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Samstag, 21. Oktober 2017
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Verschiedenes

 
Klimabilanz fĂŒr das Jahr 2014 & FortfĂŒhrung der Freiburger Klimaschutzstrategie
Neueste Zahlen zum CO2-Ausstoß: Emissionen pro Kopf seit 1992 um 30 Prozent gesunken

Stadt fĂŒhrt zum ersten Mal Erfolgsmonitoring der seit 2014 umgesetzten Klimaschutzmaßnahmen durch und legt eine Gesamtschau aller bis 2020 geplanten Maßnahmen zum Klimaschutz vor

OB Salomon: Der bisherige Erfolg unserer Klimaschutzstrategie beruht auf dem Engagement vieler Akteure. Um das Ziel der KlimaneutralitĂ€t bis 2050 zu erreichen, mĂŒssen wir aber auch massiv vom Land, dem Bund und der EU unterstĂŒtzt werden

BĂŒrgermeisterin Stuchlik: Das integrierte Klimaschutzkonzept von 2007 soll ab Januar 2018 unter Beteiligung von Experten und der BĂŒrgerschaft fortgeschrieben werden

Die Freiburger CO2-Bilanz wurde aktualisiert. Es liegen nun Zahlen fĂŒr die Jahre 2013 und 2014 vor. Wie bereits in den vergangenen Jahren wurde diese Bilanzierung vom Ifeu-Institut aus Heidelberg als unabhĂ€ngigem Gutachter erstellt.

In der aktuellen Klimabilanz von 2014 sind gegenĂŒber dem Basisjahr 1992 die CO2-Emissionen pro Einwohner um 30 Prozent zurĂŒckgegangen. Die CO2-Emissionen sind in diesem Zeitraum von 11,38 Tonnen pro Einwohner auf 7,97 Tonnen pro Einwohner gesunken. Damit setzt sich der seit 1992 kontinuierlich rĂŒcklĂ€ufige Trend fort, so das Fazit des IfeuInstituts.

Im Jahr 2014 wurden in Freiburg insgesamt 1,756 Millionen Tonnen CO2 emittiert. 21,9 Prozent entfallen auf den Verkehr, 19,2 Prozent auf Industrie und der ĂŒberwiegende Teil von 58,9 Prozent auf Haushalte und Gewerbe. Die Zahlen fĂŒr die Gesamtemissionen stagnieren seit 2010, was vor allem daran liegt, dass die Erfolge bei CO2-Einsparungen durch die kontinuierlich steigende Einwohnerzahl und die damit verbundene grĂ¶ĂŸere Nachfrage nach Energie kompensiert werden.

Durch den Einsatz erneuerbarer Energien werden pro Jahr 38.000 Tonnen CO2 vermieden. Weiterhin konnten im Vergleich zur herkömmlichen WÀrmeversorgung durch die FernwÀrmeanlagen und durch die vielen dezentralen Blockheizkraftwerke jÀhrlich 68.000 Tonnen CO2 eingespart werden.

Die CO2-Emissionen des Verkehrs sind in den letzten Jahren auf konstantem Niveau geblieben. Die großen Erfolge im Bereich des Ausbaus umweltfreundlicher VerkehrstrĂ€ger, wie Stadtbahn und Radverkehr, werden durch den Anstieg der Pkw-Zahlen und des Autoverkehrs aufgehoben.

Unter der BerĂŒcksichtigung, dass die Stadt weiter wĂ€chst und immer mehr BĂŒrgerinnen und BĂŒrger hier leben, ist der bisher erreichte RĂŒckgang der CO2-Emissionen in Freiburg ein positives Ergebnis. Dennoch mĂŒssen die BemĂŒhungen im Klimaschutz auf allen Ebenen weiter verstĂ€rkt und intensiviert werden.

UmweltbĂŒrgermeisterin Gerda Stuchlik: „FĂŒr unser mittelfristiges Ziel, bis 2030 die CO2-Emissionen um 50 Prozent zu senken, mĂŒssen wir zusĂ€tzliche Maßnahmen und Projekte anstoßen und umsetzen. Daher wollen wir ab Herbst das Klimaschutzkonzept unter Beteiligung aller relevanten Stakeholder-Gruppen fortschreiben“.

Erfolgsmonitoring
Die im Jahr 2007 erarbeitete Klimaschutzstrategie der Stadt Freiburg ist mittlerweile zehn Jahre alt. Daher war jetzt der richtige Zeitpunkt eine Standortbestimmung durch das Umweltschutzamt gemeinsam mit anderen beteiligten Ämtern sowie den stĂ€dtischen Gesellschaften durchzufĂŒhren. Wo stehen wir bei der Umsetzung des damaligen Maßnahmenplans? Es hat sich gezeigt, dass die geplanten Maßnahmen inzwischen weitgehend umgesetzt worden sind. Zudem wurden von vielen Akteuren noch zahlreiche weitere Maßnahmen aufgegriffen. Über die Jahre 2014 bis 2016 wurden dadurch insgesamt 67 Projekte erfolgreich realisiert.

„Der bisherige Erfolg unserer Freiburger Klimaschutzstrategie beruht auf dem beeindruckenden Engagement vieler Freiburgerinnen und Freiburger, vieler stĂ€dtischer Ämter und Gesellschaften sowie zahlreichen Einrichtungen und Unternehmen. Diese unterschiedlichen Akteure mĂŒssen wir auch kĂŒnftig einbinden, um unser ambitioniertes Ziel einer klimaneutralen Stadt bis 2050 zu erreichen. Dazu mĂŒssen wir aber auch vom Land, dem Bund und der EU massiv unterstĂŒtzt werden“, so OberbĂŒrgermeister Dieter Salomon.

Ein Ă€ußerst relevanter Bereich fĂŒr den Klimaschutz ist der Energieverbrauch in GebĂ€uden. Die 2009 beschlossenen und 2012 ĂŒberarbeiteten Freiburger Effizienzhausstandards fĂŒr neue Wohn- und BĂŒrogebĂ€ude sowie die Energiekonzepte bei neuen BebauungsplĂ€nen sind zentrale Steuerungselemente der Stadtverwaltung. Die Anforderungen liegen deutlich ĂŒber den allgemein gĂŒltigen gesetzlichen Standards. Angesichts der regen BautĂ€tigkeit in Freiburg sind die CO2-Einsparungen daher erheblich.

Bei den stĂ€dtischen GebĂ€uden konnte die Vorgabe - 50 Prozent Reduktion von CO2-Emissionen bis 2030 - bereits heute fast erreicht werden. Durch den Bezug des neuen Rathauses im StĂŒhlinger, das als Netto-Plus Energiehaus gebaut wurde, sind kĂŒnftig weitere Einsparungen zu erwarten. FĂŒr den derzeit in Planung befindlichen Neubau der Staudinger-Gesamtschule soll der Plusenergie-Standard erreicht werden. Bei Neubauten gilt: Die Passivhausbauweise ist grundsĂ€tzlich umzusetzen. FĂŒr Sanierungen in bestehenden GebĂ€uden strebt die Stadt grundsĂ€tzlich Passivhausstandard an. Die stĂ€dtischen GebĂ€ude werden seit 2012 zudem mit 100 Prozent zertifiziertem Ökostrom versorgt. Der Einsatz von Blockheizkraftwerken in stĂ€dtischen GebĂ€uden, zuletzt mit drei bis vier Neuanlagen jĂ€hrlich, trĂ€gt ebenfalls zu Einsparungen bei.

Bei den bestehenden privaten GebĂ€uden hat das Förderprogramm „Energiebewusst Sanieren“ seit 2002 rund 10 Prozent der Freiburger EigentĂŒmerinnen und EigentĂŒmer erreicht. Die Sanierungsquote in Freiburg ist im bundesdeutschen Vergleich deutlich ĂŒberdurchschnittlich.

Die Freiburger Stadtbau (FSB) hat von 2014 bis 2016 insgesamt 681 Wohnungen energetisch saniert sowie 754 neue Wohnungen im Freiburger Effizienzhausstandard gebaut oder umgebaut. Bis 2024 will die FSB insgesamt 29 neue GebÀude mit knapp 3000 Wohnungen errichten.

In den vergangenen drei Jahren investierte die Badenova erheblich in FernwÀrmenetze in Landwasser, Weingarten, im Vauban und im Stadttheater. Damit konnten 18.250 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden.

Das Heizkraftwerk der Uni-Klinik hat seit 2011 die Verfeuerung von Steinkohle eingestellt. Das Heizkraftwerk wird inzwischen zu 20 Prozent mit Industrieholzpellets und zu 80 Prozent mit Erdgas betrieben. Das war der grĂ¶ĂŸte Klimaerfolg der vergangenen Jahre in Freiburg. Rund 45.000 Tonnen CO2 pro Jahr beziehungsweise 2,5 Prozent bezogen auf die Gesamtemissionen der Stadt wurden mit der UmrĂŒstung eingespart.

Gewerbe und Industrie erhielten in den vergangenen Jahren UnterstĂŒtzung durch verschiedene stĂ€dtische Angebote, wie dem erfolgreichen Programm „ECO-fit“, sowie dem Nachfolgeprojekt „Energieeffizienznetzwerk“ oder dem Projekt „Klimamanager fĂŒr Kliniken“.

Ein bundesweit herausragendes Projekt im Bereich Gewerbe und Industrie ist der „Green Industry Park“, in dem seit 2013 das Umweltschutzamt gemeinsam mit der FWTM, der Badenova und dem Fraunhofer ISE sowie den im Industriegebiet Nord ansĂ€ssigen Unternehmen Konzepte fĂŒr ein energie- und ressourceneffizientes Industriegebiet entwickelt hat. Ein weiteres ambitioniertes Projekt wird in den kommenden Jahren der Aufbau eines neuen FernwĂ€rmenetzes zur Nutzung der AbwĂ€rme der Rhodia sein, die bisher weitgehend ungenutzt verloren ging. Damit soll kĂŒnftig unter anderem das neue SC-Stadion sowie die Messe versorgt werden. Seit Juli gibt es zudem eine stĂ€dtische Klimaschutzmanagerin fĂŒr die Umsetzung weiterer Maßnahmen und Ausweitung des Projekts auf andere Gewerbegebiete - beginnend mit dem Gewerbegebiet Haid.

Im Bereich erneuerbare Energien/Solarstrom wird die stĂ€dtische PV-Kampagne, die in diesem Jahr fĂŒr Besitzerinnen und Besitzer von WohngebĂ€uden gestartet ist, ab Herbst auch auf die Industrie und das Gewerbe ausgeweitet. Außerdem wird mit diversen Veranstaltungen eine zweite Offensive bei Hausbesitzern gestartet. Schließlich soll das Thema „Mieterstrom“ in die PV-Kampagne integriert werden. Auch eine Ausweitung der Kampagne in die angrenzenden Landkreise wird derzeit diskutiert.

Auf dem GelĂ€nde der ehemaligen HausmĂŒlldeponie Eichelbuck werden durch die ASF und die ASF Solar erhebliche Mengen regenerativer Energien gewonnen: Durch die energetische Nutzung von Deponiegas (ab 1991), den Bau einer Aufbereitungsanlage fĂŒr Speisereste und LebensmittelabfĂ€lle (2007) sowie die Inbetriebnahme von Freiburgs grĂ¶ĂŸter Photovoltaikanlage mit 2,6 Megawatt Leistung (2011).

Im Rahmen der Teilfortschreibung des FlĂ€chennutzungsplans Windkraft sollen auf fĂŒnf FlĂ€chen Standorte fĂŒr sieben bis elf Windkraftanlagen ausgewiesen werden. Die Stromerzeugung aus Windkraft könnte damit unter optimalen Voraussetzungen von aktuell rund 1 Prozent auf etwa 8,8 Prozent gesteigert werden.

Weitere wichtige Schritte wurden im MobilitĂ€tsbereich umgesetzt: Beispielsweise sei der Ausbau des ÖPNV und hier des Straßenbahnnetzes mit der Fertigstellung des Rotteckrings und der Stadtbahn Messe durch die VAG, der Ausbau des Radwegenetzes mit den Radvorrangrouten, aber auch die Schaffung weiterer Car-Sharing-ParkplĂ€tze oder die AktivitĂ€ten der VAG zu „FREI.MOBIL“ genannt. Den Bereich der E-MobilitĂ€t werden die Verwaltung und die stĂ€dtischen Gesellschaften durch die Beschaffung von Elektrofahrzeugen in großem Umfang unterstĂŒtzen. DafĂŒr investiert die Stadt auch in die eigene Ladeinfrastruktur. Die seit Anfang 2017 vorliegenden Ergebnisse des Modal-Splits belegen, dass diese bisherige Strategie in Bezug auf das Verkehrsverhalten der Freiburger BĂŒrgerinnen und BĂŒrger sehr erfolgreich ist.

Maßnahmen bis 2020
Parallel hat die Stadtverwaltung mit allen betroffenen Ämtern und Tochtergesellschaften einen vorlĂ€ufigen Maßnahmenplan fĂŒr die nĂ€chsten Jahre erstellt. In diesem sind aktuell ĂŒber 90 Projekte aufgelistet. Allerdings zeigt die Analyse der CO2-Bilanz auch, dass weiterhin viel im Klimaschutz investiert werden muss, um die KlimaneutralitĂ€t bis 2050 zu erreichen.

Fortschreibung Klimaschutzkonzept
Freiburg war eine der ersten bundesdeutschen StĂ€dte, die zwei neue Stadtteile, Rieselfeld und Vauban, in Niedrigenergiebauweise errichtete. Dieses damals noch weitgehend unbekannte energieeffiziente Bauen war wegweisend und hat national aber auch international viel zum Ruf Freiburgs als Umwelthauptstadt beigetragen. In diesem Jahr feiern die Freiburger Effizienzhausstandards ihr 25-jĂ€hriges JubilĂ€um. Und mit der aktuellen Entwicklung des neuen Stadtteils Dietenbach ist die einmalige Chance gegeben, die Weichenstellungen fĂŒr eine nachhaltige und klimaneutrale Stadtentwicklung bereits von Beginn an in der Konzeption und Planung vorzunehmen. Doch auf diesen Erfolgen will sich die Stadt Freiburg nicht ausruhen. Daher soll das Klimaschutzkonzept der Stadt Freiburg aus dem Jahr 2007 fortgeschrieben werden. Bei positivem Votum des Gemeinderats soll der Prozess im Januar 2018 starten.

Entscheidende Impulse des politischen Prozesses gingen in Freiburg immer schon vom Bewusstsein und Lebensstil der BĂŒrgerinnen und BĂŒrger sowie von dem Engagement vieler relevanter Akteure aus. Diese auch kĂŒnftig einzubinden und dadurch das in Freiburg besonders ausgeprĂ€gte ökologische Bewusstsein fĂŒr neue Maßnahmen und Impulse zu mobilisieren, gehört zur Fortschreibung der Freiburger Klimaschutzstrategie dazu. HierfĂŒr sind Veranstaltungen zur BĂŒrgerbeteiligung, Workshops sowie eine Online-Plattform vorgesehen, an denen sich die interessierten Freiburgerinnen und Freiburger sowie Experten umfassend beteiligen können.

Am Ende des geplanten einjĂ€hrigen Prozesses soll ein neuer, mittelfristiger Maßnahmenplan stehen, der die jetzt bis zum Jahr 2020 vorgesehen Maßnahmen ergĂ€nzt. Damit wird nach dem Beschluss durch die politischen Gremien fĂŒr die Verwaltung der Stadt Freiburg mit allen ihren Ämtern, aber auch fĂŒr die stĂ€dtischen Tochtergesellschaften eine abgestimmte Planung vorliegen, nach der alle Akteure ihre Finanz- und Ressourcenplanungen ausrichten können. Durch dieses abstimmte Vorgehen wird das Erreichen der ambitionierten Klimaschutzziele realistisch.

OB Salomon: „Klimaschutz ist eine wichtige Aufgabe fĂŒr die heutigen, aber vor allem fĂŒr die nachfolgenden Generationen. Wir wollen hier in Freiburg ein Zeichen fĂŒr den Klimaschutz setzen und damit auch ĂŒberregional ein Vorbild fĂŒr andere Kommunen sein“.


Klimaschutz in Freiburg – ein kurzer RĂŒckblick:
Bereits vor 21 Jahren hat der Gemeinderat ein erstes Klimaschutzkonzept fĂŒr Freiburg mit einem Maßnahmenplan sowie den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Damit war Freiburg bundesweit eine der ersten StĂ€dte, die das noch unbekannte Thema Klimaschutz auf ihrer Agenda hatte. Im Jahr 2007 erstellte das Öko-Institut eine Klimaschutz-Strategie fĂŒr Freiburg und der Gemeinderat fasste den Beschluss, die Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2030 um 40 Prozent gegenĂŒber 1992 zu reduzieren. Dieses Ziel wurde 2014 verschĂ€rft. Der Gemeinderat beschloss die Emissionen bis zum Jahr 2030 zu halbieren und bis 2050 KlimaneutralitĂ€t zu erreichen. Gleichzeitig wurden die Mittel aus der Konzessionsabgabe, die fĂŒr Maßnahmen im Bereich Klimaschutz verwendet werden, von 10 auf 25 Prozent erhöht.
 
 

 
HĂ€ngepartie um Meeresschutz vorerst beendet
UmweltverbĂ€nde: Neue Schutzgebietsverordnungen mĂŒssen schnell mit Leben gefĂŒllt werden

Berlin/Hamburg, 27. September 2017 – Vor mehr als 18 Monaten hatte das Bundesumweltministerium die EntwĂŒrfe fĂŒr insgesamt sechs Naturschutzgebietsverordnungen in der Ausschließlichen Wirtschaftszone der Nord- und Ostsee veröffentlicht. Seitdem streiten die beteiligten Ministerien um den Schutz von Schweinswalen, Seevögeln und seltenen LebensrĂ€umen. Die Ministerien fĂŒr Fischerei, Verkehr, Wirtschaft und Forschung forderten zusĂ€tzliche Ausnahmen fĂŒr Angler oder Wissenschaft. Morgen treten die Verordnungen nach langer HĂ€ngepartie in Kraft. Dazu die UmweltverbĂ€nde NABU, BUND, DNR, DUH, Greenpeace, Schutzstation Wattenmeer, WWF und Whale & Dolphin Conservation:

„Mit den Schutzgebietsverordnungen hat das Bundesumweltministerium einen wichtigen ersten Schritt zum Schutz der Artenvielfalt an unseren KĂŒsten gemacht. Es ist richtig, dabei auch die Freizeitfischerei in die Pflicht zu nehmen und Schutzgebiete teilweise fĂŒr Angler zu sperren. Auch ist es richtig, Vorhaben der wissenschaftlichen Forschung auf ihre NaturvertrĂ€glichkeit zu prĂŒfen. Trotzdem reichen die Verordnungen allein nicht aus. Das nun folgende Schutzgebietsmanagement muss LĂŒcken in den Verordnungen fĂŒllen, um Schweinswale und Seevögel effektiv zu schĂŒtzen. Die neue Bundesregierung muss dieses zĂŒgig angehen. Insbesondere mĂŒssen die Berufsfischerei, der Rohstoffabbau und die Schifffahrt in den Schutzgebieten beschrĂ€nkt und kontrolliert werden.“

Hintergrund

Formal sind rund 45 Prozent der deutschen MeeresflĂ€chen durch das Natura-2000-Netzwerk geschĂŒtzt. Darunter sind die Schutzgebiete nach EU-Vogelschutzrichtlinie und FFH-Richtlinie zusammengefasst. Zehn Jahre nach ihrer Anerkennung durch die EU haben die Natura-2000-Gebiete in der Ausschließlichen Wirtschaftszone den rechtlichen Status von Naturschutzgebieten erhalten. Deutschland hatte bereits 2013 die EU-Frist zur Verankerung von konkreten Maßnahmen zum Schutz der Meere verpasst. Dieses VersĂ€umnis ist Bestandteil eines Vertragsverletzungsverfahrens der EU-Kommission gegen Deutschland.
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NABU: Faszination Vogelzug miterleben
Am 30. September und 1. Oktober zum "EuroBirdwatch" den Blick in den Himmel richten

Berlin – Das „EuroBirdWatch“-Wochenende am 30. September und 1. Oktober gibt den Startschuss fĂŒr zahlreiche Veranstaltungen rund um die Faszination Vogelzug. Jedes Jahr verlassen ĂŒber 200 Millionen Zugvögel ihre Brutgebiete in Deutschland, um in SĂŒdeuropa oder Afrika zu ĂŒberwintern. In langen Ketten ziehen Kranichtrupps ĂŒber das Land, dichte StarenschwĂ€rme sind zu sehen oder auch ein paar seltene GĂ€ste wie Rotfußfalken aus Osteuropa. Hinzu kommen 300 Millionen Zugvögel, die auf ihrem Weg durch Deutschland fliegen oder schon hier ihr Winterquartier erreicht haben.

Im gesamten Zeitraum ab Ende September bis Mitte Oktober bieten NABU-Gruppen Exkursionen und gefĂŒhrte Beobachtungen an, um den Vogelzug erlebbar zu machen. Beispielsweise liegt die NABU-Storchenschmiede Linum an einem der spektakulĂ€rsten KranichrastplĂ€tze in Deutschland. JĂ€hrlich finden sich dort ĂŒber hunderttausend von Tieren ein, um auf ihren Weg nach SĂŒdeuropa zu rasten.

Das Flugverhalten ziehender Vögel ist nicht nur ein faszinierendes Schauspiel am Herbsthimmel, sondern erfĂŒllt einen bestimmten Zweck. „Fast alle Kraniche sparen beim Ziehen in V-Formation ein Drittel ihrer Energie, wĂ€hrend der von anderen Arten bevorzugte Flug in dichten SchwĂ€rmen krĂ€ftezehrend ist, dafĂŒr aber guten Schutz vor Attacken von Greifvögeln bietet“, erklĂ€rt NABU-Vogelschutzexperte Eric Neuling. Um Greifvogelattacken zu entgehen zögen einzeln fliegende Kleinvögel wie GrasmĂŒcken und Nachtigall, aber auch Watvögel, Drosseln oder Stare nachts. Den Tag wĂŒrden sie zum Fressen und Energie tanken nutzen. „Über manchen StĂ€dten hilft ihnen diese Strategie nicht mehr, denn Wanderfalken nutzen dort vermehrt die Lichter der Stadt um Zugvögel nachts zu erbeuten“, so Neuling.

FĂŒr die Beobachtung gibt er folgende Tipps: „Am besten beobachtet man von einem erhöhten oder exponierten Standort. Da Zugvögel ihre Flughöhe nicht verĂ€ndern, nur weil ein HĂŒgel vor ihnen liegt, ist man dort nĂ€her an den Vögeln dran. Dadurch bekommt man sie ĂŒberhaupt erst mit und erkennt sie auch besser. Wenn man sicher bestimmen möchte, welche Art gerade ĂŒber einen fliegt, ist ein Fernglas oder ein Spektiv unentbehrlich.“ Doch viele Arten sieht man auch tagsĂŒber. „Besonders Ringeltauben, Finken, Schwalben, Lerchen oder SaatkrĂ€hen fliegen bei Helligkeit. FĂŒr die Beobachtung von nachts ziehenden Vogelarten bieten RastplĂ€tze der Vögel bessere Beobachtungschancen", so Neuling.

Auch im NABU-Projektgebiet „Untere Havel“, im Wattenmeer, am Bodensee, dem Steinhuder Meer sowie anderen bundesweit großen Seen, FlĂŒssen und Talsperren ballt sich der Vogelzug und lassen sich ziehende wie rastende Enten- und GĂ€nsetrupps bundesweit beobachten – einfach bei der nĂ€chsten NABU-Gruppe in der Heimat nachfragen.
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NABU: Sechs Millionen Tonnen BioabfĂ€lle landen immer noch im RestmĂŒll
Miller: Landkreise setzen Trennungspflicht nur schleppend um; Biotonnen mĂŒssen flĂ€chendeckend eingefĂŒhrt werden

Berlin – Auch 1000 Tage nach EinfĂŒhrung der Pflicht zur Bioabfallsammlung ist die Ausstattung der deutschen Haushalte mit Biotonnen mangelhaft. Das hat eine Recherche des NABU zum morgigen JubilĂ€um der Getrenntsammlungspflicht ergeben. Von 402 StĂ€dten und Landkreisen weigern sich 35 bis heute, die Biotonne einzufĂŒhren – obwohl sie seit dem 1. Januar 2015 laut Kreislaufwirtschaftsgesetz gewĂ€hrleisten mĂŒssen, dass KĂŒchen- und GrĂŒnabfĂ€lle getrennt vom RestmĂŒll entsorgt werden können. In den restlichen StĂ€dten und Landkreisen wird die Biotonne hĂ€ufig nur in bestimmten Stadtteilen oder nur auf Wunsch der BĂŒrger zur VerfĂŒgung gestellt. Die Folge ist, dass bis heute nur jeder zweite BĂŒrger eine braune Tonne fĂŒr BioabfĂ€lle nutzen kann und sechs Millionen Tonnen wertvoller BioabfĂ€lle, aus denen klimafreundlich Gas und Kompost gewonnen werden könnten, jĂ€hrlich im RestmĂŒll statt in der Biotonne landen. Mit der Heizenergie, die man aus dieser Menge Bioabfall gewinnen könnte, wĂ€re laut NABU-Berechnungen eine Stadt mit knapp einer halben Million Einwohnern fĂŒr ein Jahr versorgt.

„Die Verweigerungshaltung und lĂŒckenhafte Ausstattung mit Biotonnen in vielen Kommunen ist ein enorme Ressourcenverschwendung. Die StĂ€dte und Landkreise mĂŒssen endlich umdenken und die Biotonne flĂ€chendeckend einfĂŒhren“, fordert NABU-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Leif Miller. Der Einwand, das getrennte Einsammeln von BiomĂŒll wĂ€re unwirtschaftlich und technisch nicht umsetzbar, sei lĂ€ngst durch Studien beispielsweise des Umweltbundesamtes widerlegt. Vorreiter wie der Landkreis Jerichower Land in Sachsen-Anhalt zeigten zudem seit Jahrzehnten, dass BioabfĂ€lle leicht vom RestmĂŒll getrennt, bĂŒrgerfreundlich und kostengĂŒnstig eingesammelt und hochwertig verwertet werden können.

Derzeit besteht knapp die HĂ€lfte des Inhalts der RestmĂŒlltonnen aus organischen AbfĂ€llen. Andere BioabfĂ€lle landen im Gelben Sack oder in der Kanalisation. Diese AbfĂ€lle könnten erheblich zum Umwelt- und Klimaschutz beitragen, so der NABU. Der aus BioabfĂ€llen gewonnene Kompost ersetzt KunstdĂŒnger und den besonders klimawirksamen Torf. BioabfĂ€lle, die in speziellen Anlagen vergoren werden, liefern in Form von Biogas umweltfreundliche Alternativen fĂŒr fossile EnergietrĂ€ger.

„BioabfĂ€lle mĂŒssen kĂŒnftig hundertprozentig wiederverwertet werden. StĂ€dte und Landkreise mĂŒssen ihre Abfallsatzungen endlich anpassen und die verpflichtende, kostenlose Biotonne einfĂŒhren. BĂŒrgerinnen und BĂŒrger mĂŒssen umfassend zur MĂŒlltrennung aufgeklĂ€rt werden. Und die Landesbehörden dĂŒrfen bei einer schleichenden Umsetzung der Trennungspflicht nicht mehr beide Augen zudrĂŒcken“, sagt NABU-Leiter Ressourcenpolitik Benjamin Bongardt.

NABU informiert Verbraucher ĂŒber MĂŒlltrennung
Was in die Biotonne darf und was nicht, wo man eine Biotonne beantragen kann, wie BioabfĂ€lle umweltfreundlich verwertet werden und wie man KĂŒchenabfĂ€lle hygienisch sammelt, erklĂ€rt der NABU im Internet unter www.NABU.de/biomuell. DarĂŒber hinaus unterstĂŒtzt der NABU die bundesweite Aktion „Biotonne Deutschland“, die in ĂŒber 2.000 REWE-SupermĂ€rkten durch Flyer, Aufsteller und Informationsveranstaltungen Verbraucherinnen und Verbraucher ĂŒber die Biotonne aufklĂ€rt und sie fĂŒr die richtige MĂŒlltrennung von BioabfĂ€llen sensibilisiert.
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Klimaschutzleistung der Forst- und Holzwirtschaft im Stadtwald
Mit Holz aus dem Stadtwald speichert und vermeidet Freiburg jedes Jahr 63.000 Tonnen CO2

Der Stadtwald leistet einen wichtigen Beitrag zur Klimaschutzpolitik der Stadt Freiburg. Das machte UmweltbĂŒrgermeisterin Gerda Stuchlik heute bei einem Pressetermin im Vorfeld der Vorstellung der Freiburger Klimabilanz deutlich: „Der Stadtwald sowie die Holznutzung und die Verwendung von Holzprodukten binden, speichern und vermeiden jĂ€hrlich rund 62.600 Tonnen Kohlendioxid.“

Das sind 3,6 Prozent des stĂ€dtischen CO2-Ausstoßes. Diese Zahl ergibt sich (a) aus der Summe der Speicherung von Kohlenstoff im Wald und in langlebigen Holzprodukten, (b) durch die Vermeidung von Emissionen durch die energetische und stoffliche Verwendung von Holz. Knapp drei Viertel (71 Prozent) der Klimaschutzwirkung stammen aus der Holzverwendung – durch die Energie- und Materialsubstitution, und weil der Holzproduktespeicher CO2 bindet (ErlĂ€uterung der Fachbegriffe im folgenden Glossar).

Dieses Potenzial zur CO2-Vermeidung und Speicherung wird durch die Stadtwaldbewirtschaftung aktiv erhalten und verbessert, wie Forstamtsleiterin Nicole Schmalfuß beim Pressetermin betonte. Dazu gehören: die Holznutzung in Höhe des Zuwachses beibehalten, KalamitĂ€tsflĂ€chen aktiv bepflanzen, Nadelholzanteile erhalten und qualitativ gutes Holz fĂŒr eine langfristige stoffliche Verwendung waldbaulich pflegen.

Da die Klimaschutzleistung eines Stadtwalds zum grĂ¶ĂŸten Teil auf dem Produktspeicher und der Substitutionswirkung der Holzverwendung beruht, plĂ€diert BĂŒrgermeisterin Stuchlik dafĂŒr, den Einsatz von Holz stĂ€rker als bisher zu fordern und zu fördern – gerade bei Konstruktionen, Fassaden und im Innenausbau.

CO2-Bindung und CO2-Minderung durch die Bewirtschaftung des Stadtwaldes
Von 2014 bis 2016 lief auf Beschluss des Bundestages ein Projekt mit dem Titel „Bewertung der Klimaschutzleistung der Forst- und Holzwirtschaft auf lokaler Ebene“ – kurz BEKLIFUH. Projektpartner waren die UniversitĂ€t Hamburg, die Beratungsfirma Knauf Consulting, der Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen und der Deutsche StĂ€dte- und Gemeindebund. Gefördert mit Mitteln aus dem Waldklimafonds, sollte es die Kohlenstoff-Speicherung im Wald und die Effekte der Holzverwendung bewerten. Zu diesem Zweck wurde ein Werkzeug entwickelt, mit dessen Hilfe die Klimaschutzleistung einzelner Forstbetriebe und ihrer Holzprodukte fĂŒr verschiedene Szenarien berechnet werden kann.

Der Stadtwald Freiburg diente bei der Entwicklung und Optimierung des BEKLIFUH-Tools als einer von fĂŒnf Modellbetrieben. Die Ergebnisse berĂŒcksichtigen detailliert die lokalen Besonderheiten des Stadtwaldes: FĂŒr den Betrachtungszeitraum bis 2100 leisten der Stadtwald und seine Holzprodukte jedes Jahr eine Bindung und Einsparung von 54.500 Tonnen CO2. Dabei entfallen im Stadtwald nur 14 Prozent auf den Waldspeicher (v.a. StilllegungsflĂ€chen, Totholz). Mit 86 Prozent der Hauptteil der Klimaschutzwirkung wird durch die Verwendung des im Stadtwald gewachsenen und geernteten Holzes erzielt (CO2-Bindung im Holzproduktespeicher und Substitutionseffekte). Bei einem kĂŒrzeren Betrachtungszeitraum bis zum Jahr 2050 vergrĂ¶ĂŸert sich die CO2-Minderungsleistung auf 62.600 Tonnen pro Jahr bzw. 2,06 Millionen Tonnen in 33 Jahren.

Klimaschutzleistung des Stadtwaldes und seiner Holzprodukte durch naturnahe Bewirtschaftung mit nachhaltiger Holznutzung

Mit 56 Prozent haben die Holzprodukte aus dem Laubholz des Stadtwaldes den grĂ¶ĂŸten Anteil an der CO2-Bindung; ihr Beitrag zur Klimaschutzleistung liegt damit allerdings deutlich unter ihrem aktuellen FlĂ€chenanteil von 67 Prozent.

Das Nadelholz nimmt heute 32 Prozent der StadtwaldflĂ€che ein, seine Holzverwendung trĂ€gt aber 44 Prozent zum Klimaschutz bei. Herausragend ist dabei die Leistung der Douglasie: Mit einem FlĂ€chenanteil von 13 Prozent tragen ihre Holzprodukte ein Viertel zur Gesamtklimaschutzleistung von Stadtwaldholz bei. Diese enorme Klimaschutzwirkung erzielt die Douglasie dank ihrer guten Zuwachsleistung, wodurch sie viel CO2 bindet, und dank des großen Anteils stofflicher, hochwertiger und damit langfristiger Verwendung aufgrund ihres hohen Stamm- und Wertholzanteils.

Beitrag des Stadtwaldes zur Klimabilanz der Stadt Freiburg
Die Stadt Freiburg hatte sich bereits vor sechs Jahren das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2050 die KlimaneutralitĂ€t zu erreichen (Drucksache G-11/265) und dies im Dezember 2016 mit der ergĂ€nzenden ErklĂ€rung zum Klimaschutzpakt der Bunderegierung bekrĂ€ftigt. Bis Ende 2018 werden die Maßnahmen aktualisiert und ergĂ€nzt und das gesamtstĂ€dtische Klimaschutzkonzept fortgeschrieben (G-17/157).

Im Jahr 2014 betrug Freiburgs CO2-Bilanz insgesamt 1,75 Millionen Tonnen CO2, das waren 7,92 Tonnen pro Einwohner, ohne BerĂŒcksichtigung von Wald und Holz.

MĂŒsste Freiburg die jĂ€hrlichen Klimaschutzleistungen des Stadtwaldes und seiner Holzprodukte durch technische Maßnahmen (GebĂ€udesanierung, Umstellung auf erneuerbare Energien) erbringen, entstĂŒnden dadurch Alternativkosten in Höhe von 270 Euro je Tonne CO2Äq. Dies hatte eine Studie des Öko-Instituts „Auf dem Weg zur KlimaneutralitĂ€t“ 2011 berechnet.

Glossar
Waldspeicher: Wald nimmt CO2 aus der AtmosphĂ€re auf und baut den Kohlenstoff (C) vor allem ins Holz ein. Je mehr Holz im Wald steht, umso grĂ¶ĂŸer ist die Menge an gespeichertem Kohlenstoff. Der Waldspeicher wirkt bis zum Erreichen eines maximalen Holzvorrats CO2-mindernd. Danach verrottet so viel Holz wie zuwĂ€chst, und ohne menschliche Nutzung oder natĂŒrliche Störung (Sturm, Insekten, Feuer) bleibt die Gesamtmenge an gebundenem Kohlenstoff im Wald weitgehend stabil.

Holzproduktespeicher: Wenn wir Holz aus dem Wald entnehmen, verringern wir zwar den Kohlenstoffvorrat im Waldspeicher. Weil der Kohlenstoff aber im geernteten Holz gebunden bleibt, wird dennoch kein CO2 in die AtmosphĂ€re frei gesetzt. Ist also ein Holz-Produkt langlebiger als die natĂŒrliche Verrottung des Holzes im Wald, steigt die Speicherleistung sogar. Langfristig (und sehr effektiv) geschieht dies etwa im konstruktiven Holzbau und im Innenausbau.

Stoffliche Substitution: Holzprodukte benötigen zur Herstellung meist weniger Energie (vor allem weniger fossile Energie) als andere Materialien wie Beton oder Stahl. Damit ist eine geringere CO2-Emission bei der Produktion und Entsorgung verbunden.

Energetische Substitution: Wenn wir Holz (Resthölzer aus der Holzbe- und -verarbeitung, Holzprodukte nach deren Gebrauch) verbrennen, wird (analog zur natĂŒrlichen Verrottung) die ursprĂŒnglich gespeicherte Kohlenstoffmenge wieder freigesetzt. Die gewonnene Energie wird also CO2-neutral erzeugt und kann fossile Brennstoffe ersetzen. Dadurch werden CO2-Emissionen vermieden.
 
 

 
NABU-Statement zur Bundestagswahl
Tschimpke: KĂŒnftige Regierungsparteien mĂŒssen Landwirtschaft und Klimaschutz zu zentralen Punkten machen

Berlin – Mit Blick auf das Ergebnis der Bundestagswahl kommentiert NABU-PrĂ€sident Olaf Tschimpke:

„Der NABU fordert einen Kurswechsel in der Landwirtschaftspolitik mit einer echten Agrarreform in Deutschland und Europa sowie der Einrichtung eines EU-Naturschutzfonds. Die Folgen des hohen Pestizideinsatzes und der Massentierhaltung sind bereits im massiven Artenverlust und mit GĂŒlle verseuchtem Trinkwasser sichtbar. Oberstes Ziel muss es sein, das System pauschaler Direktzahlungen in Europa zu beenden. Der NABU wird sich auch kĂŒnftig als starke Stimme der Zivilgesellschaft fĂŒr die Agrarwende und eine naturvertrĂ€gliche Energiewende engagieren.

Die neue Regierung wird sich nicht, wie die bisherige, davor drĂŒcken können, bei den Themen Landwirtschaft und Klimaschutz Verantwortung zu ĂŒbernehmen. Wir brauchen einen Kohleausstieg bis spĂ€testens 2035 und ein Klimaschutzgesetz, das die international vereinbarten Klimaziele konsequent in Deutschland vorantreibt. Der naturvertrĂ€gliche Ausbau erneuerbarer Energien und eine deutliche Emissionsreduktion im Verkehrsbereich dulden keinen weiteren Aufschub und mĂŒssen zentrale Pfeiler der nĂ€chsten Legislatur werden. Wenn eine Partei wie die AfD, die den Klimawandel leugnet, kĂŒnftig im Bundestag vertreten sein wird, ist es umso wichtiger, dass von der großen Mehrheit der anderen Parteien im deutschen Bundestag eine deutliche Botschaft ausgeht.“
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NABU: Der Storchensommer ist ins Wasser gefallen
2017 keine gute Brutsaison fĂŒr Deutschlands Weißstörche

Berlin – Das Jahr 2017 war keine gute Brutsaison fĂŒr Deutschlands Weißstörche. Die heftigen RegenfĂ€lle im Sommer haben in vielen Regionen ihre Spuren hinterlassen. Dauerregen und KĂ€lte durchnĂ€ssten die Jungen, so dass viele an UnterkĂŒhlung zu Grunde gingen. Insgesamt ging weniger Nachwuchs als in den Vorjahren auf die erste Reise in die afrikanischen Winterquartiere.
Auch wenn noch nicht alle Zahlen der vielen ehrenamtlich tĂ€tigen Weißstorchbetreuer im NABU zusammen getragen sind, dĂŒrften 2017 mindestens wieder 6.300 Storchenpaare in Deutschland gebrĂŒtet haben. Damit ist die Zahl der Brutpaare insgesamt stabil geblieben.

Aber es gibt auch hier deutliche regionale Unterschiede: WĂ€hrend in den westlichen BundeslĂ€ndern die Zahl der Brutpaare um etwa zehn Prozent anstieg, blieb der Bestand in Ostdeutschland allenfalls stabil, war aber meist rĂŒcklĂ€ufig. Die nach Westen ziehenden Weißstörche in Westdeutschland sind derzeit im Vorteil, weil sie einen kĂŒrzeren Zugweg haben als die Ostzieher und auf MĂŒlldeponien und Reisfeldern in Spanien viel Futter finden können. Große Sorgen indessen bereitet dem NABU die Situation in Mecklenburg-Vorpommern, wo der Weißstorchbestand seit mehr als zehn Jahren im RĂŒckgang begriffen ist.

„Viele Menschen mag es verwundern, dass der Feuchtwiesenliebhaber Weißstorch an einem Zuviel an Wasser leiden könnte“, erlĂ€utert der Sprecher der NABU-Bundesarbeitsgruppe Weißstorchschutz, Christoph Kaatz. „Doch sind gerade Dauerregen und KĂ€lte fĂŒr drei bis vier Wochen alte KĂŒken besonders gefĂ€hrlich.“ In diesem Alter können sie nicht mehr von den Eltern gehudert werden, sie haben aber auch noch kein richtiges Federkleid, das sie vor NĂ€sse schĂŒtzen könnte.“

Sorge bereitet den StorchenschĂŒtzern im NABU vor allem die HĂ€ufigkeit und Heftigkeit derartiger Wetterereignisse. „Der Weißstorch hat es in Deutschland ohnehin nicht leicht. Er findet hĂ€ufig nur noch hochgewachsene AckerflĂ€chen vor, statt Wiesen und Weiden auf denen er sein Futter finden kann“, so Kaatz. ZusĂ€tzlich werde nun der Bruterfolg von Adebar durch Unwetterereignisse reduziert. Und Klimaexperten sagen voraus, dass solche Wetterextreme in Zukunft regelmĂ€ĂŸig auftreten können. „Wie sich das auf die weitere Entwicklung des Weißstorchbestandes in Deutschland auswirkt, kann noch niemand voraussagen“, so das Fazit des Storchenexperten.
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NABU: Weichen in der Agrarpolitik neu stellen
Tschimpke: Kurswechsel bei Landwirtschaft und ErnÀhrung muss in das Programm der neuen Regierung

Berlin – Mit Blick auf die Bundestagswahl fordert der NABU einen Kurswechsel bei den Themen Landwirtschaft und ErnĂ€hrung. Die Parteien und die kĂŒnftige Bundesregierung mĂŒssen die Weichen in der Agrarpolitik neu stellen, wenn sie die Themen Umwelt- und Verbraucherschutz ernst nehmen. „Die Zukunftsthemen ErnĂ€hrung, Landwirtschaft und Naturschutz wurden im Wahlkampf weitgehend außer Acht gelassen. Dabei unterscheiden sich die Parteiprogramme in diesem Bereich doch so erheblich, das man von einer Richtungsentscheidung am 24. September sprechen muss“, sagt NABU-PrĂ€sident Olaf Tschimpke.

Eine Kurz-Analyse des Punktes Agrarpolitik zeigt: SPD, GrĂŒne und Linke fordern in ihren Bundestagswahl-Programmen den Ausstieg aus den pauschalen Subventionen der EU-Agrarpolitik bis zum Ende der nĂ€chsten Förderperiode, wĂ€hrend die Union am bisherigen System „Gießkanne“ der pauschalen FlĂ€chenprĂ€mien festhalten will. Allerdings bleibt offen, was bei der SPD an die Stelle dieser Gießkanne treten soll. Die GrĂŒnen hingegen wollen einen Umbau hin zur Biolandwirtschaft und die Linken fordern eine Koppelung unter anderem an sozialpflichtig versicherte Arbeitnehmer. Die FDP Ă€ußert sich kaum zur EU-Agrarpolitik, sie will den Betrieben weitestgehende unternehmerische Freiheiten aber dennoch staatliche Subventionierung gewĂ€hren, was nicht nur aus Umwelt-, sondern auch aus finanzpolitischer Sicht fragwĂŒrdig ist.

„Die neue Bundesregierung wird sich nicht, wie die bisherige, vor wichtigen Weichenstellungen in der Agrarpolitik und ihrer europĂ€ischen Verantwortung drĂŒcken können. Die Folgen von Artenschwund und Klimawandel sind bedrohlich – und zwar fĂŒr StĂ€dter und Landbevölkerung, EuropĂ€er und Menschen weltweit“, so Tschimpke. Zudem habe die gegenwĂ€rtige EU-Agrarpolitik auch fĂŒr die meisten kleinen Bauernhöfe nichts Gutes erreicht, viele stehen vor dem Aus. Dennoch propagierten der mĂ€chtige Deutsche Bauernverband und große Teile der CDU/CSU, das Motto „Augen zu und durch“ in der Hoffnung, dass die Billigproduktion fĂŒr den Weltmarkt zumindest kurzfristig ausreichend Profite fĂŒr diejenigen abwirft, die im Verband das Sagen haben.

Insbesondere in der Landwirtschaft sorgen die derzeitigen Rahmenbedingungen der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) dafĂŒr, dass die natĂŒrlichen Lebensgrundlagen des Menschen auf Kosten der Steuerzahler massiv geschĂ€digt werden. Es muss daher das Ziel sein, dieses System grundlegend zu reformieren und die bedingungslosen Direktzahlungen zu beenden. Statt pauschaler FlĂ€chenprĂ€mien sollen die Landwirte einkommenswirksam fĂŒr tatsĂ€chliche Naturschutzleistungen bezahlt werden. Der NABU fordert daher die Einrichtung eines eigenstĂ€ndigen EU-Naturschutzfonds im Rahmen einer neuen ErnĂ€hrungs- und Landnutzungspolitik der EU. In den kommenden Monaten beginnen auf EU-Ebene Verhandlungen ĂŒber die Agrarpolitik, die mindestens bis 2030 wirken.

Bereits am 25. September, dem Tag nach der Wahl, lĂ€dt EU-Haushaltskommissar GĂŒnter Oettinger zu einer Konferenz ĂŒber die Zukunft des EU-Budgets nach 2020 nach BrĂŒssel ein. AnlĂ€sslich dieser EU-Haushaltskonferenz veröffentlichen der NABU und seine europĂ€ischen PartnerverbĂ€nde ihre Forderungen an den EU-Finanzrahmen nach 2020. Der NABU fordert die Ablösung der derzeitigen pauschalen „GießkannenprĂ€mien“ durch einen Investitionsfonds in den nachhaltigen Umbau von Landwirtschaft, Handel und Konsum. 15 Milliarden Euro jĂ€hrlich sollen zudem in einen neuen EU-Naturschutzfonds fließen, damit gerade Landwirte attraktiv fĂŒr Naturschutzleistungen bezahlt werden können – im Gegensatz zu heute, wo sie nur fĂŒr Einkommensverluste entschĂ€digt werden, wenn sie zum Beispiel BlĂŒhstreifen anlegen oder spĂ€ter im Jahr mĂ€hen.
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