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Dienstag, 22. August 2017
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NABU: Stopp des Artenschwunds muss Kanzlersache werden
Neuer EU-Naturschutzfonds muss Landwirte fĂŒr Anstrengungen im Naturschutz belohnen

AnlĂ€sslich des heute von der Bundesregierung veröffentlichten zweiten Rechenschaftsbericht zur Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt weist der NABU auf gravierende VersĂ€umnisse der Großen Koalition beim Schutz von Arten und LebensrĂ€umen hin. Insbesondere in der Agrarlandschaft befĂ€nden sich viele Arten im freien Sinkflug. Dazu NABU-PrĂ€sident Olaf Tschimpke:

„Die von der Regierung herausgestellten Naturschutz-Erfolge dĂŒrfen nicht darĂŒber hinwegtĂ€uschen: Wir verlieren weiter Vögel, Insekten und ihre LebensrĂ€ume in atemberaubenden Tempo. In Deutschland steht etwa das frĂŒher hĂ€ufige Rebhuhn kurz vor dem Aussterben. Auch Hummeln, Schmetterlinge und artenreiche Wiesen werden immer seltener. Mit jeder Art, die verschwindet, löst sich eine weitere Masche aus dem Netz der Natur. Doch von diesem funktionierenden Netz sind wir Menschen und die Wirtschaft hochgradig abhĂ€ngig. Statt diese tickende Zeitbombe zu entschĂ€rfen, hat sich die Große Koalition in Ressortkonflikten verstrickt.“

Zwar habe die Umweltministerin das wichtige EU-Naturschutzrecht erfolgreich verteidigt und gute Konzepte fĂŒr die Agrarpolitik und die Finanzierung des Naturschutzes vorgelegt. Doch ihre Kollegen aus dem Landwirtschafts- und Verkehrsministerium seien dazu in Blockadehaltung gegangen. „Dieses Gerangel hat Geld und Zeit gekostet, die wir nicht haben. Arten, die aussterben, kommen nicht zurĂŒck. Die Rettung unserer Artenvielfalt muss daher kĂŒnftig zentral vom Kanzleramt koordiniert werden“, forderte NABU-PrĂ€sident Olaf Tschimpke. Die Umwelt- und Naturschutzpolitik in Deutschland mĂŒsse endlich stĂ€rker als Querschnittsaufgabe verstanden werden.

Es fĂŒhre auch kein Weg daran vorbei, dass die Bundeskanzlerin den Landwirten reinen Wein einschenke. „Ohne eine echte Wende in der Agrarpolitik verlieren wir nicht nur Arten, sondern auch immer mehr Höfe. Daran kann keiner ein Interesse haben“, so Tschimpke.

Der NABU fordert daher, die EU-weit rund 60 Milliarden Euro an Subventionen fĂŒr die Landwirtschaft kĂŒnftig nicht mehr per Gießkanne zu verteilen. Das bisherige System habe den Artenschwund weiter befeuert und zu einer noch stĂ€rkeren Ausbeutung der Natur gefĂŒhrt. Stattdessen sollten die vorhandenen Gelder sinnvoll umgeschichtet und zum Vorteil von Natur und Landwirtschaft gleichermaßen genutzt werden. So könnten mithilfe eines neuen EU-Naturschutzfonds in Höhe von 15 Milliarden Euro Landwirte durch konkrete Umweltschutzleistungen ein zusĂ€tzliches Einkommen erzielen. „Die kĂŒnftige Bundesregierung muss sich fĂŒr eine solche Änderung auf EU-Ebene einsetzen. Was hierzu im neuen Koalitionsvertrag steht, hat Signalwirkung fĂŒr die gesamte EU“, so Tschimpke.

Mit Blick auf die alarmierenden Hinweise, dass derzeit ein massives Insektensterben vor sich geht, fordert der NABU erstmals ein bundesweites Insekten-Monitoring aufzubauen. Dieses mĂŒsse flĂ€chendeckende Erkenntnisse liefern, wie es der Insektenwelt in Deutschland geht, um auch entsprechende Schutzmaßnahmen ableiten zu können. Zudem mĂŒsse der Einsatz von Pestiziden dringend verringert werden.

Der NABU fordert darĂŒber hinaus, kĂŒnftig auch den Handel und Verbraucher stĂ€rker in der Agrarpolitik einzubeziehen. Zielgerichtete Investitionen sollten dazu beitragen, dass Landwirte hochwertige Lebensmittel naturvertrĂ€glich produzieren und auch zu fairen Preisen verkaufen können.
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Eintrag vom: 03.08.2017  




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