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Samstag, 21. Oktober 2017
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Verschiedenes

 
NABU: Zehn Jahre nach Orkan "Kyrill" – Waldumbau vorantreiben
LaubmischwÀlder trotzen Unwetter besser als Fichten-Monokulturen

Zehn Jahre nach dem Orkan „Kyrill“ sieht der NABU den Waldumbau hin zu naturnĂ€heren und widerstandsfĂ€higeren WĂ€ldern als noch ausbaufĂ€hig an. Nach wie vor ist der Anteil naturferner NadelwĂ€lder hoch. Naturnahe LaubmischwĂ€lder, die derzeit gerade mal auf gut einem Drittel der WaldflĂ€che vorkommen, waren in der Vergangenheit kaum von den großen StĂŒrmen betroffen. Der NABU sieht angesichts der schweren SchĂ€den, die unter anderem „Kyrill“ vor zehn Jahren angerichtet hat, weiterhin großen Bedarf, die Entwicklung von naturnahen WĂ€ldern in Deutschland voranzutreiben.

„Es ist davon auszugehen, dass schwere Unwetterereignisse, wie StĂŒrme und Starkregen, als Folge des Klimawandels weiter zunehmen werden. Wir Menschen können dabei nur von der Natur lernen: Unsere heimischen LaubwĂ€lder haben ĂŒber Jahrhunderte gute Strategien gegen extreme Wetterereignisse entwickelt. Deshalb mĂŒssen wir die Entwicklung widerstandsfĂ€higer WĂ€lder fördern und den Waldumbau hin zu naturnahen WĂ€ldern vorantreiben. Das sollte eine prioritĂ€re Aufgabe der Forstwirtschaft sein“, sagte NABU-PrĂ€sident Olaf Tschimpke.

Viele Waldbesitzer setzen aus ökonomischen GrĂŒnden wieder vermehrt auf die Förderung von Fichte und Kiefer oder pflanzen nicht-heimische Baumarten wie Douglasie und KĂŒstentanne an, weil diese Baumarten schnell wachsen und Nadelhölzer zu gut 80 Prozent den wirtschaftlichen Ertrag der Forst- und Holzindustrie ausmachen. Die zur Flachwurzel neigende Fichte wird im Zuge des Klimawandels mit Trockenheit zu kĂ€mpfen haben, in Kiefer-Monokulturen treten zudem zunehmend Massenvermehrungen von nadelfressenden Insekten auf. Auch der nach Kyrill verstĂ€rkte Anbau von Douglasien ist aus NABU-Sicht kritisch zu sehen, da diese in Deutschland nicht heimisch sind und als Ă€hnlich anfĂ€llig fĂŒr starke Winde gelten wie die Fichte.

„Bei Sturm sind Nadelhölzer besonders gefĂ€hrdet. Sie tragen auch im Winter Nadeln und bieten damit eine große AngriffsflĂ€che fĂŒr den Wind. Gerade Fichten-Monokulturen sind oft so dicht aufgewachsen, dass die BĂ€ume auf die Stabilisierung der NachbarbĂ€ume angewiesen sind. Reißt der Wind ein Loch in solch einen Forst, kommt es zum Dominoeffekt und die BĂ€ume kippen der Reihe nach um. NatĂŒrliche LaubmischwĂ€lder sind deutlich stabiler, weil sie im Winter keine BlĂ€tter haben und im Boden meist gut und tief verwurzelt sind“, so Tschimpke weiter.

Der NABU fordert von Bund und LĂ€ndern klare Anreize fĂŒr den Umbau der Nadelforste in artenreiche heimische LaubmischwĂ€lder zu schaffen und auszubauen. Ziel mĂŒsse es sein, den ökologischen Zustand unserer WĂ€lder deutlich zu verbessern und den Artenschwund im Wald zu stoppen. Politik, Waldbesitzer, Waldbewirtschafter und NaturschĂŒtzer stĂŒnden gemeinsam in der Pflicht, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass der Schutz und die Nutzung des Waldes miteinander in Einklang gebracht und Deutschlands WĂ€lder fit gemacht werden fĂŒr die Herausforderungen des Klimawandels.

„Klimaschutz – und das heißt auch die Verringerung der Risiken fĂŒr die WirtschaftswĂ€lder – muss Hand in Hand gehen mit dem Schutz der biologischen Vielfalt. Deshalb sind auch in den WirtschaftswĂ€ldern weiterhin die heimischen Laubbaumarten wie Rotbuche, Eiche, Birke, Linde und Vogelkirsche zu fördern“, so NABU-Waldexperte Stefan Adler.
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Wintererlebnis am Schauinsland
Forstamt appelliert an das Umweltbewusstsein aller Besucher

Auf den Wegen bleiben, Hunde an die Leine, Abfall mitnehmen

Tief verschneit prÀsentiert sich derzeit Freiburgs Hausberg,
der Schauinsland. Die ergiebigen SchneefÀlle der letzten
Wochenenden haben bis in die Tallagen ausgezeichnete
Bedingungen fĂŒr Wintersport geschaffen. So laden die Loipen,
Winterwanderwege, RodelhÀnge und Skipisten zu
besonderem WintervergnĂŒgen ein.

Viele dieser Abfahrten, Loipen und Wege liegen im
Naturschutzgebiet Schauinsland. Sie wurden so angelegt,
dass ein Miteinander von Naturschutz, Erholung und Sport
möglich ist. „Leider fĂŒhrt die Unkenntnis ĂŒber den
Streckenverlauf und die Lust auf ein Abenteuer abseits der
Massen dazu, dass der Bergwald im Naturschutzgebiet auf
immer neuen, individuellen AbkĂŒrzungen befahren wird. Dies
ist ein großes Problem fĂŒr die Wildtiere, denen keine
RĂŒckzugsbereiche mehr bleiben“, sagt Philipp Schell,
Revierförster am Schauinsland.

Wild lebende Tiere sind im Winter hohen Belastungen
ausgesetzt. Die KĂ€lte zehrt an ihnen, Nahrung ist knapp und
schwer zu erreichen. Werden sie dann noch durch
Wintersportler gestört und zur Flucht gezwungen, verbrauchen
sie dabei viel Energie. Oft können sie diesen Energieverlust
nicht mehr ausgleichen und werden stark geschwÀcht. Im
Extremfall sterben sie den Erschöpfungstod.
Darum appelliert das stÀdtische Forstamt an alle
Besucherinnen und Besucher des Naturschutzgebietes
Schauinsland:

o Seien Sie fair zur Natur! Bleiben Sie bei AusflĂŒgen am
Freiburger Hausberg und im winterlichen Bergwald
unbedingt auf den ausgewiesenen Pisten, Loipen und
Winterwanderwegen. Sie sind so angelegt, dass sie die
Ruhezonen fĂŒr Wildtiere nicht durchqueren.
o Gegen ein gemeinsames Wintererlebnis mit Ihrem
Hund spricht nichts, sie sollten ihn aber unbedingt an
die Leine nehmen.
o Das Erlebnis Winterwald lebt auch von der Stille.
Vermeiden Sie unnötigen LÀrm. Das freut die Wildtiere
und die ĂŒbrigen Besucher.
o Nehmen Sie Ihre EindrĂŒcke mit ins Tal – und Ihren
Abfall.
o Verzichten Sie auf WintersportaktivitÀten in der
DĂ€mmerung oder bei Nacht. Das sind oft die einzigen
annÀhernd störungsfreien Zeiten, die den Wildtieren zur
Nahrungsaufnahme bleiben.

Die Winterwanderkarte zum Schauinsland gibt es bei der
Schauinslandbahn, dem Forstamt in der GĂŒnterstalstraße 71
und der Tourist-Info am Rathausplatz.

Das Forstamt wĂŒnscht viel Spaß im Schnee!
 
 

 
Klage gegen Offshore-Park geht ans Oberverwaltungsgericht MĂŒnster
Windpark Butendiek vertreibt streng geschĂŒtzte Vögel aus Schutzgebiet

Am 11. Januar hat der NABU Berufung gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts Köln im Fall des umstrittenen Offshore Windparks Butendiek westlich von Sylt eingereicht. Die Richter hatten die Klage des NABU auf Sanierung eines Umweltschadens Ende November 2016 abgelehnt. Jetzt entscheidet in nĂ€chster Instanz das Oberverwaltungsgericht MĂŒnster darĂŒber, ob die Klage begrĂŒndet ist und wie der Gebietsverlust im Vogelschutzgebiet „Östliche Deutsche Bucht“ durch den Windpark saniert werden kann. „Leider stĂŒtzt das Urteil das verantwortungslose Taktieren der zustĂ€ndigen Bundesbehörden. Ein Vogelschutzgebiet wird zerstört und alle schauen weg“, kritisiert NABU-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Leif Miller.

Wissenschaftliche Untersuchungen aus dem FrĂŒhjahr 2016 zeigen, dass seltene Stern- und Prachttaucher, aber auch Alken- und Möwenvögel die Windparks mit ĂŒber sechs bis acht Kilometern Abstand viel weitrĂ€umiger meiden als vorhergesagt. Butendiek fĂŒhrt mit weiteren angrenzenden Windparks dazu, dass die Vögel aus dem Schutzgebiet heraus gedrĂ€ngt werden. „Die Ergebnisse sind beunruhigend. Das Bundesamt fĂŒr Seeschifffahrt und Hydrographie hĂ€lt bis heute wichtige Monitoringergebnisse zurĂŒck, was im Rechtsverfahren dazu fĂŒhrte, dass das Bundesamt fĂŒr Naturschutz die Frage des Umweltschadens nicht bewerten konnte“, so Miller. Jetzt hat der NABU einen Antrag nach Umweltinformationsgesetz gestellt, um die Daten selbst auswerten zu können.

Das Kölner Gericht wies die Klage des NABU auf Schadenssanierung ab, da es die Rechtsauffassung vertritt, dass das Umweltschadensgesetz wie hier bei genehmigten Windparks nicht anwendbar sei. Hiermit wĂ€re dessen Anwendungsbereich drastisch eingeschrĂ€nkt. Sollte sich diese Auffassung in Deutschland durchsetzen, wĂŒrde nach NABU-Meinung die EU-Umwelthaftungsrichtlinie ad absurdum gefĂŒhrt. „Das Oberverwaltungsgericht muss diese dringende Frage jetzt klĂ€ren. Das kann Jahre dauern. Diese Zeit haben die Vögel in der Nordsee aber nicht. BSH und BfN mĂŒssen sofort handeln und Maßnahmen zum Schutz der Arten im EU-Vogelschutzgebiet einleiten. Sonst ist es bald zu spĂ€t“, mahnt Kim Detloff, NABU-Meeresschutzexperte.

Im April 2014 hatte der NABU Klage gegen den Offshore Windpark Butendiek westlich von Sylt eingelegt. Der NABU warnte vor Auswirkungen auf streng geschĂŒtzte Seevögel und Schweinswale und stĂŒtzte sich auf ein eigenes Rechtsgutachten, welches grobe VerstĂ¶ĂŸe im Genehmigungsverfahren des BSH offenlegte. „Es folgten drei Verfahren an zwei Verwaltungsgerichten mit zweifelhaften Rechtsauffassungen, langen ZustĂ€ndigkeitsdebatten und wiederholten Verzögerungstaktiken der Behörden. Jetzt stellen wir fest, dass streng geschĂŒtzte Arten aus weiten Teilen des EU-Vogelschutzgebietes vertrieben werden. Ein klarer Verstoß gegen EU-Recht“, so Detloff.
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NABU: Viele Menschen, wenig Vögel
Erlenzeisig / Foto: Frank Hecker
 
NABU: Viele Menschen, wenig Vögel
Zwischenergebnisse zur Stunde der Wintervögel aus ĂŒber 56.000 GĂ€rten

Die siebte bundesweite „Stunde der Wintervögel“ steuert auf einen neuen Teilnahmerekord zu: Bis zum heutigen Dienstag sind deutschlandweit bereits Meldungen von mehr als 87.000 Vogelfreundinnen und Vogelfreunden aus ĂŒber 56.000 GĂ€rten beim NABU und seinem bayerischen Partner LBV eingegangen. Noch bis zum 16. Januar können ZĂ€hlergebnisse nachgemeldet werden, und auch die Eingabe der postalisch eingegangenen Meldungen steht noch aus. Daher erwartet der NABU den Vorjahresrekord von 93.000 Teilnehmern deutlich zu ĂŒbertreffen.

Weniger erfreulich sind die ZĂ€hlergebnisse. Wie schon im Vorfeld befĂŒrchtet, fehlt ein Teil der sonst in den GĂ€rten zu beobachtenden Wintervögel: Statt der knapp 42 Vogelindividuen pro Garten im langjĂ€hrigen Mittel wurden in diesem Jahr nur 34 Vögel pro Garten gemeldet – ein RĂŒckgang von knapp 20 Prozent. „Noch vor einem Jahr entsprachen die Zahlen den ĂŒblichen Werten. Damit bestĂ€tigen sich durch die systematische Bestandserfassung im Rahmen der Aktion die zahlreichen Meldungen von besorgten BĂŒrgern, die in den vergangenen Monaten von gĂ€hnender Leere an den FutterhĂ€uschen berichteten“, sagt NABU-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Leif Miller.

Ein genauer Blick auf die vorlĂ€ufigen Ergebnisse macht den Experten des NABU jedoch Mut: „Die extrem niedrigen Beobachtungsraten beschrĂ€nken sich auf solche Vogelarten, deren WinterbestĂ€nde hierzulande sehr stark vom Zuzug von Artgenossen aus dem kĂ€lteren Norden und Osten abhĂ€ngen“, sagt Miller.

Besonders deutlich wird dies bei allen sechs heimischen Meisenarten: Die hĂ€ufigen Kohl- und Blaumeisen sind in diesem Winter um ein Drittel weniger, die selteneren Tannen-, Hauben-, Sumpf- und Weidenmeisen jeweils nur etwa halb so oft gesehen worden wie im Vorjahr. Auch die HĂ€lfte der Kleiber und Schwanzmeisen fehlt. Die WinterbestĂ€nde der Finkenarten Kernbeißer (Minus 61 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) und Erlenzeisig (Minus 74 Prozent) sind dagegen lediglich – nach ihren HöhenflĂŒgen im vergangenen Winter – auf Normalmaß geschrumpft. „Andererseits haben wir ungewöhnlich hohe Zahlen von Arten, deren BestĂ€nde immer nur teilweise von uns nach SĂŒden abwandern“, stellt Miller fest. Zu diesen Arten gehört vor allem der Star, außerdem Amsel, Ringeltaube, Heckenbraunelle und Singdrossel. Diese Arten sind jedoch generell im Winter in kleineren Zahlen bei uns vertreten, so dass sie das Fehlen der hĂ€ufigen Wintervögel nicht ausgleichen können.

„Der Vergleich mit Daten aus der Beobachtung des Vogelzugs im vergangenen Herbst legt nahe, dass eine besonders geringe Wanderneigung vieler Vögel die auffallend niedrigen Vogelzahlen dieses Winters plausibel erklĂ€ren“, so Miller. Dazu passe auch, dass die RĂŒckgĂ€nge bei Meisen und Co. im Norden und Osten Deutschlands am geringsten ausfallen, Richtung SĂŒdwesten aber immer grĂ¶ĂŸer werden. „Vermutlich aufgrund des bis zum Beginn des ZĂ€hlwochenendes extrem milden Winters haben manche Wintervögel in diesem Jahr wohl auf halber Zugstrecke Halt gemacht.“

Nicht ausgeschlossen werden kann jedoch, dass auch ein schlechter Bruterfolg bei Meisen und anderen Waldvögeln im vergangenen FrĂŒhjahr zur niedrigen Zahl an Wintervögeln in den GĂ€rten beigetragen hat. Dies kann wiederum anhand der Ergebnisse der nĂ€chsten großen VogelzĂ€hlung ĂŒberprĂŒft werden, wenn im Mai wieder tausende Vogelfreunde im Rahmen der „Stunde der Gartenvögel“ die BrutzeitbestĂ€nde der heimischen Gartenvögel erfassen.

Eine Endauswertung der Ergebnisse zur „Stunde der Wintervögel“ ist fĂŒr Ende Januar geplant.
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ÖKO-TEST Feldsalat
GefĂ€hrliches GrĂŒn

In der aktuellen Januar-Ausgabe wollte ÖKO-TEST wissen, wie stark Feldsalat mit Pestiziden und anderen Schadstoffen belastet ist. Die Labore fanden in einigen Proben verschiedene Spritzgifte, teilweise waren besonders gefĂ€hrliche Stoffe darunter. Bei manchen Salaten wurden zudem erhöhte Nitratwerte und bedenkliche Chlorverbindungen analysiert.

Das Verbrauchermagazin hat je drei Feldsalat-Proben von elf LebensmittelgeschĂ€ften ins Labor geschickt. Ziel war es nicht nur, einzelne Salate zu testen, sondern auch zu prĂŒfen, mit welcher durchschnittlichen QualitĂ€t Kunden in den einzelnen SupermĂ€rkten, Discountern und Bio-LĂ€den rechnen können. Die Gesamtnote „sehr gut“ kann ÖKO-TEST nur ein einziges Mal attestieren: fĂŒr die Proben eines Bio-HĂ€ndlers.

Ausnahmslos alle konventionellen Handelsketten haben aber Probleme mit besonders gefĂ€hrlichen Pestiziden wie etwa dem PilzbekĂ€mpfungsmittel Iprodion, das als wahrscheinlich krebserregend fĂŒr den Menschen eingestuft ist. Leider ist auch Bio nicht ganz ohne: Vier von sechs Bio-Feldsalaten enthalten das bienengiftige InsektenbekĂ€mpfungsmittel Spinosad.

Weitere Kritikpunkte bei den Feldsalaten sind unter anderem die zu hohen Nitratwerte und Perchlorat. Letzteres hemmt die Aufnahme von Jod in die SchilddrĂŒse. Nitrat ist zwar relativ unbedenklich, kann im Körper aber zu Nitrit umgebaut werden, was die Bildung krebserregender Nitrosamine begĂŒnstigt.

Das ÖKO-TEST-Magazin Januar 2017 gibt es seit dem 29. Dezember 2016 im Zeitschriftenhandel.
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ÖKO-TEST Bio-Hundenassfutter
Zum Heulen

ÖKO-TEST hat in der aktuellen Januar-Ausgabe 15 Bio-Hundenassfutter untersucht, darunter auch zwei vegetarische und drei vegane. Das Ergebnis ist nicht gerade tierlieb: Denn die Hersteller haben ein Problem mit der richtigen Dosierung von Vitaminen, Calcium, Phosphor und anderen NĂ€hrstoffen. Wenigstens sind Schadstoffe nur in Spuren oder gar nicht zu finden.

Wer seinen Hund mit Bio-Futter versorgt, muss mit Kosten von fĂŒnf Euro pro Tag rechnen. Im Gegensatz zu konventionellen Produkten steckt dann aber etwa keine Gentechnik im Futter, das Fleisch stammt nicht aus Massentierhaltung und beim Transport dĂŒrfen die Tiere nicht mit StromstĂ¶ĂŸen angetrieben werden. Ansonsten kommen hĂ€ufig die gleichen Zutaten zum Einsatz wie in konventionellem Futter, aber eben in Bio-QualitĂ€t. ÖKO-TEST wollte wissen, ob sich die Mehrausgaben fĂŒr das Nassfutter aus Bio-Haltung rentieren.

Das Laborergebnis ist jedoch enttĂ€uschend. Zehn Produkte sind „ausreichend“ oder schlechter. Alle im Test sind als Alleinfutter ausgelobt, die meisten erfĂŒllen aber nicht die Kriterien dafĂŒr: So konnte das Labor in elf Marken kein Vitamin D und in drei kein Vitamin B1 nachweisen. Vitamin-B1-Mangel fĂŒhrt zu Fressunlust und KrĂ€mpfen. Vitamin D fördert die Calciumabsorption im Darm sowie den Einbau von Calcium in das Skelett. Bei vier Marken ist zu wenig Vitamin A enthalten, was langfristig zu einem verminderten Sehvermögen und zu Haut- und Schleimhautproblemen fĂŒhren kann. Auch scheint die optimale Calcium- und Phosphorversorgung den Futtermittelherstellern Probleme zu bereiten. Das kann langfristig gesehen einen Calciumabbau aus den Knochen zur Folge haben. ÖKO-TEST rĂ€t daher Hundehaltern, sich nicht ĂŒber lange Zeit auf ein Futter zu verlassen, sondern immer wieder die Marke zu wechseln.

Das ÖKO-TEST-Magazin Januar 2017 gibt es seit dem 29. Dezember 2016 im Zeitschriftenhandel.
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Fleischkonsum
Slow Food kritisiert Ministerforderung nach mehr Schweinefleisch in der Kita- und Schulverpflegung

Bereits im FrĂŒhjahr 2016 hatte Schmidt angemahnt, die ErnĂ€hrung in Schulen und Kitas nicht allein nach religiösen Kriterien wie "halal" oder "koscher", also den islamischen bzw. den jĂŒdischen Speisegesetzen gemĂ€ĂŸ, auszurichten und kritisierte, dass in der Gemeinschaftsverpflegung von Kindern und Jugendlichen zu wenig Schweinefleisch angeboten werde. Am Jahresende hat er seiner Forderung in einem Interview mit der Bild-Zeitung erneut Nachdruck verliehen.

Er erklĂ€rte, es sei "völlig inakzeptabel", dass unsere Kinder in den Kantinen von Schulen und KindergĂ€rten kein Schweinefleisch mehr bekĂ€men. Auch wenn fĂŒr muslimische Menschen Schweinefleisch tabu wĂ€re, dĂŒrfe dies nicht dazu fĂŒhren, bei der Verpflegung in pĂ€dagogischen Einrichtungen aus Bequemlichkeits- oder KostengrĂŒnden dieses Lebensmittel ganz vom Speiseplan zu streichen. Schmidt fordert die Kantinen-Betreiber auf, regelmĂ€ĂŸig Gerichte mit Schweinefleisch anzubieten, denn: "Fleisch gehört auf den Speiseplan einer gesunden und ausgewogenen ErnĂ€hrung, auch in der Kita- und Schulverpflegung. Jedes Kind sollte die Auswahl haben, ob es Rind-, Schweinefleisch, Fisch oder eben vegetarisch essen möchte."

Dr. Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland, kritisiert an den Aussagen des Ministers die fehlenden faktischen Grundlagen. Sie sagt: "Weder gibt es solide reprĂ€sentative Befunde dazu, welches Fleisch in welchen Mengen in Kitas und Schulen auf den Teller gebracht wird, noch liegen eindeutige Erkenntnisse dazu vor, dass Schweinefleisch fĂŒr eine ausgewogene, gesunde ErnĂ€hrung erforderlich ist. Die beiden jĂŒngsten vielzitierten Studien aus dem Jahr 2014 zum Essen in der Kita von Bertelsmann und zum Essen in der Schule von BMEL, IN FORM und HAW Hamburg erheben zwar Daten zum Fleischverbrauch in pĂ€dagogischen Einrichtungen, aber nicht differenziert nach Fleischsorten." Sie lieferten keinen Hinweis zu einem zu niedrigen Schweinefleischangebot in den Kita- und SchulkĂŒchen.

Was in diesen Publikationen jedoch kritisch festgestellt werde, sei ein insgesamt zu hoher Fleischverzehr. Von daher wĂ€re es eigentlich zu begrĂŒĂŸen, wenn durch ein Sinken des Schweinefleischangebots der Fleischverbrauch generell reduziert wĂŒrde. Hudson weist darauf hin, dass auch die vorliegenden DGE-QualitĂ€tsstandards zur Verpflegung in Kita und Schule zwar Vorgaben zur Fleischmenge machten, nicht aber zur Schweinefleischmenge. Ebenso lĂ€gen keine wissenschaftlichen Nachweise dazu vor, dass die PrĂ€senz von Kindern und Jugendlichen muslimischen Glaubens zum Verschwinden des Schweinefleischs in pĂ€dagogischen Einrichtungen gefĂŒhrt hat. In Anbetracht dieser Tatsachen sei kritisch zu fragen, ob nicht die Interessen der Produzentenlobby den Minister pauschal zum Schweinefleischverzehr aufrufen lassen.

Slow Food Deutschland setzt sich ein fĂŒr ein gutes, sauberes und faires Essen in Kita und Schule sowie fĂŒr die kulinarisch-kulturelle Vielfalt (siehe Positionspapier vom 1.9.2015 von Dr. Lotte Rose, Professorin fĂŒr PĂ€dagogik der Kinder- und Jugendarbeit und Mitglied der Kinderkommission von Slow Food Deutschland Positionspapier herunterladen). Im Sinne der Slow-Food-Philosophie sind an der Forderung des Ministers nach mehr Schweinefleisch und der Warnung vor ErnĂ€hrungsformen anderer Kulturen und Religion drei Dinge zu kritisieren.

1. Wichtig ist die QualitÀt des Schweinefleisches, nicht die Menge

Slow Food wehrt sich gegen die Idealisierung von Schweinefleisch als unerlĂ€sslichem Lebensmittel. Dr. Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland, erlĂ€utert: "Das ganze System zur Gemeinschaftsverpflegung und ihre QualitĂ€t mĂŒssen kritisch beleuchtet werden. Zu fragen ist, wie jene Schweine aufwachsen, leben, geschlachtet und verwertet werden, die Kinder und Jugendliche nach Meinung des Ministers konsumieren sollen, und wie die Menschen leben, die dieses Fleisch produzieren." Wenn jungen Menschen die Werte einer nachhaltigen und solidarischen (Essens-)Kultur vermittelt werden sollen, sei die pauschale Forderung nach mehr Schweinefleisch völlig absurd. Vielmehr wĂ€re eine differenzierte Auseinandersetzung zur QualitĂ€t und Menge des angebotenen Fleisches konsequent in der Gesellschaft zu fĂŒhren. Schweinefleisch aus industrieller Tierhaltung beispielsweise habe bei Slow Food nichts auf dem Teller zu suchen.

2. Die finanzielle Ausstattung der pĂ€dagogischen StĂ€tten fĂŒr Essen muss verbessert werden

Hudson verwundert auch die SelbstverstĂ€ndlichkeit, mit der vom Minister gefordert wird, jedes Kind sollte "die Auswahl haben, ob es Rind-, Schweinefleisch, Fisch oder eben vegetarisch essen möchte." Die Vision eines breitgefĂ€cherten Speisenangebots in den pĂ€dagogischen Einrichtungen, die es jedem jungen Menschen tagtĂ€glich ermöglichen, nach eigenem Gusto zu essen, sei zweifellos sympathisch. Doch sei die derzeitige VerpflegungsrealitĂ€t heute davon weit entfernt. Sie erlĂ€utert: "In den Schulen sind nachweislich mehr als zwei tĂ€gliche MenĂŒvarianten selten. Viele Kinder in der Grundschule mĂŒssen sich gar mit einem MenĂŒangebot begnĂŒgen. FĂŒr die Kitas sind entsprechende Daten bislang noch gar nicht erhoben." Das habe nichts mit den ErnĂ€hrungsweisen muslimischer Kinder und Jugendlicher zu tun, aber sehr viel mit betriebswirtschaftlichem und logistischem Pragmatismus. Sie fordert: "Wenn man es als Minister ernst meint mit der Vision der reichhaltigen kulinarischen Auswahl fĂŒr junge Menschen in pĂ€dagogischen Einrichtungen, dann muss man auch das nötige Budget dafĂŒr zur VerfĂŒgung stellen."

3. Slow-Food lehnt die Verunglimpfungen muslimischer Speisetabus als GefÀhrdungen der (Essens-)Kultur in Deutschland ab

Slow Food engagiert sich weltweit fĂŒr die kulinarisch-kulturelle Vielfalt. Hudson kritisiert deshalb den diskriminierenden Aspekt der Forderungen Schmidts: "In einer Zeit, in der Migrations- und FlĂŒchtlingspolitik zu brisanten gesellschaftlichen Spannungen fĂŒhren, werden Ängste in Teilen der Bevölkerung ausgenutzt und das Schweinefleisch auf den KĂŒchenzetteln deutscher Kitas und Schulen zum Symbol eines Kulturkampfes zwischen einer sogenannten deutschen Kultur und muslimischen Bevölkerungsgruppen stilisiert." Man könnte hier vermuten, dass eine fremden-, migrations- und flĂŒchtlingsfeindliche Stimmung in der deutschen Gesellschaft eher akzeptiert und gefördert werden solle, als diese durch AufklĂ€rung zu ĂŒberwinden.
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Unnötige Debatte - fĂŒr Wölfe kann es derzeit keine Abschussquote geben
NABU zur Forderung von Agrarminister Schmidt nach "beschrĂ€nkter Abschussfreigabe" fĂŒr Wölfe

Der NABU hĂ€lt die in den vergangenen Wochen von Politikern der CDU/CSU und verschiedenen InteressenverbĂ€nden der Nutztierhalter und JĂ€ger gefĂŒhrte öffentliche Debatte zur Aufweichung des Schutzstatus' von Wölfen fĂŒr unnötig und fordert von der Politik ein klares Bekenntnis zum Schutz des Wolfes. Dazu NABU-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Leif Miller:

„Der Wolf ist nach nationalem und internationalem Recht streng geschĂŒtzt. In Deutschland kann es fĂŒr ihn derzeit ĂŒberhaupt keine Abschussquote geben, das weiß auch Minister Schmidt. Aber glĂŒcklicherweise ist er auch gar nicht zustĂ€ndig fĂŒr den Wolf.“

Die von ihm angestoßene Debatte gehe in die falsche Richtung, so Miller. „Die Frage ist nicht ob, sondern wie wir mit dem Wolf leben können. Der Wolf gehört zu Deutschland und er hat hierzulande noch lange keinen stabilen Bestand erreicht. Wir fordern von der Politik, und auch von dem fĂŒr die Jagd und die Nutztierhaltung zustĂ€ndigen Minister Schmidt, sich klar zum Schutz des Wolfes zu bekennen. Der NABU lehnt eine Herabstufung des Schutzstatus‘ sowie eine Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht strikt ab.“

Obwohl die Zuwachsraten der Wolfspopulation in Deutschland von manchem derzeit als hoch empfunden wĂŒrden, seien die Wachstumsraten aus biologischer Sicht vollkommen normal. Auch ohne Eingriffe wĂŒrden sie wieder abflachen. Mit derzeit 46 Rudeln sei der Wolfsbestand in Deutschland keinesfalls ausreichend stabil.

Mit Blick auf die vielfach diskutieren Übergriffe von Wölfen auf Nutztiere sieht der NABU in möglichen AbschĂŒssen keine Lösung. NABU-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Leif Miller: „Bei Übergriffen stellen wir fest, dass es fast immer zu Fehlern beim Schutz der Herden kam. Es wĂ€re falsch, den Landwirten jetzt vorzugaukeln, mit dem Abschuss eines einzelnen Wolfes sei ihnen geholfen. Der Rest des Rudels wird dadurch keine Angst vor Weidetieren bekommen. Die Tötung eines Wolfes ist ein völlig ungeeignetes Mittel zum Schutz von Nutztieren.“ Stattdessen sei es wichtig, die Tierhalter stĂ€rker beim Schutz ihrer Herden, beispielsweise durch spezielle ZĂ€une und Herdenschutzhunde, zu unterstĂŒtzen und diese Maßnahmen ausreichend zu finanzieren.

„Hier ist auch das Bundeslandwirtschaftsministerium und damit Herr Schmidt in der Verantwortung. Ähnlich wie es das Bundesumweltministerium vor einem Jahr mit der Einrichtung einer zentralen Dokumentations- und Beratungsstelle fĂŒr den Wolf vorgemacht hat, sollte jetzt das Bundeslandwirtschaftsministerium ein Kompetenzzentrum fĂŒr den Herdenschutz aufbauen.“
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