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Samstag, 21. Oktober 2017
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Verschiedenes

 
NABU: EU-Kommission verklagt Deutschland wegen unzureichendem Gewässerschutz
Deutschland muss endlich aktiv werden

Diese Woche wurde bekannt, dass die EU-Kommission Deutschland wegen der unzureichenden Umsetzung der sogenannten Nitratrichtlinie vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt. Die Nitratrichtlinie soll unter anderem das Ausbringen von stickstoffhaltigen Düngemitteln auf landwirtschaftlichen Flächen begrenzen und wird in Deutschland vor allem durch die Düngeverordnung umgesetzt.
NABU-Präsident Olaf Tschimpke: „Die EU-Kommission macht nun endlich Nägel mit Köpfen und entlarvt die Verschleppungstaktik des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Obwohl sich die deutsche Landwirtschaftspolitik gerne als Vorreiter darstellt, ist ihre Umweltbilanz eindeutig negativ. Die EU-Agrarpolitik muss dringend nachhaltiger werden und umweltschädliche Subventionen beenden, wie der NABU und andere Umwelt- und Naturschutzverbände seit Jahren fordern.“
Bereits 2011 wies die Kommission Deutschland an, die Düngevorschriften aufgrund schlechter Gewässerqualität umfassend zu überarbeiten. Da die Nitratkonzentration im Grundwasser insgesamt jedoch zunahm, wurde 2013 ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet. „Seitdem zögert die Bundesregierung, allen voran das Bundeslandwirtschaftsministerium, die Novelle der Düngeverordnung hinaus. Ob der kürzlich von der großen Koalition ausgehandelte Kompromiss ausreichen wird, um die Richtlinie endlich zu erfüllen, ist stark zu bezweifeln. Erneut fehlt darin beispielsweise eine verbindliche Hoftorbilanz für alle landwirtschaftlichen Betriebe“, so Tschimpke.
Aktuell laufen gegen Deutschland zwölf Vertragsverletzungsverfahren wegen nicht ordnungsgemäßer Umsetzung von Richtlinien im Umwelt- und Naturschutzbereich. Vier weitere Verfahren beziehen sich auf nicht fristgerechte Umsetzungen von Richtlinien.
 
 

NABU legt neues Modell für EU-Agrarförderung vor
 
NABU legt neues Modell für EU-Agrarförderung vor
So können Landwirte und Umwelt gleichermaßen profitieren - statt "Gießkannenförderung" neue Prämien für nachhaltiges Wirtschaften

Der NABU fordert aufgrund der anhaltend schlechten Umweltbilanz der EU-Landwirtschaftspolitik drastische Änderungen bei der künftigen Agrarförderung. Dazu stellte der Umweltverband am heutigen Montag eine beim Institut für Agrarökologie und Biodiversität (IFAB) Mannheim in Auftrag gegebene Studie vor. Diese berechnet erstmals anhand eines konkreten Modells, wie die Agrarsubventionen in Zukunft so verteilt werden können, dass Landwirte und Umwelt gleichermaßen profitieren. Kern der Studie ist ein Modell, das die derzeitige ineffiziente „Gießkannenförderung“ durch Prämien für nachhaltiges Wirtschaften und Naturschutzleistungen ersetzt.

„Die Agrarpolitik der EU versagt, trotz wiederholter Reformversuche, seit Jahren auf ganzer Linie“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke bei der Vorstellung der Studie in Berlin. „Bislang werden die öffentlichen Gelder überwiegend ineffizient und im Ergebnis umweltschädlich verteilt. Dem Steuerzahler fällt diese Agrarpolitik sogar doppelt zur Last, denn die Schäden an Boden, Wasser und Natur müssen kostspielig behoben werden.“

Angesichts der enormen Steuermittel, die Jahr für Jahr in den Agrarsektor fließen, und der negativen Folgen für Mensch und Natur, sei eine grundlegende Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik überfällig. Insgesamt gehen derzeit 40 Prozent des EU-Haushalts in die Landwirtschaft, das sind 112 Euro pro EU-Bürger und Jahr. Die EU-Förderung besteht zum größten Teil aus pauschalen Flächenprämien ohne konkrete Gegenleistung – in Deutschland sind das pro Hektar rund 300 Euro. „Nur durch mächtigen Lobby-Einfluss auf die Politik ist es zu erklären, dass heute immer noch 60 Milliarden Euro pro Jahr mit sehr geringem Nutzen für die Allgemeinheit verteilt werden. Diese Agrarpolitik hält weder das Höfesterben auf, noch wird sie dem Klima- und Naturschutz gerecht“, so Tschimpke.

Das neue von den Agrarökologen und -ökonomen entwickelte Modell würde Natur und Landwirten künftig gleichermaßen nutzen: Bei gleich bleibender Fördersumme könnten drei Viertel der deutschen Agrarfläche besonders naturverträglich bewirtschaftet werden. Gleichzeitig würden auch die Einkommen der teilnehmenden Betriebe steigen.

Dazu sieht das Modell folgende Änderungen vor: Statt, wie bisher, bedingungslos und pauschal Direktzahlungen an die Landwirtschaftsbetriebe auszugeben, sollte dieses „Gießkannenprinzip“ durch eine neue Prämie ersetzt werden, die an konkrete Nachhaltigkeitskriterien geknüpft ist. Zusammen mit gezielten Zahlungen für bestimmte Umweltleistungen und -maßnahmen würde dies zu einem ökonomisch attraktiven Anreiz für die Landwirte führen, der weit über den Ausgleich von Einkommensverlusten hinausgeht.

Anhand konkreter Berechnungen zeigt die Studie, dass Betriebe, die in Zukunft mindestens zehn Prozent ihres Ackerlands oder 20 Prozent ihres Grünlands als ökologisch hochwertige Flächen bewirtschaften, finanziell mindestens genauso gut oder besser gestellt sein werden als bisher. Das Plus beträgt meist fünf bis zehn Prozent im Gesamtbetriebsergebnis, zum Teil auch darüber, wobei Ertragseinbußen durch die geringere Produktion bereits berücksichtigt sind. Dadurch entstehen wichtige Perspektiven gerade für Betriebe auf weniger ertragreichen Standorten.

„Es ist wichtig, dass weiterhin EU-Gelder bei Bauern und Waldbesitzern ankommen. Diese Gelder müssen aber denjenigen unter ihnen zu Gute kommen, die wirklich Mehrwert für die Gesellschaft erbringen, und zwar über die gesetzlichen Verpflichtungen hinaus“, so Dr. Rainer Oppermann, Autor der Studie. „Unsere Berechnungen zeigen, dass dies möglich und für viele Landwirte rentabel ist.“

Betriebe, die nur die Mindeststandards der Umweltgesetze einhalten wollen, könnten dies künftig auch tun – erhalten dann aber kein Geld mehr vom Steuerzahler. Durch diese Umstellung kann die Agrarförderung gegenüber der bisherigen Praxis wesentlich umwelt- und naturfreundlicher und gegenüber Landwirten wie Steuerzahlern weitaus fairer gestaltet werden.
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Europas Böden brauchen Ihre Stimme
NGO-Netzwerk People4Soil fordert Anerkennung des Bodens als Allgemeingut

Bei Terra Madre Salone del Gusto 2016 - dem alle 2 Jahre stattfindenden größten internationalen Slow-Food-Event - hat das europäische NGO-Netzwerk People4Soil im September die gleichnamige Bürgerinitiative zum EU-Bodenschutz gestartet, für die nun auch die Online-Petition freigeschaltet wurde. Dem Bündnis People4soil aus über 300 Organisationen gehören auch Slow Food Deutschland und Slow Food International an.

Teil der Bürgerinitiative ist eine Petition, deren Ziel es ist, innerhalb von 12 Monaten EU-weit mindestens 1 Million Stimmen zu sammeln. Darüber hinaus kann man sich mit Direktbotschaften an die EU-Politiker richten: Die Hauptforderung der Bürgerinitiative an die EU-Politik ist die Festsetzung eines gesetzlichen Rahmens für nachhaltigen Bodenschutz, der diese lebensnotwendige Ressource als unersetzliches Allgemeingut anerkennt. Zudem soll auf alle Hauptgefahren für Böden hingewiesen werden, darunter Erosion, Bodenversiegelung, Bodenkontamination und Biodiversitätsverlust.

Slow Food Deutschland e. V. ist Teil dieses starken europäischen Netzwerkes dem europäische NGOs, Forschungsinstitute, Bauernverbände und Umweltschutzgruppen angehören. Diese breite Allianz will Druck auf die europäischen Institutionen ausüben, damit spezifische Gesetze für den Bodenschutz eingeführt und nachhaltige Regelungen für alle EU-Mitgliedstaaten verbindlich festgesetzt werden. Die unterschätzte Ressource Boden soll in Europa zum Gemeingut für unser Leben erklärt werden, und der Staatenverbund muss dessen nachhaltige Verwaltung als eine primäre Verpflichtung auch an zukünftige Generationen begreifen.

Zur Zeit wird Boden nicht durch eine zusammenhängende Gesamtheit von EU-Gesetzen geschützt oder auch nur verwaltet. Der Vorschlag zur Bodenschutz-Rahmenrichtlinie ist im Jahr 2014, nach acht Jahren Stillstand, von der EU Kommission wegen unvereinbaren Positionen der EU Staaten und des EU Parlamentes zurückgezogen worden. Die verbleibenden EU-Regelungen in verwandten Politikbereichen sind allerdings ungenügend, um für alle Böden in Europa ein angemessenes Schutzniveau zu sichern, dass dem Prinzip der "Enkeltauglichkeit" entspricht.

Stimmen Sie jetzt mit Ihrer Stimme fĂĽr den Bodenschutz in Europa und fordern mit einer Unterschrift, dass Boden als Allgemeingut anerkannt wird und deshalb einem legislativen Schutz unterliegen soll.

Jetzt schnell und einfach Petition unterschreiben: https://www.people4soil.eu/de
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NABU-Statement zum Scheitern des Klimaschutzplans
Miller: Deutsche Blamage zum Weltklimagipfel - Bundeskanzlerin Merkel muss endlich Einigung bei ihren Ministern erreichen

Zum Scheitern des Kabinettsbeschlusses zum Klimaschutzplan 2050 kommentiert NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller: „Es ist eine Blamage sondergleichen, dass Bundesumweltministerin Hendricks auf der Weltklimakonferenz in Marrakesch in der kommenden Woche keinen deutschen Klimaschutzplan präsentieren kann. Das zeigt, dass bei der Bundesregierung noch nicht angekommen ist, was das Klimaabkommen von Paris eigentlich bedeutet. Insbesondere muss langsam allen klar sein, dass wir ein Ende der Kohlekraftwerke in Deutschland brauchen – auch wenn Wirtschaftsminister Gabriel mit seiner Blockade einer Ausstiegskommission sich offenbar dieser Realität verweigert.“

Der NABU forderte Bundeskanzlerin Merkel auf, endlich auf nationaler Ebene klar zu machen, dass Deutschland mehr Anstrengung bei der Reduzierung von Klimagasen unternehmen muss und ihr Kabinett zu einer Einigung bewegen. „Deutschland kann sich nicht länger international als Vorreiter im Klimaschutz feiern lassen, wenn zuhause noch nicht einmal ein gemeinsamer Beschluss erreicht werden kann. Das ist ein fatales Signal und erweckt den Eindruck, dass auch Deutschland internationale Versprechungen nicht ernsthaft zuhause umsetzt. Schließlich hat die Kanzlerin den Klimaschutz in Paris noch als eine Frage der Menschheit bezeichnet – daran muss sie sich auch in Bezug auf die Aktivitäten Deutschlands messen lassen. Auch mit Blick auf die kommende G20-Präsidentschaft Deutschlands wird dringend ein nationaler Klimaschutzplan benötigt, sonst wird die Bundesrepublik wohl kaum glaubwürdig das Thema Klimaschutz auf die Agenda setzen können“, so Miller.
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Ă–KO-TEST-Magazin November 2016
Die November-Ausgabe des Ă–KO-TEST-Magazins gibt es seit dem 27.10 im Handel
 
Ă–KO-TEST-Magazin November 2016
Aus dem Inhalt

Test: Honig
Honig ist ein Spiegelbild der Natur, aus der er stammt. Und so stecken teilweise Glyphosat und Gentechnik aus dem Hause Monsanto mit im Glas, wie der Test zeigt. Das gilt nicht nur fĂĽr konventionelle Marken, sondern auch fĂĽr Bio-Produkte. Immerhin acht Marken kann Ă–KO-TEST aber empfehlen.

Test: Kinderanoraks
Kinderjacken werden meist häufiger gewaschen, weil Kinder sich schmutzig machen. Die Materialuntersuchung zeigt erfreulicherweise, dass alle Produkte im Test Form und Farbe behalten. Leider schmieren die Jacken mit einer Ausnahme beim Schadstofftest ab: Denn sie sind entweder im Oberstoff, im Futter oder in der Wattierung aus Polyester gefertigt. Daraus kann sich giftiges Antimon lösen.

Test: Stilltees
Damit es mit dem Stillen richtig klappt, sollten sich die Mütter ausreichend entspannen und genügend Flüssigkeit zu sich nehmen. Viele greifen dabei auf sogenannte Stilltees zurück. Doch nicht alle Kräutertees sind zu empfehlen. Schuld sind vor allem die Pyrrolizidinalkaloide. Das ist eine Gruppe von sekundären Pflanzenstoffen, die viele Pflanzen zur Abwehr von Fressfeinden bilden. Diese gelten als leberschädigend und krebserregend. Zudem fand das Labor in 13 Marken – zumindest in Spuren – Pestizide.

Test: Shampoos gegen trockenes Haar
Der Winter lässt vielen Menschen buchstäblich die Haare zu Berge stehen. Shampoos mit spezieller Feuchtigkeitsformel können bedingt gegen die ungewollten statischen Aufladungen helfen und die Haare geschmeidig machen. Im Test auf Schadstoffe schneiden acht Produkte mit „sehr gut“ und vier mit „gut“ ab. Fünf fallen durch, darunter ein teures Produkt des amerikanischen Unternehmens Vogue International, mit dem sich Käufer fast die komplette Palette der ÖKO-TEST-Abwertungsparameter in die Haare massieren, wie etwa halogenorganische Verbindungen, Lilial, PEG/PEG-Derivate und Formaldehyd/-abspalter.

Test: Mittel zur Stärkung der Abwehrkräfte
In der Werbung versprechen Pharmafirmen, dass Immunstimulanzien die körpereigenen Abwehrkräfte stählen und vor grippalen Infekten schützen Doch die wissenschaftliche Beweislage für diese Wirkversprechen ist äußerst dünn. Da hilft auch nicht, dass die Anbieter ihre Mittel frei nach dem Motto „viel hilft viel“ mit Bakterien, Aminosäuren sowie Tier- und Pflanzenextrakten mixen.

Test: LED-Lampen
Retrofits, also LED-Lampen mit Schraubgewinde, haben die ersten Kinderkrankheiten hinter sich. Die Produkte halten in punkto Helligkeit weitgehend, was sie versprechen, und erreichen die angegebene Lumenzahl. Bei einigen Marken nahm allerdings die Helligkeit nach 3.000 Stunden erheblich ab. Auch beim Thema gleichmäßiges Rundumlicht können die LEDs der Glühlampe noch nicht das Wasser reichen. Zudem ist die Lichtqualität verbesserungswürdig und es konnte Elektrosmog nachgewiesen werden. Positiv ist allerdings, dass mit den Produkten eine hohe Energieersparnis möglich ist.

Ăśbersicht: Fintechs
Sie wollen die Geldanlage, den Zahlungsverkehr und die Versicherungsbranche revolutionieren. Über 400 Fintechs sorgen mit Handy-Apps und Smartphone-Tools für frischen Wind in der angestaubten Finanzwelt. Doch wer profitiert wirklich von den neuen Geschäftsmodellen? ÖKO-TEST hat einen Blick hinter die Fassade der Hypebranche geworfen und einige Fallstricke sowie Risiken entdeckt, auf die Verbraucher achten sollten.

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Dieses Mal im Heft: Extra Schwangerschaft & Geburt

Muttermilch: All-inclusive-Verpflegung
Wenn die Natur es nicht schon so eingerichtet hätte, müsste man Muttermilch glatt erfinden: Sie enthält nicht nur alles, was das Baby zu seiner Entwicklung braucht, sondern ist zudem stets verfügbar, perfekt temperiert und kostenlos. Jede Menge Gründe, um bei Problemen nicht vorzeitig abzustillen, sondern sich Hilfe zu suchen.

Die Entbindung: Wo soll das Kind geboren werden?
Die Antwort auf diese Frage hängt sowohl von der Persönlichkeit der werdenden Mutter (und ihres Partners) als auch vom Verlauf der Schwangerschaft ab. ÖKO-TEST hat zusammengetragen, was für und was gegen die einzelnen Optionen spricht.

Vom Kinderwunsch zum Wunschkind: Nachhilfe fĂĽr den Klapperstorch
Nicht immer klappt es auf Anhieb mit der Schwangerschaft. Denn damit neues Leben entsteht, muss jedes Detail stimmen. Je länger das Warten dauert, desto nervöser wird so manches Paar. Doch bei Fruchtbarkeitsstörungen sind die Möglichkeiten der Einflussnahme begrenzt.

Worüber man nicht spricht: Wenn ich das gewusst hätte …
… hätte das am Kinderwunsch wohl auch nichts geändert. Dennoch: Viele Aspekte rund um das große Glück werden schlicht ausgeklammert, da sie nicht zum rosaroten Bild werdender Mütter passen. Deshalb redet ÖKO-TEST Klartext.

Apps fĂĽr Schwangere: Digitale Begleiter
Es gibt unzählige Apps für angehende Eltern. Nutzer sollten darauf achten, wem sie ihre Daten anvertrauen – und die wirklich wichtigen Fragen weiterhin im analogen Leben stellen.

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Und auĂźerdem:

Geld spenden: Willkommene und unverzichtbare Hilfe
Zwischen sechs und sieben Milliarden Euro spenden die Deutschen pro Jahr. Einen Großteil davon sammeln die gemeinnützigen Organisationen in der Vorweihnachtszeit. Immer häufiger erhalten sie zweckgebundene Spenden – ein Zeichen für Vertrauensverlust?
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NABU und Rewe ziehen Bilanz zum International Coastal Cleanup Day 2016
Freiwillige sammelten bei 31 Aktionen mehr als 4.300 Kilogramm Müll aus Flüssen, Seen und an Stränden

Ein Motorroller, verrostete Einkaufswagen, ausgediente Fischernetze, Angelschnüre sowie tausende Zigarettenkippen, Verpackungsreste und Kronkorken: Mehr als 4,3 Tonnen Müll sammelten mehrere hundert Freiwillige von NABU und REWE bei Aktionen rund um den International Coastal Cleanup Day am 17. September. Mit über 590 Teilnehmern bei 31 Aktionen waren es mehr Freiwillige als je zuvor, die sich im gesamten Bundesgebiet beteiligten und von Borkum bis Greifswald, von Flensburg bis Köln Flüsse, Seen und Strände von für die Umwelt gefährlichen Abfällen befreiten.

„Über vier Tonnen Müll sprechen eine deutliche Sprache und zeigen, wie weit die Vermüllung unserer Natur fortgeschritten ist. Insbesondere Plastikabfall ist zu einer echten Gefahr geworden. Oft beginnt das Problem vor unserer Haustür, wenn die Reste der letzten Grillparty im Park oder der Coffee-to-go-Becher am Strand achtlos liegen gelassen werden. Daher freuen wir uns über das große Engagement der vielen Freiwilligen. Mit ihrem Einsatz setzten sie ein deutliches Zeichen für Müllvermeidung und einen nachhaltigen Umgang mit wertvollen Ressourcen“, sagte Leif Miller, NABU-Bundesgeschäftsführer.

Von Mitte September bis Anfang Oktober wurden Küstenabschnitte von Nord- und Ostsee, aber ebenso Ufer von Seen und Flüssen von für die Natur und ihre Bewohner schädlichen Abfällen befreit. Denn jedes Jahr gelangen allein von Land zehn Millionen Tonnen Plastikmüll in unsere Ozeane. Millionen Seevögel, Delfine und Fische sterben an den Folgen. Sie verfangen sich in weggeworfenen Folien oder Netzen oder verwechseln Schraubverschlüsse mit Nahrung und verhungern mit einem Magen voll Plastik. Das Gleiche passiert tausendfach in Seen und Flüssen.

In diesem Jahr wurden die Freiwilligen des NABU und seiner Jugendorganisation NAJU erstmals von REWE unterstützt. In Kiel, Hamburg und Köln beteiligten sich Mitarbeiter von REWE-Märkten und Verwaltungen direkt an den Sammelaktionen. „Durch die Einbindung unserer Mitarbeiter stärken wir unsere strategische Partnerschaft mit dem NABU und machen unser Engagement für den Natur- und Gewässerschutz für Mitarbeiter und REWE-Kunden sichtbar“, so Dr. Daniela Büchel, bei der REWE Group als Bereichsvorstand Handel Deutschland für die Ressorts Personal und Nachhaltigkeit verantwortlich.

Die Aktionen des NABU zum ICC sind Bestandteil des Projektes „Meere ohne Plastik“. Neben Reinigungsaktionen und Umweltbildungsmaßnahmen entwickelt der NABU gemeinsam mit Küstenkommunen und Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft Strategien zur Müllvermeidung und mehr Ressourceneffizienz.
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NABU begrüßt, dass Schiffskraftstoffe künftig schwefelärmer werden
Nächster Schritt muss ein grundsätzliches Schwerölverbot auf See sein

Der NABU begrüßt die heutige Einigung des Ausschusses zum Schutz der Meeresumwelt der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) zur Absenkung des Schwefelgehalts für Schiffskraftstoffe. Marine Kraftstoffe dürfen demnach künftig nur noch maximal 0,5 Prozent Schwefel enthalten. Nach Ansicht der Umweltschützer ein richtiger, wenn auch längst überfälliger Schritt.

„Die Seeschifffahrt hat ein massives Abgasproblem. Und das sowohl bei Kreuzfahrt- als auch Containerschiffen. Es ist richtig, den Ausstieg aus dem Schweröl jetzt einzuleiten und die Seeschifffahrt insgesamt zu mehr Umwelt- und Klimaschutz zu bewegen“, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Jahrzehntelang habe sich die Branche mit ihren verantwortlichen Akteuren vor dem Problem weggeduckt. Es sei jetzt das richtige Signal, dass die internationale Gemeinschaft wieder das Ruder in die Hand nehme, um die Abgase zu reduzieren.

Die Abstimmung der IMO war mit Spannung erwartet worden, da auf Drängen von Ölindustrie, Reedern und einflussreichen Flaggenstaaten auch eine Verschiebung der Entscheidung auf das Jahr 2025 erwogen worden war. Und das obwohl zuvor eine geleakte Studie im Auftrag der IMO ermittelt hatte, dass eine Verzögerung – aufgrund der immensen Abgasbelastung – rund 200.000 weitere vorzeitige Todesfälle verursacht hätte. Schiffsabgase sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) Krebs erregend und allein in Europa pro Jahr für mehr als 50.000 Todesfälle verantwortlich.

Auch nach der baldigen Reduzierung des Schwefelanteils ist die Gefahr, die von Schweröl ausgeht, längst nicht gebannt. Der Schiffskraftstoff wird noch immer rund 500mal so dreckig sein wie Lkw-Diesel. Funktionierende Abgastechnik, wie sie an Land längst Pflicht ist, ist auf dem Meer kaum verbreitet. „Es ist unklar, woher die Reeder das Recht nehmen, die menschliche Gesundheit, die Umwelt und das Klima so massiv und weitaus mehr als andere zu belasten“, kritisierte NABU-Verkehrsexperte Daniel Rieger.

So können die Reeder auch künftig weiterhin billiges Restöl verfeuern, wenn sie es mit höherwertigen Kraftstoffen mischen oder einen Schwefelwäscher, so genannte Scrubber, einsetzen. „Selbst in sensiblen Regionen wie der Arktis fahren Schiffe weiter mit Schweröl und setzen die gesamte Region einem unverantwortlichen Risiko aus. Es wird Zeit, dass das giftige Abfallprodukt Schweröl ein für alle mal von unseren Weltmeeren verschwindet. Die volkswirtschaftlichen Kosten für diesen nur scheinbar billigen Kraftstoff sind einfach zu hoch. Wir brauchen dringend ein weltweites Schwerölverbot – und damit auch den Anreiz, künftig stärker auf umweltfreundlichere Antriebsarten zu setzen“, sagte Rieger.
 
 

 
800 SchĂĽler begreifen Boden
Slow-Food-Schulprojekt geht mit hervorragenden Ergebnissen und neuer Webseite in das 2. Projektjahr

Die Ressource Boden ist zentral für die Produktion von Nahrungsmitteln und damit unser Überleben, aber kaum jemand weiß wirklich, wie es um sie steht. Das Slow-Food-Schulprojekt BODEN BEGREIFEN hat im letzten Jahr mehr als 800 Schülerinnen und Schülern das Thema Boden näher gebracht und ihnen die Auswirkungen ihres eigenen Lebensstils auf das Umweltmedium Boden veranschaulicht. Dazu hat das Projekt fast 460 Schülerinnen und Schüler direkt auf die Äcker im Umland von Berlin gebracht und darüber hinaus Bodenproben aus Berlin, Potsdam und München in insgesamt 15 Schulen zur Veranschaulichung genutzt.

Herausragende globale Probleme sind schwindende Fruchtbarkeit von Böden sowie ein steigender Flächenbedarf der wachsenden Weltbevölkerung. Verschiedene Bildungsangebote für Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 4-8 thematisieren diese Herausforderungen. Zu den drei Themensträngen Klima, Bodenfruchtbarkeit und Landfuß-Abdruck sind knapp 20 Bildungsangebote entstanden und erprobt worden. Als Teil des Projekts werden z.B. die Auswirkungen der intensiven Landwirtschaft auf die Bodenfruchtbarkeit und der Einfluss des individuellen Bodennutzens auf die Verteilung und den Zugang zu Boden weltweit spielerisch erarbeitet und diskutiert. In Anknüpfung an die Themen Klima, Hunger und Welternährung des Rahmenlehrplans wurde das Thema Boden in den Schulunterricht integriert und die Schule direkt mit dem Lernort "Acker" verbunden.

Durch das Projekt können Stadtkinder erfahren wie Lebensmittel produziert werden und selber einen Bezug dazu herstellen, da sie lernen, wie "cool" es ist mal selbst eine Kartoffel zu ernten, zu schälen, zu kochen und auf dem Acker zu verspeisen. Bei den Teilnehmern vollzieht sich dabei auch eine Wahrnehmungsänderung: So kommt doch für viele Kinder die Kartoffel geputzt und in Plastik verpackt aus dem Supermarkt, da die Weitergabe praktischen Wissens um Lebensmittel und deren Herstellung wie auch Verarbeitung oft weder zu Hause noch in der Schule stattfindet.

Der Mehrheit der Schülerinnen und Schüler war die Bedeutung des Bodens für ihre Ernährung zwar grundsätzlich bewusst, doch nur sehr wenige brachten Boden in Verbindung mit der Produktion von Futtermitteln, obwohl diese für den größten Flächenverbrauch verantwortlich ist und deshalb die größte Klimarelevanz hat. Das Projekt setzt an diesem Punkt an, indem es die globalen Auswirkungen fleischlastiger Ernährung und des hohen Verschwendungsanteils zum Thema macht und Schüler ermutigt, gemeinsam Handlungsalternativen im Alltag und in der Schule zu erarbeiten.

Das Slow-Food-Schulprojekt "Boden Begreifen" verbindet globales Lernen mit praktischen Erfahrungen im realen Produktionskontext landwirtschaftlicher Betriebe. Am heutigen 1. November geht das Projekt in die nächste Runde mit vielen weiteren teilnehmenden Schülern, um der Generation von morgen den Boden nahe zu bringen und die Grundlage ihres und unser aller Leben zu bewahren.

Jetzt wird auch im virtuellen Raum eine Grundlage für ein bodenständiges Bewusstsein geschaffen, denn seit Neuestem ist nun auch die BODEN BEGREIFEN Webseite Online. Die Internetseite www.boden-begreifen.de informiert über das Slow-Food-Bildungsangebot zum Thema Boden auf dem Acker und in der Schule. Die Webseite liefert Hintergrundinformationen zur weltweiten Gefährdung von Böden im Kontext eines steigenden Flächenbedarfes für die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung. Außerdem werden auch die Lernorte vorgestellt und die Teilnahmebedingungen erläutert.
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