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Dienstag, 22. August 2017
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Junge Schreiadler brauchen Altvögel um das Winterquartier zu erreichen
Forschungsprogramm liefert neue Erkenntnisse zum Zugverhalten und Schutz der Art

Mit Hilfe von modernen Satellitensendern hat der NABU neue Erkenntnisse ĂŒber das Zugverhalten der Schreiadler herausgefunden. Die Ergebnisse zeigen, dass abziehende Jungvögel, die grundsĂ€tzlich ohne ihre Eltern in das Winterquartier aufbrechen, unterwegs auf die Erfahrung von Altvögeln angewiesen sind, um die beste Route ĂŒber den Bosporus um das Mittelmeer herum zu finden. „Treffen sie unterwegs keine Altvögel, fliegen sie meist einfach nur in sĂŒdliche Richtungen und kommen dann beim Versuch um, das Mittelmeer zu ĂŒberfliegen. Denn ĂŒber dem Meer gibt es keine thermischen Aufwinde, auf die Adler als Segelflieger dringend angewiesen sind“, sagt Bernd-Ulrich Meyburg, Leiter des NABU-Programms.

Die Forschungsergebnisse konnten nun erstmals in einem Artikel im Fachmagazin „Journal of Experimental Biology“ veröffentlicht werden. „Der NABU profitiert enorm von solchen Forschungen, um den Schutz des vom Aussterben bedrohten Schreiadlers zu verbessern. Den Tieren fehlen ungestörte BrutwĂ€lder und nahrungsreiche Feuchtwiesen, aber auch schlecht platzierte Windenergieanlagen im Schreiadlergebiet minimieren weiterhin den Bestand“, sagte Olaf Tschimpke, NABU-PrĂ€sident.

Die winzige Restpopulation des Schreiadlers in Deutschland ist vom Aussterben bedroht. Die verbliebenen gut 100 Brutpaare in Nordost-Deutschland bilden zugleich die Westgrenze der Verbreitung dieser fast ausschließlich in Europa brĂŒtenden Vogelart. Um die Population zu stĂŒtzen, fĂŒhrt der NABU ein Programm zur Handaufzucht und Auswilderung zweitgeborener Schreiadler-KĂŒken durch. Diese hĂ€tten ohne Hilfe keine Überlebenschance, da Schreiadler grundsĂ€tzlich nur eines von zwei Jungen aufziehen. Seit 2004 wurden so bereits 86 zusĂ€tzliche Jungadler in Brandenburg ausgewildert, 36 davon stammten aus der Region. 50 weitere wurden dagegen aus Lettland importiert, wo der Schreiadler noch in grĂ¶ĂŸerer Zahl vorkommt. Der natĂŒrliche Bruterfolg der Schreiadler Brandenburgs konnte so in diesem Zeitraum um ĂŒber 70 Prozent erhöht werden.

FĂŒr das Forschungsprogramm konnte Bernd Meyburg fĂŒr ein einzigartiges Orientierungsexperiment 15 lettische und acht brandenburgische Jungadler sowie neun brandenburgische Altvögel mit GPS-Satellitensendern ausstatten. Insbesondere sollte untersucht werden, ob die von ihrem Geburtsort um 940 km nach SĂŒdwesten gebrachten lettischen Adler vielleicht eine andere, weniger geeignete Zugroute einschlagen wĂŒrden als die heimischen Jungvögel aus Brandenburg. „Wenn die lettischen Jungvögel durch die Umsiedlung im Nachteil wĂ€ren, wĂŒrde das den Erfolg des Aufzuchtprogramms schmĂ€lern“, so Meyburg.

Es zeigte sich aber, dass die eingeschlagenen Zugwege nicht durch die Herkunft der Jungvögel, sondern durch das Abzugsdatum bestimmt werden. Diejenigen Jungadler, die deutlich vor den lokalen Altvögeln abzogen, flogen allgemein in sĂŒdliche Richtungen und landeten meist im Mittelmeer. Die etwas spĂ€ter gleichzeitig mit Altvögeln aus der Region abziehenden Jungvögel flogen dagegen auf dem richtigen Zugweg Richtung Bosporus nach SĂŒdosten. Junge Schreiadler, gleichgĂŒltig ob aus Deutschland oder Lettland stammend, mĂŒssen die optimale Zugroute also von fremden Ă€lteren Adlern erlernen, im Gegensatz etwa zu vielen nachts ziehenden Kleinvögeln, denen die angeborene Zugrichtung und -lĂ€nge zur Orientierung ausreichen. Insgesamt erreichten nur 55 Prozent der Jungvögel Afrika.

„Die Chance bei sĂŒdlichem Abzug auf erfahrene ziehende Altvögel aus westlichen Teilen des Verbreitungsgebietes zu treffen, ist bei osteuropĂ€ischen Schreiadlern groß“, erklĂ€rt Meyburg. „Anders sieht dies fĂŒr Jungvögel am westlichen Rand des Verbreitungsgebietes in Deutschland aus: Sie haben nur ganz am Anfang ihres Zuges eine Chance sich erfahrenen Schreiadlern anzuschließen, was ihre Überlebenschancen deutlich mindert. Gleichzeitig wissen wir nun, dass die aus Deutschland nach SĂŒdosten ziehenden Schreiadler als ‚Einsammeldienst‘ fĂŒr östliche Jungvögel besonders wichtig sind – ein Grund mehr, sich fĂŒr die verbliebenen Schreiadler am westlichen Rand des Verbreitungsgebiets in Deutschland einzusetzen.“

Herausragend fĂŒr die Forscher war auch die Erkenntnis, dass die importierten lettischen Vögel die Auswilderungsregion und nicht den Geburtsort als Heimat betrachten. Einige der ausgewilderten Jungvögel konnten nĂ€mlich spĂ€ter als Brutvögel in Deutschland und im benachbarten Polen festgestellt werden. Ein ursprĂŒnglich aus Lettland stammendes MĂ€nnchen besetzte sogar ein Revier in nur wenigen Kilometern Entfernung von der Auswilderungsstation. Dank der Studie konnte der NABU in diesem Jahr neben Jungvögeln aus Brandenburg erstmals auch wieder acht ZweitkĂŒken aus SĂŒdost-Polen in das Auswilderungsprogramm aufnehmen.
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Eintrag vom: 03.08.2017  




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