Hudson und weist insbesondere auf den Skandal der Lebensmittelverschwendung hin. Rund ein Drittel der weltweit hergestellten Produkte werden √ľberhaupt nie verzehrt, w√§hrend √ľber 800 Millionen Menschen unter- und mangelern√§hrt sind. F√ľr diesen √∂kologischen und ethischen Skandal tr√§gt jeder Verbraucher Mitverantwortung. Denn mit unseren t√§glichen Kaufentscheidungen nehmen wir Einfluss darauf, welche Kultur des Essens und der Lebensmittelproduktion aufrechterhalten wird.

Um die Debatte zur Reformation des Lebensmittelsystems zu unterst√ľtzen, haben Slow Food Deutschland und Misereor im Reformationsjahr das Thesenpapier "95 Thesen f√ľr Kopf und Bauch" ver√∂ffentlicht. Die begleitende Veranstaltungsreihe l√§dt Entscheidungstr√§ger, Experten und Verbraucher bundesweit zu einem gesellschaftlich breit angelegten Dialog ein. International l√§uft seit Oktober die Slow-Food-Kampagne "Menu for change: Mit Genuss und Verantwortung gegen den Klimawandel". Verbrauchern werden hier konkrete L√∂sungen f√ľr einen t√§glich nachhaltigeren Konsum aufgezeigt. Im Rahmen dessen startet am Weltern√§hrung die Mitmachaktion "Eat local - Regional, nachhaltig, gut". Bundesweit sind Menschen aufgerufen, sich drei Wochen lang ausschlie√ülich von Lebensmitteln zu ern√§hren, die gerade Saison haben sowie aus regionaler und handwerklicher Erzeugung stammen. Verbraucher teilen daf√ľr ihre Rezepte und Erfahrungen.

Welternährungstag:
Die Ern√§hrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat im Jahr 1979 den 16. Oktober als weltweiten Weltern√§hrungstag ausgerufen. Der Gedenktag soll darauf aufmerksam machen, dass weltweit √ľber eine Milliarde Menschen an Hunger leiden.
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Eintrag vom: 11.10.2017  




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