oekoplus - Freiburg
Samstag, 21. Oktober 2017
  --- Besuchen Sie unser neues Informationsportal wodsch.de
Uhr
  •  


Verschiedenes

 
NABU: Zeisige sind Überflieger
Zwischenergebnisse zur Stunde der Wintervögel aus ĂŒber 40.000 GĂ€rten

Bei der sechsten bundesweiten „Stunde der Wintervögel“ sind bis zum heutigen Dienstag Meldungen von mehr als 60.000 Vogelfreundinnen und Vogelfreunden aus ĂŒber 40.000 GĂ€rten eingegangen. Damit haben schon jetzt mehr Menschen teilgenommen als im vergangenen Jahr.

Die große Überraschung des Jahres steht bislang auf Platz neun der hĂ€ufigsten Arten: Der Erlenzeisig ist der Shootingstar des Winters. Im Vergleich zum Vorjahr (damals Platz 22) wurde der kleine gelbgrĂŒne Finkenvogel viermal mehr gemeldet – und doppelt so viele wie im bisherigen Rekordjahr 2011 erschienen an den ZĂ€hlplĂ€tzen. Nach derzeitiger Datenlage konnte die Art deutschlandweit fast in jedem fĂŒnften Garten entdeckt werden, bei durchschnittlich 1,2 Vögeln pro Garten. „Grund fĂŒr diese Zahlen ist eine so genannte Invasion aus dem Norden. Sie tritt ein, wenn die Zeisige in Skandinavien im Sommer besonders viele Junge aufgezogen haben, fĂŒr die das Futterangebot dort im Winter nicht ausreicht“, erlĂ€utert Lars Lachmann, NABU-Vogelexperte. Bereits ab Juli 2015 hatten Ornithologen verstĂ€rkten Zuzug von Erlenzeisigen aus dem Norden beobachtet. Das bestĂ€tigen jetzt auch die ersten Ergebnisse der Stunde der Wintervögel. Andere typische WintergĂ€ste wie Bergfinken oder SeidenschwĂ€nze, die in manchen Jahren sehr zahlreich auftreten können, machten sich dagegen rar.

Auf den ersten acht PlĂ€tzen der hĂ€ufigsten Wintervögel haben sich die ĂŒblichen VerdĂ€chtigen eingestellt: Die bisherige Reihenfolge mit dem Spitzenreiter Haussperling, gefolgt von Kohlmeise, Blaumeise, Feldsperling, Amsel, GrĂŒnfink, Buchfink und Elster entspricht genau dem Durchschnitt aller Jahre. Nur in kalten Wintern mit viel Zuzug von Verwandten aus dem Norden und Osten scheint die Kohlmeise den sehr sesshaften Haussperling von Platz 1 verdrĂ€ngen zu können – so geschehen zuletzt im Jahr 2013. Nur in einer anderen Wertung wird der Haussperling regelmĂ€ĂŸig von der Kohlmeise geschlagen: WĂ€hrend diese in fast 95 Prozent aller GĂ€rten gesehen wird und damit der am zuverlĂ€ssigsten zu findende Wintervogel ist, sind es beim Haussperling nur 58 Prozent. An den Orten, wo er gesichtet wird, taucht er aber meist als grĂ¶ĂŸerer Trupp auf.

Die fĂŒr Ornithologen und NaturschĂŒtzer wichtigsten Ergebnisse der ZĂ€hlung sind jedoch Hinweise auf langfristige Zu- oder Abnahmen bestimmter Vogelarten. „Über Zunahmen freuen wir uns, bei Abnahmen mĂŒssen wir möglichst schnell die Ursachen bestimmen, um gegensteuern zu können“, so Lachmann. Hier bereitet vor allem der GrĂŒnfink Sorgen: Seit der ersten DurchfĂŒhrung der Aktion werden von Jahr zu Jahr weniger von diesen fĂŒr den menschlichen Siedlungsraum typischen Finkenvögeln gesehen. Mit 1,8 Vögeln pro Garten sind es in diesem Jahr nur noch etwas mehr als halb so viele wie 2011. Als Grund vermuten die VogelschĂŒtzer vor allem das in den letzten Jahren vermehrt auftretende „GrĂŒnfinkensterben“, hervorgerufen durch eine Infektion mit dem parasitĂ€ren Einzeller Trichomonas gallinae, der besonders an sommerlichen Futterstellen ĂŒbertragen wird, an denen viele Vögel zusammenkommen.

Der jĂŒngste KĂ€lteeinbruch im Norden Deutschlands fĂŒhrte außerdem zu einer kleinen KuriositĂ€t: Viele Kraniche, die bis dahin versucht hatten, in Deutschland zu ĂŒberwintern, machten sich mitten im Winter doch noch auf den Weg in den warmen SĂŒdwesten und wurden dabei, obwohl keinesfalls typische Gartenvögel, ĂŒber vielen GĂ€rten ziehend beobachtet. Auf der Deutschlandkarte der Wintervögel bilden sich daher ganz deutlich die beiden Hauptflugrouten der Kraniche ab, nĂ€mlich von der Ostsee ĂŒber das Ruhrgebiet und von Berlin bis ins Saarland.
Mehr
 

 
Karlsruhe: Radfahrzahlen auch 2015 auf konstant hohem Niveau
Knapp 1,84 Millionen Radfahrende an der ZĂ€hlstelle in der Erbprinzenstraße dokumentiert

Der RadzĂ€hler in der Erbprinzenstraße hat das Jahr 2015 mit einem ZĂ€hlerstand von 1.839.184 Radfahrenden abgeschlossen. Das sind im Schnitt rund 5.000 Radfahrten pro Tag auf diesem TeilstĂŒck der Cityroute-SĂŒd. Im Juli 2015 wurden mit 212.732 die meisten Fahrten gezĂ€hlt. NatĂŒrlich schwanken die Zahlen tĂ€glich in AbhĂ€ngigkeit von Wochentag und Wetter. Der Tag mit dem höchsten Einzelwert war der 14. Juli 2015 mit 8.697 gezĂ€hlten Fahrten. Im allgemeinen ist der Dienstag mit 17 Prozent aller Radfahrten der beliebteste Radfahrtag in der Woche, dicht gefolgt von Mittwoch und Donnerstag (jeweils 16,8 Prozent). Sonntags sind mit 5,6 Prozent die wenigsten Radfahrenden unterwegs. Das spricht ganz klar dafĂŒr, dass das Fahrrad fĂŒr die Karlsruher ein beliebtes Alltagsverkehrsmittel ist.

GegenĂŒber dem Jahr 2014 wurde in der Erbprinzenstraße ein leichter RĂŒckgang um rund 8.000 Fahrten verzeichnet - das sind im Schnitt etwa 20 Fahrten weniger pro Tag. Damals wurden 1.847.099 Radfahrende gezĂ€hlt. Dieser RĂŒckgang lĂ€sst sich mit zwei Faktoren erklĂ€ren: Im Januar 2014 hatte Karlsruhe ein extrem fahrradfreundliches Wetter, es wurden rund 9.000 mehr Radfahrten gezĂ€hlt als im Jahr darauf. Und der zweite Faktor besteht in der Öffnung der Parallelroute fĂŒr den West-Ost-Radverkehr im Verlauf der ZĂ€hringerstraße ĂŒber den Marktplatz. WĂ€hrend 2014 diese Verbindung fast durchgĂ€ngig gesperrt war, stand sie 2015 dem Radverkehr wieder offen. Dadurch gab es Verlagerungen im Radverkehr weg von der Erbprinzenstraße und hin zur Parallelroute. "Mich bestĂ€rken diese Zahlen darin, dass das Fahrrad fahren nach wie vor im Aufwind ist. Die Zahlen in der Erbprinzenstraße sind auf einem konstant hohen Niveau. Da man den Marktplatz wieder von West nach Ost mit dem Fahrrad ĂŒberqueren kann, gehe ich davon aus, dass wir auch 2015 wieder einen Zuwachs im Radverkehr hatten", gibt sich BĂŒrgermeister Michael Obert zuversichtlich.
Mehr
 

 
Verfolgte Greifvögel
Mindestens 44 Tiere wurden 2015 illegal getötet

Neue Dimension im Zusammenhang mit Windkraftanlagen-Bau

Mindestens 51 Mal wurden Greifvögel in den vergangenen 15 Monaten illegal verfolgt, 44 Tiere kamen dabei zu Tode. So lautet die Bilanz, die der NABU, sein bayerischer Partner, der Landesbund fĂŒr Vogelschutz (LBV), und das Komitee gegen den Vogelmord zum Jahreswechsel ziehen. AnlĂ€sslich der Wahl des Habichts zum „Vogel des Jahres 2015“ hatten die VerbĂ€nde die Bevölkerung dazu aufgerufen, FĂ€lle von illegaler Greifvogelverfolgung zu melden.

Am hĂ€ufigsten verwendeten die TĂ€ter verbotene Greifvogelfallen. Einige von ihnen konnten entdeckt werden bevor ein Vogel zu Schaden kam. In 25 Prozent der FĂ€lle wurden Tiere abgeschossen, in weiteren 25 Prozent Giftköder ausgelegt. Alle Greifvögel sind in Deutschland streng geschĂŒtzt. Ihre illegale Verfolgung stellt eine Straftat dar, die eine Freiheitsstrafe von bis zu fĂŒnf Jahren nach sich ziehen kann.

Besonders hĂ€ufig verfolgt wurden MĂ€usebussarde und Rotmilane mit 17 beziehungsweise zehn Opfern. Auch der „Vogel des Jahres 2015“, der Habicht, wurde sechsmal illegal getötet. „Dabei handelt es sich jedoch nur um einen kleinen Teil aller Straftaten. Wir gehen von einer hohen Dunkelziffer aus“, so Leif Miller, NABU-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer. Gemeldet wurden auch zahlreiche weitere VerdachtsfĂ€lle, die bisher jedoch noch nicht eindeutig belegt werden konnten.

Traurige Hochburg der Greifvogelverfolgung ist Nordrhein-Westfalen. Hier wurden 14 FĂ€lle dokumentiert, gefolgt von Baden-WĂŒrttemberg mit zwölf, Niedersachsen mit neun und Bayern mit sieben FĂ€llen. Bundesweit ist derzeit keine Verbesserung der Lage in Sicht. Lediglich Nordrhein-Westfalen verzeichnete 2015 weniger AbschĂŒsse, Vergiftungen und FallenfĂ€nge – hier zeigt das koordinierte Vorgehen der Behörden Erfolge.

„Beim nordrhein-westfĂ€lischen Umweltministerium wurde eine Stabsstelle UmweltkriminalitĂ€t eingerichtet, die durch enge Zusammenarbeit mit Polizei, Staatsanwaltschaft und Naturschutzbehörden eine effektive Registrierung und Verfolgung entsprechender Straftaten ermöglicht und in den vergangenen zehn Jahren bereits zu ĂŒber 30 rechtskrĂ€ftigen Verurteilungen gefĂŒhrt hat“, erklĂ€rt Axel Hirschfeld, Sprecher des Komitees gegen den Vogelmord. In anderen LĂ€ndern, wie Niedersachsen oder Schleswig-Holstein, existiere bis heute nicht einmal ein Register fĂŒr gemeldete Straftaten gegen Greifvögel.

In Bayern erkennen die NaturschĂŒtzer des LBV erste Tendenzen zur Besserung. „Aufgrund der illegalen Übergriffe, nicht nur auf Greifvögel, sind wir 2015 in Bayern eindringlich auf die Politik und die Polizei zugegangen. Seitdem arbeiten und ermitteln die zustĂ€ndigen Behörden bei derartigen VorfĂ€llen nun deutlich konsequenter und zielfĂŒhrender", so der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert SchĂ€ffer.

Seit 2004 erfassen die VerbÀnde anhand von Behördenangaben und eigenen Daten FÀlle von Greifvogelverfolgung. In den vorangegangen zehn Jahren wurden dabei 800 FÀlle mit mehr als 1.200 toten Greifvögeln dokumentiert.

Neu ist die Verfolgung von Greifvögeln im Zusammenhang mit Windkraftanlagen. In 39 zusĂ€tzlich erfassten FĂ€llen aus den Jahren 2010 bis 2015 besteht dringender Verdacht auf die illegale Zerstörung von Großvogelhorsten in der NĂ€he von bestehenden und geplanten Windkraftanlagen. Auch bei drei der registrierten Tötungsdelikte liegt ein entsprechender Zusammenhang nahe.

Um eine GefĂ€hrdung von Vogelarten auszuschließen, mĂŒssen Windkraftanlagen bestimmte AbstĂ€nde zu Vogelhorsten einhalten. Damit dennoch manche Anlage errichtet kann, werden offenbar immer hĂ€ufiger Horste systematisch zerstört. Der NABU befĂŒrwortet den naturvertrĂ€glichen Ausbau der Windkraft, bemĂ€ngelt jedoch immer wieder gravierende VersĂ€umnisse bei der Wahl der Standorte und Umsetzung einzelner Projekte. „Die meisten Horste sind bereits vor den Planungen einer Windkraftanlage bekannt. Sie werden dementsprechend im Genehmigungsprozess berĂŒcksichtigt. Wenn Horste fĂŒr Windkraftanlagen zerstört werden, zeugt das vor allem von Ignoranz gegenĂŒber geltendem Planungsrecht“, so Miller.

Um die Situation fĂŒr Greifvögel zu verbessern, startete der NABU 2015 eine Petition. In dieser fordern inzwischen 43.000 BĂŒrger die BundeslĂ€nder dazu auf, engagierter gegen die illegale Verfolgung von Greifvögeln vorzugehen. DarĂŒber hinaus soll der Verkauf und Besitz spezieller Fallen fĂŒr den Greifvogelfang verboten werden. Der NABU ĂŒbergibt die Petition aller Voraussicht nach am 20. Januar an Bundesumweltministerin Barbara Hendricks.

FÀlle von illegaler Greifvogelverfolgung können auch in Zukunft bei der vom Komitee gegen den Vogelmord eingerichteten Erfassungs- und Dokumentationsstelle Greifvogelverfolgung und ArtenschutzkriminalitÀt (EDGAR) unter 0160-5813445 oder edgar@komitee.de gemeldet werden.
Mehr
 

 
Aggressiver Salamander-Keim
NABU fordert EinschrÀnkung des Wildtierhandels

Miller: "Heimische AmphibienbestĂ€nde durch strenge Einfuhrkontrollen unbedingt schĂŒtzen"

Der NABU begrĂŒĂŸt den Schritt der US-Behörden, ein einstweiliges Importverbot fĂŒr Salamander und Molche durchzusetzen und fordert auch die deutsche Regierung zum Handeln auf. „Wenn sich schon das ,Mutterland des Freihandels‘ zum Schutz ihrer Ökosysteme zu so weitreichenden HandelsbeschrĂ€nkungen gezwungen sieht, sollte die Bundesregierung nachziehen und endlich einen ‚sauberen Tierhandel‘ umsetzen“, sagte NABU-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Leif Miller. Der NABU fordert, das im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD vom November 2013 vereinbarte Verbot von Wildtierimporten in die EU sowie gewerblichen Tierbörsen mit Exoten endlich umzusetzen.

Unter einem „sauberen Tierhandel“ versteht der NABU, dass kĂŒnftig nur noch nachgewiesen gesunde, einzeln unter QuarantĂ€nebedingungen gehaltene und transportierte Tiere gehandelt werden dĂŒrfen. Dies schließe Massenimporte von Wildtieren, Gemeinschaftshaltung beim HĂ€ndler und den Handel auf privaten Tierbörsen und –messen aus und die intensive veterinĂ€rmedizinische Behandlung einschließlich prophylaktischer Maßnahmen ein.

Die US-Regierung verhĂ€ngte ihr Importverbot nach eigenen Aussagen, um eine Ausbreitung des Hautpilzes Batrachochytridium salamandrivorans, besser bekannt als „Salamanderfresser“, in ihre Ökosysteme zu verhindern. Der Salamanderfresser ist ein besonders aggressiver Keim, der buchstĂ€blich Löcher in die empfindliche Amphibienhaut frisst. Entdeckt wurde der ursprĂŒnglich offenbar aus Asien stammende Pilz nach Massensterben von Feuersalamandern in den Niederlanden und Belgien. Zwischenzeitlich ist er aber auch in Großbritannien und Deutschland nachgewiesen worden. Neben dem Verlust von LebensrĂ€umen, Agrochemikalien und dem Klimawandel gelten hochansteckende Krankheiten heute als eine der wichtigsten GefĂ€hrdungsursachen fĂŒr Amphibien und sind Auslöser des dramatischen weltweiten Amphibiensterbens.

„Die Ausbreitung des Salamanderfressers in Europa muss zum Schutz unserer heimischen Amphibienpopulationen unbedingt eingedĂ€mmt werden. Ohne die EinfĂŒhrung des Vorsorgeprinzips in den Tierhandel und klare Regeln fĂŒr einen ‚sauberen Handel‘ wird dies nicht zu erreichen sein“, so Miller.

Die Rolle, die dem Tierhandel insbesondere von Wildtieren bei der Verbreitung gefĂ€hrlicher Krankheitserreger zukommt, sei bislang kaum bewertet worden. Die US-Naturschutzbehörde U.S. Fish and Wildlife Service hat am 12. Januar 2016 eine Liste mit 201 Arten von Molchen und Salamandern - das entspricht faktisch allen gehandelten Arten, die außerhalb Nordamerikas vorkommen - veröffentlicht, die als potenzielle ÜbertrĂ€ger des gefĂ€hrlichen Pilzes gelten und daraufhin das Importverbot in einem Eilverfahren verhĂ€ngt. Damit folgt die USA dem Beispiel der Schweiz, die bereits im Sommer 2015 ein generelles Importverbot fĂŒr Salamander und Molche erlassen hatte. Auch das standing committee der Berner Konvention zum Schutz der EuropĂ€ischen Flora und Fauna fordert aufgrund des Ausbruchs des Salamanderfressers in Wildpopulationen und Gefangenschaftshaltungen in Europa HandelsbeschrĂ€nkungen.
Mehr
 

 
NABU: Etappensieg im Kampf gegen Windpark im Schreiadlergebiet
Verwaltungsgericht Schwerin gibt Antrag des NABU statt / Vorerst kein Baubeginn

Der NABU hat im Verfahren zur Genehmigung von 16 Windkraftanlagen bei Jördenstorf im Landkreis Rostock einen wichtigen Etappensieg errungen. Das Verwaltungsgericht Schwerin hat mit Beschluss vom 23. Dezember 2015 dem Eilantrag des NABU Mecklenburg-Vorpommern vom 24. MÀrz 2015 stattgegeben und damit den Baubeginn der Anlagen bis zur Entscheidung im Hauptverfahren untersagt.

Der NABU klagt gegen die bereits erteilte Genehmigung, da im Genehmigungsverfahren weder eine UmweltvertrĂ€glichkeitsprĂŒfung noch eine PrĂŒfung der Auswirkungen auf benachbarte europĂ€ische Naturschutzgebiete durchgefĂŒhrt wurde, obwohl der Windpark mitten in einem der letzten verbliebenen Vorkommensschwerpunkte des seltenen Schreiadlers in Deutschland gebaut werden soll.

Nach Ansicht des Gerichts hat die zustĂ€ndige Genehmigungsbehörde, das Staatliche Amt fĂŒr Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg, wie vom NABU aufgezeigt, nur unzureichend geprĂŒft, ob eine UmweltvertrĂ€glichkeitsprĂŒfung (UVP) notwendig ist. Das Gericht sieht die entsprechende UVP-VorprĂŒfung als mangelhaft an. Insbesondere seien die Erfordernisse des Fledermausschutzes nicht hinreichend geprĂŒft worden.

Der NABU begrĂŒĂŸt diese Entscheidung. „Die UVP-VorprĂŒfung darf nicht dazu dienen, die UmweltvertrĂ€glichkeitsprĂŒfung durch ein kurzes informelles Verfahren hinter verschlossenen TĂŒren zu ersetzen“, sagte NABU-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Leif Miller. In der VorprĂŒfung ist lediglich zu klĂ€ren, ob negative Umweltauswirkungen offensichtlich ausgeschlossen werden können. Kann dies in der VorprĂŒfung – wie hier – nicht festgestellt werden, ist eine detaillierte UmweltvertrĂ€glichkeitsprĂŒfung mit Öffentlichkeitsbeteiligung durchzufĂŒhren.

„Wir erwarten, dass die zustĂ€ndigen Behörden diese Entscheidung des Verwaltungsgerichts als Signal verstehen, ihre Genehmigungspraxis zu verĂ€ndern“, so NABU-Landesvorsitzender Mecklenburg-Vorpommern Stefan Schwill. „Die Aushöhlung der gesetzlichen Regelungen zur UmweltvertrĂ€glichkeitsprĂŒfung und der VerbĂ€ndebeteiligung durch vorschnelle und unrichtige Entscheidungen in der VorprĂŒfung muss endlich beendet werden.“ Diese Art des Vorgehens verschleiert RechtsverstĂ¶ĂŸe und verhindert die rechtliche ÜberprĂŒfung durch die Verwaltungsgerichte.

Hauptgrund fĂŒr die Klage des NABU ist das Vorkommen von in Deutschland sehr seltenen und stark bedrohten Schreiadlern in unmittelbarer Umgebung der geplanten Anlagen. „15 der insgesamt nur etwa 100 Brutpaare in Deutschland brĂŒten in einem Umkreis von 15 Kilometern um die geplanten Anlagen, drei davon in weniger als sechs Kilometer Entfernung. Nach den Fachempfehlungen der staatlichen Vogelschutzwarten der LĂ€nder, dem sogenannten ‚HelgolĂ€nder Papier‘, sind aber regelmĂ€ĂŸig mindestens sechs Kilometer Abstand zu Schreiadler-Vorkommen zu halten“, so Schwill weiter. Mögliche durch das benachbarte EU-Vogelschutzgebiet geschĂŒtzte BrutplĂ€tze des Schreiadlers sind sogar nur wenig mehr als zwei Kilometer entfernt.

„Der Fall Jördenstorf steht exemplarisch fĂŒr eine schlechte Standortplanung und ein mit großen fachlichen und rechtlichen MĂ€ngeln durchgefĂŒhrtes Genehmigungsverfahren. Diese Genehmigung hĂ€tte aus naturschutzrechtlichen GrĂŒnden niemals erteilt werden dĂŒrfen“, so NABU-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Leif Miller.
Eine abschließende KlĂ€rung dieser wichtigen Grundsatzfragen wird im Hauptsacheverfahren vor Gericht erfolgen. Aufgrund einer Beschwerde des betroffenen Windparkbetreibers ĂŒber den vom Gericht verhĂ€ngten einstweiligen Baustopp, geht aber zunĂ€chst das Eilverfahren an die nĂ€chsthöhere Instanz, das Oberverwaltungsgericht in Greifswald.
Mehr
 

ÖKO-TEST-Magazin Januar 2016
Die Januar-Ausgabe des ÖKO-TEST-Magazins gibt es seit dem 28. Dezember im Handel
 
ÖKO-TEST-Magazin Januar 2016
Aus dem Inhalt

Test: Dr.-Oetker-Produkte
ÖKO-TEST hat verschiedene Dr.-Oetker-Produkte, darunter Pudding, MĂŒsli, Pizza, Milchreis und Kakaopulver, ins Labor geschickt. Das Testergebnis ist durchmischt: Neben „sehr guten“ und „guten“ Produkten sind ebenso „befriedigende“, „mangelhafte“ und „ungenĂŒgende“ im Dr.-Oetker-Portfolio. ÖKO-TEST kritisiert, dass in jedem zweiten Produkt Mineralöl steckt. Auch industriell hergestellte Aromen und zu viel Zucker sind ein Thema.

Test: Badefarben und Malseifen
Mit Badefarben und Malseifen, die das Badewasser bunt einfĂ€rben, macht vielen Kindern das Plantschen mehr Spaß. Im Test zeigte sich jedoch, dass die Produkte teilweise Schadstoffe enthalten: In zwei stecken etwa krebsverdĂ€chtige Formaldehyd/-abspalter. Auch lassen sich die Farben zwar vom Körper und den Fliesen gut abwaschen, manchmal verfĂ€rben sie aber die Fugen.

Test: Schwarze Kosmetik
Schwarz ist der neue Trend in der Kosmetikbranche. Kohle oder Vulkanstein in Zahncremes, Peelings, Masken und Reinigern sollen wahre Wunder vollbringen. Beweisen mithilfe einer Wirksamkeitsstudie kann das allerdings kein Hersteller. ÖKO-TEST kritisiert zudem, dass oft einige problematische Zutaten in der Kosmetika stecken. In mehr als der HĂ€lfte hat das Labor etwa PAK nachgewiesen.

Test: Coffee-to-go-Becher
Der Praxistest zeigte, dass zehn Becher dicht bleiben, auch wenn man sie ĂŒber Kopf dreht. Die meisten Produkte halten den Kaffee zudem deutlich lĂ€nger warm als ein Pappbecher. Allerdings fiel eine Marke beim Sensoriktest auf: Die Laborexperten attestierten dem Becher einen deutlichen Geruch und auch das Wasser, das 24 Stunden im Becher stand, nahm den Geschmack an.

Test: Fieberthermometer
Zwölf Thermometer schneiden mit „sehr gut“ oder „gut“ ab. Sie lieferten im Labor exakte Messergebnisse und haben kein grĂ¶ĂŸeres Problem mit Schadstoffen. Allerdings unterscheiden sich die Produkte erheblich sowohl beim Preis als auch beim Komfort in der Anwendung. Zwei Ausreißer fallen durch: Einem Thermometer gelang es nicht, unter Praxisbedingungen wiederholbare Ergebnisse zu erzielen. Das andere stank und schmeckte auffallend streng, so dass man es seinem Kind nicht in den Mund stecken möchte.

Test: Faszienrollen
Verspannungen lösen, Schmerzen lindern, die Leistung der Muskeln erhöhen: Die Hersteller von Faszienrollen versprechen viel. Doch den Nutzen der Schaumstoffwalzen belegen allenfalls gute Erfahrungen. Halbwegs aussagekrĂ€ftige Studien lassen sich an den Fingern abzĂ€hlen. Was das Massieren mit Schaumstoffrollen aber genau im Körper macht und ob es das Bindegewebe tatsĂ€chlich verĂ€ndert, weiß man zudem bis heute nur ansatzweise. Denn das Gros der erfahrungsbasierten Studien untersucht nur Trainingseffekte und nicht die Faszien selbst. Dazu kommt noch, dass in den Rollen eine Vielzahl von Schadstoffen stecken.

Test: Holzpellets
Die meisten Produkte schneiden mit „sehr gut“ und „gut“ ab. Nur zwei Hersteller sind anscheinend nicht in der Lage, eine durchgĂ€ngige QualitĂ€t anzubieten. Bei drei Marken zeigte sich ein schlechtes Ascheschmelzverhalten, sprich die Asche wurde deutlich frĂŒher weich als bei den anderen Produkten. Dazu haben die Pellets eines Anbieters mehr Stickstoff enthalten als die GĂŒtesiegel zulassen, obwohl sie zertifiziert waren. Ein weiterer Kritikpunkt: Sechs Hersteller mogeln bei der Angabe des Heizwertes.

Test: Haus- und Wohnungsschutzbriefe
Mit Schutz vor Pech und Pannen rund um Haus ködern immer mehr Assekuranzen ihre Kunden. Die spöttisch „Ungeziefer-Schutzbrief“ genannte Versicherung ist zwar nicht teuer, hat aber Haken und Ösen. So deckeln die meisten Tarife die Erstattung auf 1.500 Euro pro Jahr. Ein Vergleich der Angebote lohnt sich, denn die Leistungsbereiche der Anbieter unterscheiden sich teilweise extrem. Nur wenige Kernleistungen sind bei allen Haus- und Wohnungsschutzbriefen identisch.

Test: Unfallversicherungen mit BeitragsrĂŒckgewĂ€hr
Unfallversicherung mit BeitragsrĂŒckgewĂ€hr klingt nach Sicherheit zum Nulltarif. Doch die Versicherungen verschenken nichts, sondern nehmen viel. ÖKO-TEST wollte wissen, mit welcher Verzinsung Kunden fĂŒr ihr Sparkapital rechnen können. Es zeigte sich, dass es so gut wie keine Rendite gibt: Mit teurem Unfallschutz und monatlicher Zahlung beispielsweise betrĂ€gt die höchste garantierte Rendite 0,76 Prozent pro Jahr, die niedrigste Rendite minus 1,32 Prozent. Auch mit ÜberschĂŒssen ist kaum zu rechnen.


Und außerdem:

Das Àndert sich 2016
Mehr Kindergeld, höhere ZusatzbeitrĂ€ge fĂŒr gesetzlich Krankenversicherte, mehr Wohngeld, höherer Grundfreibetrag, Girokonto fĂŒr jedermann: ÖKO-TEST hat zusammengetragen, was sich fĂŒr Verbraucher ab dem 1. Januar 2016 alles Ă€ndert.
Mehr
 

 
NABU braucht fleißige VogelzĂ€hler
Bundesweite Mitmachaktion „Stunde der Wintervögel“ vom 8. bis 10. Januar 2016

Vom 8. bis 10. Januar 2016 findet zum sechsten Mal die bundesweite „Stunde der Wintervögel“ statt: Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und sein bayerischer Partner Landesbund fĂŒr Vogelschutz (LBV) rufen Naturfreunde auf, eine Stunde lang die Vögel am FutterhĂ€uschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park zu zĂ€hlen und zu melden. Um im Vergleich mit anderen Jahren Bestandszu- oder -abnahmen feststellen zu können, hofft der NABU auch in diesem Jahr auf eine rege Beteiligung bei Deutschlands grĂ¶ĂŸter wissenschaftlicher Mitmachaktion.

Spannend erwartet wird, ob das bisher extrem milde Winterwetter vermehrt Zugvögel wie Zilpzalp oder Hausrotschwanz zur Überwinterung in Deutschland verleitet hat. „Andererseits kann der jĂŒngste Kaltlufteinbruch im Osten Deutschlands oder intensives Silvesterfeuerwerk viele Vögel noch einmal zum Ortswechsel gezwungen haben, so dass manche Vogelfreunde nun vielleicht andere Vögel als noch im alten Jahr in ihren GĂ€rten antreffen werden“, sagte NABU-Vogelschutzexperte Lars Lachmann.

Besondere Aufmerksamkeit verdient in diesem Jahr der Stieglitz, Vogel des Jahres 2016. Sein Bestand nimmt deutschlandweit stark ab, der Finkenvogel liebt aber winterliche Futterstellen. „Bisher liegt die Art mit durchschnittlich 0,35 gezĂ€hlten Vögeln pro Garten auf Rang 22 der hĂ€ufigsten Wintervögel“, so Lachmann. „Im Jahr des Stieglitz fordern NABU und LBV alle BĂŒrger auf, viele ‚bunte Meter‘ aus samenreichen Wildblumen anzulegen oder zu erhalten. Die ‚Stunde der Wintervögel‘ wird darĂŒber Aufschluss geben, ob die Aktion im Anschluss zu höheren StieglitzbestĂ€nden fĂŒhren wird.“

Die WintervogelzÀhlung funktioniert ganz einfach: Von einem ruhigen BeobachtungsplÀtzchen aus wird von jeder Art die höchste Anzahl notiert, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig zu beobachten ist. Die Beobachtungen können dann im Internet unter www.stundederwintervoegel.de bis zum 18. Januar gemeldet werden, die Ergebnisse werden dort ausgewertet. Zudem ist am 9. und 10. Januar jeweils von 10 bis 18 Uhr die kostenlose Rufnummer 0800-1157-115 geschaltet.

Das pure Interesse und die Freude an der Vogelwelt reichen zur Teilnahme aus, eine besondere Qualifikation ist fĂŒr die WintervogelzĂ€hlung nicht nötig. Bei der letzten großen VogelzĂ€hlung im Januar 2015 beteiligten sich ĂŒber 77.000 Menschen. Mehr als 2 Millionen Vögel aus ĂŒber 53.000 GĂ€rten wurden gemeldet. Der Haussperling ergatterte damals den Spitzenplatz als hĂ€ufigster Wintervogel in Deutschlands GĂ€rten, die Kohlmeise Platz zwei. Auf den PlĂ€tzen drei bis fĂŒnf folgten Feldsperling, Blaumeise und Amsel. Nun erhoffen sich der NABU und sein bayerischer Partner, der Landesbund fĂŒr Vogelschutz (LBV), auch 2016 wieder eine rege Beteiligung. Denn je grĂ¶ĂŸer die Teilnehmerzahl ist, desto wertvoller werden die Ergebnisse.

Neben der wissenschaftlichen Datenerhebung ist es fĂŒr den NABU und den LBV bei dieser Aktion ebenso wichtig, die engagierten ZĂ€hler auf die Natur vor der HaustĂŒr aufmerksam zu machen und zur naturnahen Gestaltung von GĂ€rten als Lebensraum fĂŒr Vögel zu motivieren.

Im Rahmen der „Schulstunde der Wintervögel“ vom 11. bis 15. Januar wird zudem die NAJU auf www.NAJU.de/SdW fĂŒr jeden Tag eine Aktionsidee fĂŒr Kindergruppen und Schulklassen anbieten. Die dort gesammelten Daten werden ebenfalls in die Auswertung einfließen.
Mehr
 

 
NABU-Zahl des Monats
17 Tonnen MĂŒll aus Nord- und Ostsee geborgen

Erfolgreiche Fishing for Litter-Bilanz

17 Tonnen MĂŒll haben deutsche Fischer bis Ende 2015 aus Nord- und Ostsee gezogen. Über 75 Prozent der gefischten AbfĂ€lle bestehen dabei aus Kunststoff. Folien, Verpackungen, Kanister, altes Tauwerk und Reste von Fischernetzen gehören zu den hĂ€ufigsten FundstĂŒcken.

Im Jahr 2011 gab der NABU gemeinsam mit regionalen Partnern den Startschuss der in Deutschland einmaligen Initiative Fishing for Litter. Seitdem wĂ€chst die Zahl beteiligter HĂ€fen und Fischer, die MĂŒll aus dem Meer sammeln und entsorgen, stetig an. Heute unterstĂŒtzen auch die KĂŒstenlĂ€nder Niedersachsen und Schleswig-Holstein den weiteren Ausbau.

Die Fischer erhalten kostenlose SammelsĂ€cke und in den HĂ€fen stehen große Container zur MĂŒllentsorgung bereit. Die gefischten AbfĂ€lle werden aufwendig sortiert und auf ihre Zusammensetzung und Herkunft untersucht. Fishing for Litter ist eine zentrale Maßnahme gegen die VermĂŒllung der Meere und zeigt wie sich Fischerei und Naturschutz gemeinsam fĂŒr eine saubere Meeresumwelt einsetzen können.
Mehr
 



Seite 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 
24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 
47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 
70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 
93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 
116 117 118 119 120 121 122 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 
139 140 141 142 143 144 145 146 147 148 149 150 151 152 153 154 155 156 157 158 159 160 161 
162 163 164 165 166 167 168 169 170 171 172 173 174 175 176 177 178 179 180 181 182 183 184 
185 186 187 188 189 190 191 192 193 194 195 196 197 198 199 200 201 202 203 204 205 206 207 
208 209 210 211 212 213 214 215 216 217 218 219 220 221 222 223 224 225 226 227 228 229 230 
231 232 233 234 235 236 237 238 239 240 241 242 243 244 245 246 247 248 249 250 251 252 253 
254 255 256 257 258 259 260 261 262 263 264 265 266 267 268 269 270 271 272 273 274 275 276 
277 278 279 280 281 282 283 284 285 286 287 288 289 290 291 292 293 294 295 296 297 298 299 
300 301 302 303 304 305 306 307 308 309 310 311 312 313 314 315 316 317 318 319 320 321 322 
323 324 325 326 327 328 329 330 331 332 333 334 


Copyright 2010 - 2017 Benjamin Jäger